2003 wurde innerhalb der deutsch-französischen Partnerschaft ein ungewöhnliches Abenteuer ins Leben gerufen : Ein Team bestehend aus französischen und deutschen Lehrern und Forschern versuchte, eine Geschichtsbuchreihe für die Gymnasiasten beider Länder zu entwickeln. Und wo befinden wir uns nun acht Jahre später, nachdem der erste Band erscheinen soll?

En 2003, une aventure inédite a vu le jour au sein du couple franco-allemand : une équipe d'enseignants et de chercheurs français et allemands a tenté de mettre au point une série de manuels d'Histoire à l'attention des lycéens des deux pays. Huit ans plus tard, à la sortie du dernier tome, où en est-on ?

Von der Zivilgesellschaft zur politischen Unterstützung

Vor acht Jahren versammelte sich ein deutsch-französisches Parlament in Berlin zum Anlass des 40jährigen Bestehens des Elyséee-Vertrags, Gründungsvertrag der deutsch-französischen Freundschaft. Das durch dieses Treffen festgelegte Ziel war die Wiederauffrischung der deutsch-französischen Partnerschaft durch Vorschläge, die direkt von jungen Leuten ausgingen, der Zukunft der deutsch-französischen Beziehungen also. Unter den zahlreichen Vorschlägen hat die Idee der Ausarbeitung eines Geschichtsbuchs, das sich sowohl an französische als auch an deutsche Gymnasiasten richten sollte, die damaligen politischen Verantwortlichen Jacques Chirac und Gerhard Schröder sofort begeistert. Eine politische Unterstützung, die sich im Nachhinein als unbedingt notwendig erwies, um das Projekt in die Wege zu leiten, wie Etienne François, Mitglied des Lenkungsausschusses für die Entwicklung des Schulbuchs – emeritierter Geschichtsprofessor an der Universität Paris I und Direktor des Frankreich-Zentrums an der TU Berlin – unterstrich: „Anfangs handelte es sich um eine Initiative, die zwar von der Zivilgesellschaft ausging, die aber sogleich von den Politik- und Regierungsinstanzen beider Länder berücksichtigt wurde. Diese politische Dimension, die von Anfang an präsent war, kann gar nicht genug betont werden: Ohne sie steht es außer Zweifel, dass ein wahrhaftiges deutsch-französisches Schulbuch niemals hätte ausgearbeitet werden können, oder es wäre bestenfalls nur ein frommer Wunsch oder ein Projekt ohne jeglichen Einfluss auf die Realität geblieben.“

Harmonisierung der französischen und deutschen Lehrpläne

Sobald diese Unterstützung gesichert war, konnte das Forscherteam aufgestellt werden und seine Arbeit an der Harmonisierung der Lehrpläne beginnen. Eine wahre Herausforderung, denn während in Frankreich das Ministerium für nationale Bildung die Lehrpläne und ihren Inhalt auf nationaler Ebene verwaltet, sind es in Deutschland die Länder, die für die Unterrichtspläne verantwortlich sind. Um das deutsch-französische Schulbuch wirklich einführen zu können, war das Einverständnis der sechzehn Bundesländer unerlässlich. Am Ende einer Konferenz der Ministerpräsidenten dieser Länder (26. Juni 2003), gefolgt von einer Zusammenkunft in Poitiers der deutschen Bundesländer und der französischen Regionen, und nachdem der Beschluss durch die Bildungs- und Kultusministerkonferenz schließlich verabschiedet worden war, konnte das Projekt Gestalt annehmen. Damit wurde dem zweisprachigen Lenkungsausschuss Platz gemacht, der mit der Ausarbeitung des Geschichtsbuchs beauftragt war: sieben Lehrer und Forscher auf französischer und acht auf deutscher Seite, das Ganze unter der abwechselnden Koordinierung von zwei Vertretern jedes Landes.

Die Herausforderungen der Zweisprachigkeit und unterschiedliche Lernmethoden in den beiden Ländern

Das Unternehmen, in dem sich das deutsch-französische Team wiederfand, war eine relativ schwierige Aufgabe, die es zu lösen galt. In der Tat handelte es sich um weit mehr als um die Ausarbeitung eines deutsch-französischen Geschichtsbuchs, nämlich um „ein gemeinsames Schulbuch mit einem hundertprozentig identischen Inhalt in seiner französischen wie in seiner deutschen Version – also ein deutsch-französisches Geschichtsbuch und kein Buch über deutsch-französische Geschichte“, wie Etienne François feststellt. Drei Bände erwiesen sich als notwendig für das korrekte Erreichen der Ziele in den französischen Klassen Seconde, Première und Terminale, d.h. in der deutschen gymnasialen Oberstufe. Der erste Band, der dem Europa und der Welt nach 1945 gewidmet ist, richtet sich daher an die Abschlussjahrgänge und somit an alle angehenden Abiturienten. Erschienen 2006, wurde es gefolgt von dem Band für die Première bzw. 12. Klasse, das sich mit dem Europa und der Welt des Wiener Kongresses (1814) bis 1945 befasst. Der dritte Band für die Seconde/11. Klasse, der im Dezember 2010 in Berlin vorgestellt wurde, beginnt mit der Antike und endet mit dem Wiener Kongress.

