In der deutsch-französischen gehörlosen Welt


Von: Lea Gregor

De: Lea Gregor

Ein Beispiel für ein Sprachkursstipendium des DFJW

Nach dem Abitur hatte ich vor, einige Zeit in Frankreich zu verbringen. Da ich danach mein Studium der Sonderpädagogik mit dem Schwerpunkt „Gehörlosenpädagogik" beginnen wollte, war die Möglichkeit, ein 6-monatiges Praktikum beim „International Visual Theater“ in Paris zu machen, eine große Chance für mich. Das IVT, 1976 in Paris gegründet, ist europaweit das einzige professionelle Theater mit gehörlosen Schauspielern. Sein Repertoire umfasst Stücke aus der Kultur der Gehörlosen wie auch klassische Dramen der Kultur der Hörenden.

Der erste Tag beim Theater war etwas merkwürdig: Ich konnte ja kaum französisch und Gebärdensprache noch weniger. Auch wenn ich gerade von der Gebärdensprache nichts verstanden habe, faszinierte sie mich auf Anhieb und darum war ich froh, dass mir der Direktor anbot, eine Gebärdensprachschule zu besuchen. Besonders lustig fand ich, dass die Gehörlosen gar nicht bemerkt haben, dass ich aus Deutschland kam.

Nach einigen Wochen bekam ich das Angebot an einer Schule für Gehörlose zu hospitieren. Nach sechs anstrengenden Monaten musste ich zurück nach Deutschland und mein Studium beginnen. Gleichzeitig habe ich auch angefangen die deutsche Gebärdensprache zu lernen, was besonders am Anfang sehr schwierig war, da ich die einzelnen Gebärden immer wieder mit den französischen Gebärden verwechselt habe. Die Grammatik ist in beiden Sprachen annähernd gleich, auch einige Gebärden überschneiden sich, aber es gibt auch sehr viele Gebärden, die vollkommen unterschiedlich sind. Schließlich haben sich die Gebärdensprachen langsam entwickelt und kulturelle Einflüsse haben dabei immer eine grosse Rolle gespielt.

Ein halbes Jahr, nachdem ich zurück war, kamen einige Schauspieler vom IVT nach Düsseldorf, um da ein paar Szenen aus ihren Theaterstücken zu zeigen. Bei der Diskussionsrunde war es sehr kompliziert, da es insgesamt 4 Sprachen gibt. Während dieser Tage mit den Gehörlosen habe ich große Lust bekommen, selbst meine Kenntnisse in der deutschen und französischen Gebärdesprache und in der französischen Lautsprache zu vertiefen, damit ich in ähnliche Situationen als Dolmetscher arbeiten kann.

Leider sind die Kurse am IVT sehr teuer, so dass ich es mir nicht leisten konnte. Glücklicherweise brachte mich der Direktor des IVT auf die Idee beim DFJW um finanzielle Unterstützung anzufragen. Ich hatte Erfolg. Die drei Wochen in Paris, die mir durch das DFJW ermöglicht wurden, haben mich sehr in meinem zukünftigen Vorhaben bestärkt: Ich habe intensiver französische Gebärdensprache, sowie auch Lautsprache gelernt und die alten Kontakte zur Gehörlosenkultur wiederaufgenommen. Ich bin mir nun sicher, dass ich meine Berufsplanung weiterhin in diese Richtung verfolgen werde, um somit den kulturellen Austausch, sowie auch den der Gehörlosenkultur zu fördern.