Seit 2008 versucht die französische Regierung mehr schlecht als recht, die Lehrerausbildung zu reformieren. Jedoch lehnt ein Großteil der Lehrerschaft die Reform der IUFM – das Studienseminar für die Ausbildung der französischen Lehrer der Primar- und Sekundarstufe – ab. Ein Erklärungsversuch des Konflikts.

Depuis 2008, le gouvernement français tente tant bien que mal de réformer la formation des professeurs. Mais une grande partie des enseignants rejettent la réforme de l´IUFM. Tentative d´explication du conflit.

„Die Reform wurde im Juni 2008 angekündigt mit dem Vorwand, das Qualifikationsniveau der Lehrer auf das Masterniveau zu erhöhen, was an sich weder skandalös noch dumm ist“, erklärt Thierry Cadart, Gewerkschaftssekretär des Sgen-CFDT, die dritte Lehrergewerkschaft in Frankreich. Aber der Gewerkschaftler ist nicht candide. Seiner Meinung nach versteckt sich hinter diesem Reformsprojekt, „die Absicht den IUFM ein Ende zu setzen und den geplanten Abbau von Lehrerstellen bequemer zu verkaufen.“ 16 000 Streichungen sind nämlich zum Schuljahresbeginn 2010 (September) geplant. Bevor wir ins Thema tatsächlich einsteigen, schauen wir in die Vergangenheit zurück. 1989 plant das Gesetz „loi Jospin“ – nach dem Namen des damaligen Bildungsministers – die Gründung der instituts universitaires de formation des maîtres (IUFM). Ab 1990 wurden 31 IUFM, eins pro Académie, gegründet. Das Gesetz enthält außerdem die Lohnangleichung der Grundschullehrer und die Rekrutierung der Studenten, die über einen Bachelor verfügen, in den IUFM. 2005 verlieren die IUFM mit der „loi Fillon“ ihre Unabhängigkeit. Sie sind in ihre jeweiligen Universitäten integriert. Ihr Status entspricht nun dem eines IUT – eine Fachhochschule, die in Frankreich einer Universität unterstellt ist.

Praxismangel und Theorieübermaß

Diese Maßnahme wurde von zahlreichen Forschern und besonders von den Mitgliedern der Académie française Roger Balian, Jean-Michel Bismut, Alain Connes, Jean-Pierre Demailly, Laurent Lafforgue, Pierre Lelong und Jean-Pierre Serre unterstützt, die 2004 befürworten, „die IUFM in die Universitäten einzufügen, damit die Fachausbildung gegenüber spezifischen Inhalten (pädagogische Reflexion, Geschichte der Wissenschaften etc.) wieder eine Vorrangstellung einnimmt, das letzte Jahr würde aus einen Unterrichtspraktikum unter Anleitung von erfahrenen Lehrern bestehen.“ Der Mangel an Praktika und das Übermaß an didaktischer und pädagogischer Theorie sind übrigens zwei Kritikpunkte an der „Lehrerschule“. 2002 sorgte einmal ein Artikel für Wirbel. Le Monde veröffentlichte zum ersten Mal einen offenen Angriff gegenüber der IUFM. Die Autoren, zwei Gymnasiallehrer mit „Agrégation“ – eine französische Rekrutierungsprüfung für die oberen Posten im Schuldienst, Fabrice Barthélémy et Antoine Calagué, proklamierten: „Seit zehn Jahren werden die Lehrer in den sogenannten IUFM ausgebildet. Wir könnten die Bilanz dieses Versuchs mit einem erschütternden „Triptychon“ zusammenfassen: Das IUFM ist ineffizient, zwecklos und parasitär.“ In dem Ministeriumsbericht, der im Mai 2008 veröffentlicht worden ist, hält es also das Bildungsministerium „für nötig, die Lehrerausbildung zu modernisieren, um die neuen  Herausforderungen, die mit seiner Ausübung verknüpft sind, anzupassen.“ Aber was schlägt Luc Chatel, heutiger Bildungsminister, ganz konkret vor?

Eine Reform, die auf dem deutschen Vorbild basiert?

