Ackern für den Bio-Urlaub
Hast du Lust, Landluft zu schnuppern und einmal Bauer oder Bäuerin zu spielen? Dann solltest du „Wwoofing“ ausprobieren. Die internationale Organisation „World-Wide Opportunities on Organic Farms“ (WWOOF) gibt Adressen von Höfen in Frankreich, Deutschland und anderen Ländern raus, auf denen du Unkraut jäten, Kühe melken und Bäume pflanzen kannst – für Unterkunft und Verpflegung sorgen die Hofbesitzer. Spaß und internationale Kontakte sind inklusive.

Als Martina und Maurizio in Pierry ankommen, glauben sie, in einem Ferienlager gelandet zu sein: Ein Dutzend junge Leute aus Frankreich, Japan und Amerika grillen, singen und jonglieren. „Eine unheimlich offene Atmosphäre“, erinnert sich Maurizio Graubner an den Bauernhof von Matthieu Ballu, der sich in der Nähe von Épernay in der Champagne befindet. Doch die Leute sind nicht nur zum Spaß hier. Für Kost und Logis arbeiten sie im Gegenzug auf Matthieus Hof.
Der Arbeitstag beginnt ganz gemächlich. Gegen neun, halb zehn wird erst einmal gemeinsam gefrühstückt. Anschließend geht es mit dem Auto zum knapp zwei Kilometer entfernten Acker. „Dort geht die Arbeit dann los“, berichtet Maurizio. Erde auflockern, Setzlinge pflanzen, alles per Hand. „Das war schon anstrengend. Aber es macht auch Spaß, man schwätzt und lacht, manche singen“, erzählt der 21-Jährige. Gut vier Stunden lang arbeiten die Freiwilligen auf dem Feld. Danach geht es zurück zum Hof, wo Matthieus Freundin Lady Essen für die hungrigen Feldarbeiter gekocht hat. Nach dem Mittagessen baut Maurizio einen Käfig für das Kaninchen, das er auf dem Feld eingefangen hat. Es ist für die kleine Tochter von Lady und Matthieu. Martina arbeitet im Gemüsebeet, andere reparieren Fahrräder – jeder tut das, was er am besten kann.
Ähnlich läuft der Tag auch auf Hof Harwege ab. Der liegt nicht in der Champagne, sondern in Niedersachsen. „Wir haben meistens ganz engagierte Wwoofer dabei“, erzählt Hofbesitzer Heiner Harwege. Manche pflücken Erdbeeren, andere pflanzen Gemüse, einer hat mal eine Sonnenuhr gebaut. Die Harweges bieten vielfältige Möglichkeiten. „Die Wwoofer wollen ja auch was von ihrem Aufenthalt haben.“ Und das haben sie auf Hof Harwege: Abends wird zusammen gekocht, und die Harweges organisieren sogar Ausflüge nach Hamburg. Doch Hotelservice darf man als Wwofer natürlich nicht erwarten. Jeder macht sein Bett selbst, wäscht seine Wäsche und putzt auch mal das Bad. Maurizio bekräftigt das: „Manche haben falsche Erwartungen. Wwoofing ist kein Erholungsprogramm. Die Arbeit ist quasi das Tauschmittel, um mit Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturen in Kontakt zu kommen.“
Wer Lust darauf hat, muss Mitglied werden. Das kostet in Deutschland 18 Euro im Jahr, in Frankreich 15. Wenn man das Geld überwiesen hat, erhält man die Liste des jeweiligen Landes mit den Hofbeschreibungen. Vom Gemüsehof auf der Insel Pellworm bis zur Rinderfarm am Chiemsee – Wwoof Deutschland hat knapp 200 Höfe im Angebot. Nicht immer sind die Arbeiten so abwechslungsreich wie auf Hof Harwege. „Damit keine Missverständnisse aufkommen, sollte man vorher per Telefon persönlich Kontakt zum Hof aufnehmen“, rät Frank Solzer, der Pressesprecher von Wwoof Deutschland. Er empfiehlt außerdem, sich so früh wie möglich beim Hof zu melden. Dann stehen die Chancen für einen tollen Aufenthalt gut. Maurizio hat nach seinem ersten Wwoofing-Aufenthalt in Frankreich gleich noch einen Hof in Schweden besucht. Und Heiner Harwege ist schon seit über 20 Jahren begeistert dabei: „Das bringt Leben in die Bude“, sagt er. „Wir lernen Leute aus aller Welt kennen!“
Links
Wwoof International
http://www.wwoof.org/
Wwoof Deutschland
http://www.wwoof.de/
Wwoof Frankreich
http://www.wwoof.fr/
Hof Harwege in Dahlenburg
http://www.hofharwege.de/