Auch wenn die drei Bände entstehen konnten und unter der Schirmherrschaft anerkannter Verlage (Nathan in Frankreich und Klett in Deutschland) erschienen,
war ihre Realisierung dennoch mit Schwierigkeiten verbunden. Denn wie sollte man zwei verschiedene Versionen der Vergangenheit, zwei gegensätzliche Ressentiments bezüglich der Kriegszeiten miteinander in Einklang bringen, oder auch zu beiden Seiten des Rheins von den USA und ihrer Rolle in der Welt oder auch von Nationalgefühl sprechen, ohne über Stolpersteine zu fallen, welche die verschiedenen Ansichten zu Tage fördern? Und wie steht es mit den Lehrpraktiken und der Art der Darstellung von Geschichte in den beiden Ländern? Man weiß z.B., dass in Frankreich die Vermittlung durch den Lehrer Priorität hat, während in Deutschland der individuellen bzw. Gruppenarbeit, der Überlegung und der Konfrontation von Standpunkten ein größerer Platz eingeräumt wird. Eine der vom Lenkungsausschuss vorgeschlagenen Lösungen lässt sich in dem Ausdruck „Blick aus verschiedenen Perspektiven“ zusammenfassen. Wie der Name schon sagt, geht es darum, „Dokumente miteinander abzugleichen, die Dokumentation zu erweitern und verschiedene Blickwinkel miteinander in Beziehung zu setzen“, erklärt Philippine Lefèvre, Studentin in Europäischer Staatsführung an der Universität Paris I Panthéon-Sorbonne. Sie fährt mit der Idee fort, dass dieser Blick aus mehreren Perspektiven den „wahren Mehrwert“ des Geschichtsbuches ausmache.

Die Reformen der Lehrpläne
, insbesondere in Frankreich, stellten eine weitere Schwierigkeit im Ausarbeitungsprozess der drei Geschichtsbücher dar. Das Unterrichtspensum musste sich mit den Veränderungen der Schulpolitik weiterentwickeln. „Somit sieht in Frankreich die von nun an in der Seconde erörterte Periode ein Themenspektrum vor, das von der griechischen Antike bis zu den Revolutionen des 18. Jahrhunderts reicht. Der deutsch-französische Schnittpunkt ist daher schwieriger zu identifizieren“, erklärt Philippine Lefèvre weiter.

Erfolg und Zukunft

Dennoch hat das Geschichtsbuch einen gewissen Erfolg (wenn auch im Rückgang), besonders bei den binationalen, Abibac- und europäischen Schulzweigen. Es ist für diese europaorientierten Klassen zu einem Zivilisationshandbuch geworden. Europa befindet sich übrigens im Herzen dieses Schulbuchs, das in seinem Vorwort das europäische Motto aufgreift : „In Vielfalt geeint“. Das Schulbuch hat gerade Einigkeit oder vielmehr Einstimmigkeit bei der Veröffentlichung des ersten Bandes ausgelöst: Wie Etienne François bemerkt, „kann man die Stellungnahmen von Journalisten, Hochschullehrern und Historikern gar nicht mehr zählen, bei denen sich, wie es sich gehört, die Hommage an die Premiere, die dieses Schulbuch darstellt, mit der positiven Betonung seiner Neuheit und seines Beitrags vermischen“. Ausdrücke wie „große pädagogische und politische Tragweite“, „Instrument des staatsbürgerlichen Pflichtgefühls“ oder auch „deutsch-französische Basis, aber europäische und länderübergreifende Dimension“ waren in den Medien vielfach zu vernehmen.

Nun bleibt noch zu wiss
en, ob das Geschichtsbuch für die Seconde/11. Klasse, dem die Reform der französischen Lehrpläne einige Sorgen bereitet hat, den erhofften Erfolg haben wird und ob weitere Projekte derselben Art entstehen können... Ein deutsch-französisches Erdkundebuch ist in Vorbereitung, ebenso wie ein Geschichtsbuch für Deutschland und Polen; Russland und die Ukraine versuchen ebenfalls, mit einem gemeinsamen Schulbuchprojekt in Erscheinung zu treten. Die Bedingungen sind nicht dieselben, aber das Ergebnis wird gewiss ebenso sehnsüchtig erwartet werden und ein Begründer neuer Hoffnungen sein.