Die Reform betrifft die Rekrutierung der Lehrenden, ihre Ausbildung sowie den Inhalt und die Bedeutung der Bewerbungsverfahren. Der erste Punkt ist der wichtigste: Die zukünftigen Lehrer müssen nicht mehr lediglich einen Bachelor, sondern ein Master oder ein entsprechendes Diplom vorlegen, um nach den Bewerbungsverfahren angenommen werden zu können. Die concours – Wettbewerbe, typisches Bewerbungsverfahren der französischen Republik – werden wie gesagt modernisiert, behalten jedoch ihre alten Namen, wie z.B. das CAPES (Certificat d'aptitude au professorat de l'enseignement du second degré), das die zukünftigen Gymnasiallehrer bestehen müssen. Ab dem nächsten Semester werden zahlreiche Universitäten einen Lehramtsmaster anbieten. Zukünftig werden die Studenten, die im schulischen Bereich arbeiten möchten, schon während des Bachelors an die Praxis der Lehrberufe herangeführt. Dieses Projekt erinnert sehr an die Lehrerausbildung, die auf der anderen Seite des Rheins stattfindet. Die zukünftigen Berliner Lehrer – da die Bildungspolitik Sache der Bundesländer ist, werde ich nur zwischen Frankreich und Berlin eine Parallele ziehen – studieren zunächst auf Bachelor mit einer Lehramtsoption, die schon Didaktik- und Pädagogikkurse beinhaltet. Die Fortsetzung findet im Master statt, der sie konkret auf den Beruf vorbereitet, bevor sie das Referendariat für eine Dauer von einem bis zwei Jahren antreten. Die Referendare geben zwischen sieben und zwölf Stunden Unterricht pro Woche. Daneben, ohne von der Vor- und Nachbereitung zu sprechen, besuchen sie mehrere Seminare pro Woche. Ein sehr anstrengender Rhythmus, den nicht jeder verkraftet. Burnout-Fälle sind nicht selten.

Fruchtloses Unterfangen

Und es ist eine der Befürchtungen der Ausbilder Marie-Albane de Suremain, Didier Mendibil und Michel Solonel, die in IUFM in Seine-et-Marne tätig sind, dass die Referendare „in Anbetracht dieser Schwierigkeiten frühzeitig kündigen.“ Am ersten Dezember 2009 haben 16 Organisationen, die unter anderem die Lehrergewerkschaften der Primar- und Sekundarstufe und die FCPE – der größte Elternverband Frankreichs – versammelte, in einer gemeinsamen Mitteilung gefordert, die Reform der Lehrerausbildung neu aufzurollen. Sie erklären in diesem Schreiben die Wichtigkeit dieser Reform, da sie auch die Konturen der morgigen Gesellschaft bestimmt. Sie bedauern dagegen die umstrittenene Reform, die von der Regierung vorgeschlagen worden ist und beklagen „das Fehlen an tatsächlicher Abstimmung und die Verachtung des dialogue social“ des Bildungsministers Luc Chatel und der Ministerin für Hochschulwesen und Forschung Valérie Pécresse. Die Gewerkschaften kritisieren das zweite Studienjahr des Masters, das „schwer zu führen“ sei, da die Studenten den Master und den concours gleichzeitig bewältigen müssen. In der Beschränkung der Rolle des IUFM sehen viele Berufstätige des Schul- und Hochschulwesens die Gefahr, dass die Festung nach und nach fällt. Das Institut soll ab dem nächsten Semesterbeginn lediglich die eventuellen Praktika betreuen. Im Rahmen dieser Mitteilung werden außerdem Folgendes vorgeschlagen: Die nationale Angleichung der neuen Masterstudiengänge, die Verstärkung der personnellen und finanziellen Mittel der IUFM oder auch der Antrag von Sozialhilfe für Studenten, um „die soziale Mischung zu garantieren“ und um „die Verlängerung des Studiums auszugleichen.“ Dieses fruchtlose Hin und Her zwischen der Regierung und den Mitgliedern des Schul- und Hochschulwesens wird „eine brenzlige Situation während der Umsetzung der Reform zum Schuljahresbeginn 2010 in den Universitäten und schulischen Einrichtungen“ hervorrufen. Eine Sache, die es weiter mit Aufmerksamkeit zu verfolgen gilt.

« La réforme a été annoncée en juin 2008, avec le prétexte d´élever le niveau de qualification des enseignants au niveau master, ce qui en soit n´est ni scandaleux, ni idiot », explique Thierry Cadart, secrétaire général du Sgen-CFDT, troisième syndicat enseignant en France. Mais le syndicaliste n´est pas candide. D´après lui, ce projet de réforme cache « la volonté d´en finir avec les IUFM, et de faire avaler plus commodément les suppressions de postes programmées. » En effet, 16 000 suppressions sont prévues à la rentrée 2010 (septembre). Mais pour commencer, un petit retour en arrière est nécessaire. En 1989, la loi Jospin - du nom du Ministre de l´Education Nationale de l´époque - prévoit la création des instituts universitaires de formation des maîtres (IUFM) du premier et second degré - l´équivalent de la Primar- et de la Sekundarstufe en Allemagne. 31 IUFM sont créés, un par académie, dès 1990. La loi comprend entre autres l´alignement salarial des instituteurs - l´équivalent des Grundschullehrer - qui deviennent officiellement « professeurs des écoles » et le recrutement des étudiants en IUFM au niveau licence. En 2005, les IUFM perdent, avec la loi Fillon, leur indépendance. Ils se voient intégrés à leurs universités respectives. Leur statut n´est autre que celui d´un IUT par exemple - l´équivalent de la Fachhochschule en Allemagne qui est rattaché en France à une université.

Manque de pratique et excès de théorie

Cette mesure fut soutenue par de nombreux chercheurs et notamment par les académiciens Roger Balian, Jean-Michel Bismut, Alain Connes, Jean-Pierre Demailly, Laurent Lafforgue, Pierre Lelong et Jean-Pierre Serre qui préconisèrent en 2004 « de fondre les IUFM dans les universités, pour redonner une place prépondérante à la formation disciplinaire à côté de quelques enseignements spécifiques (réflexion pédagogique, histoire des sciences, etc.), la dernière année comprenant un stage en classe sous la tutelle d’enseignants expérimentés. » Le manque de stages et l´excès de formation théorique didactique et pédagogique sont d´ailleurs unes des grandes critiques de « l´école des maîtres ». Déjà en 2002, le premier pavé fut jeté dans la mare. Le Monde publia pour la première fois un article attaquant ouvertement l´IUFM. Les auteurs, deux agrégés d´histoire, Fabrice Barthélémy et Antoine Calagué, proclamèrent : « Depuis dix ans, la formation initiale des professeurs est dispensée dans des établissements dits " IUFM ". On pourrait résumer le bilan de cette expérience dans un consternant triptyque : l’IUFM est inefficace, inutile et parasitaire ». Dans le rapport d´activité ministériel publié en mai 2008, le Ministère de l´Education Nationale estime donc « nécessaire la rénovation de la formation des enseignants, afin d'actualiser leur métier et de l'adapter aux nouvelles exigences liées à son exercice. » Mais que propose concrètement Luc Chatel, actuel Ministre de l´Education Nationale ?

Une réforme basée sur le modèle allemand ?

La réforme concerne le recrutement des enseignants, leur formation, le contenu et la place des concours de recrutement. Le premier point est le plus important : les futurs professeurs ne devront plus seulement justifier d´une licence, mais d´un master ou l´équivalent d´un diplôme BAC+5 pour pouvoir être recrutés à l´issue des nouveaux concours qui gardent cependant les mêmes noms, comme le CAPES (Certificat d'aptitude au professorat de l'enseignement du second degré) par exemple. Dès la rentrée prochaine, de nombreuses universités proposeront un « master Métiers de l´enseignement et de l´éducation ». À l´avenir, les étudiants souhaitant travailler dans le domaine scolaire seront initiés aux pratiques des métiers de l´enseignement dès la licence. Ce projet rappelle fortement la formation des enseignants Outre-Rhin. En effet, les futurs enseignants berlinois – les Bundesländer étant souverains en matière de politique educative, je n´établirai ici un parallèle qu´entre la France et Berlin – effectuent en règle générale une licence avec Lehramtsoption, une option comprenant déjà des cours de didactique spécifiques aux matières étudiées et de sciences de l´éducation. Ils poursuivent avec un Master of Education les préparant concrètement à l´enseignement avant d´effectuer un stage d´un ou deux ans. Lors de cette période, les stagiaires enseignent entre 7 et 12 heures par semaine. En parallèle, sans parler de la préparation, les jeunes fonctionnaires suivent plusieurs séminaires par semaine. Un rythme très soutenu auquel tous ne résistent pas. Les cas d´épuisement physique et moral ne sont pas rares.

Dialogue de sourds

Et c´est une des craintes de Marie-Albane de Suremain, Didier Mendibil et Michel Solonel, enseignants-formateurs dans des IUFM de Seine-et-Marne, que les professeurs stagiaires seront « devant ces difficulties, tentés de démissionner précocement. » Le 1er décembre 2009, 16 organisations regroupant entre autres les syndicats du primaire et du secondaire et la FCPE – la Fédération des conseils de parents d´élèves – demandent dans un communiqué commun la « remise à plat » de la réforme de la formation des professeurs. Ils y expliquent l´importance de cette réforme qui représente à leurs yeux un vrai choix de société. Ils déplorent par contre la réforme controversée proposée par le gouvernement et dénoncent « l’absence de réelle concertation et le mépris du dialogue social dont font preuve les ministres [Luc Chatel et Valérie Pécresse, Ministre de la recherche et de l´enseignement supérieur]. » Les syndicats critiquent fermement l´année de master 2 qui serait « ingérable », au cours de laquelle les étudiants devraient cumuler la validation du master et la réussite au concours. Le rôle restreint de l´IUFM qui ne consisterait plus qu´à encadrer les éventuels stages évoque parmi les professionnels de l´enseignement la crainte de voir disparaître progressivement cette forteresse. Au sein de ce communiqué intersyndical sont exprimées en outre de nombreuses propositions : le cadrage national des nouveaux masters, le renforcement des moyens humains et financiers des IUFM ou encore la demande d´aides sociales aux étudiants pour « garantir la mixité sociale » et pour « compenser l´allongement de la durée des études.» Ce dialogue de sourds promet « une situation explosive dans les universités et les établissements scolaires lors de la mise en œuvre de la réforme à la rentrée 2010. » Affaire à suivre avec attention.

Links

Liens