De la société civile au soutien politique

Il y a huit ans, un Parlement franco-allemand s'est réuni à Berlin à l'occasion des 40 ans du traité de l'Elysée, traité fondateur de l'amitié franco-allemande. L'objectif fixé par cette rencontre était de redynamiser le couple franco-allemand, à travers des propositions émanant directement des jeunes, ceux qui représentent l'avenir des relations franco-allemandes. Parmi les nombreuses propositions, celle de réaliser un manuel d'histoire destiné tant aux lycéens français qu'allemands, a immédiatement emballé les responsables politiques de l'époque, Jacques Chirac et Gerhard Schröder. Un soutien politique qui, avec le recul, se révéla indispensable pour amorcer le projet, comme le souligne Etienne François, membre du comité de pilotage pour la création du manuel, professeur émérite d'histoire à l'université Paris I et directeur du Frankreich-Zentrum de la Technische Universität de Berlin : « Au départ, il s'agit donc d'une initiative qui émane, certes, de la société civile, mais qui a été immédiatement prise en compte par les instances politiques et gouvernementales des deux pays. Cette dimension politique, présente dès le début, joue un rôle capital: sans elle il ne fait aucun doute qu'un manuel franco-allemand d’Histoire n'aurait jamais pu voir le jour, ou qu'il ne serait resté, au mieux, qu'un vœu pieux ou un projet sans prise sur le réel ».

L’harmonisation des programmes scolaires français et allemands

Une fois ce soutien acquis, l'équipe de chercheurs a pu se mettre en place et commencer son travail d'harmonisation des programmes. Un véritable défi car si en France le Ministère de l'Education nationale gère les programmes et contenus à l’échelle nationale, en Allemagne, la conception des programmes éducatifs revient aux différents Länder. Ainsi l'accord des seize Länder allemands était indispensable pour mettre en place le manuel franco-allemand. C'est au terme d'une Conférence des ministres-présidents des Länder (le 26 juin 2003), d'une rencontre à Poitiers des Länder allemands et des régions françaises et enfin, de l'adoption de la résolution de la Conférence permanente des ministres de l'Education et des Affaires culturelles des Länder que le projet a définitivement pris corps. Un comité de pilotage bilingue composé de sept professeurs et chercheurs du côté français et huit du côté allemand a pu être mis en palce pour élaborer le manuel.

Les défis du bilinguisme et des méthodes d'apprentissage différentes entre les deux pays

Bien plus qu’un manuel d'histoire franco-allemand, il s'agissait de réaliser « un manuel commun au contenu rigoureusement identique dans sa version française et sa version allemande – donc un manuel franco-allemand d'histoire et non un manuel d'histoire franco-allemande », comme le note Etienne François. Depuis le lancement du projet, trois volumes ont été rédigés, destinés aux classes de lycée ou Oberstufe en Allemagne : le premier, sorti en 2006, consacré à l'Europe et au monde de l’après-guerre, s'adresse aux Terminales, (futurs bacheliers); le second, qui présente l'Histoire européenne et mondiale du Congrès de Vienne (1814) à 1945, concerne les classes de Première et enfin, le troisième est qui traite la période allant de l'Antiquité jusqu'au Congrès de Vienne est étudié en Seconde.

Même si les trois tomes ont pu voir le jour et sont parus sous l'égide de maisons d'éditions reconnues en France et en Allemagne (les éditions Nathan et le Klett Verlag), leurs réalisations ne se sont pas faites sans difficulté. En effet, comment harmoniser deux visions différentes du passé, deux ressentiments opposés quant aux périodes de guerre, ou encore, comment parler des deux côtés du Rhin, deu rôle des Etats-Unis et de leur rôle dans le monde ou du sentiment national sans être confronté à des divergences de points de vue ? En outre, comment aborder les pratiques pédagogiques et le mode de présentation de l'histoire dans les deux pays ? On sait par exemple qu'en France, la priorité est donnée à la transmission par l'enseignant, alors qu'en Allemagne, une place plus grande est laissée au travail individuel voire en groupe, à la réflexion, à la confrontation des points de vue. L'une des solutions proposées par le comité de pilotage tient dans l'expression « regards croisés ». Comme son nom l'indique, il s'agit de « croiser les documents, d'élargir la documentation et de faire dialoguer les points de vue différents », précise Philippine Lefèvre, étudiante en Gouvernance européenne à université Paris I Panthéon-Sorbonne. Selon elle, ces regards croisés constituent la « véritable plus-value » du manuel.

Les réformes des programmes scolaires, notamment en France, ont constitué une autre difficulté dans le processus d'élaboration des trois manuels. Le cahier des charges a dû évoluer avec les changements de politique scolaire. Ainsi, en France, « la période désormais abordée en seconde envisage un spectre thématique allant de l'Antiquité grecque aux révolutions du XVIIIe siècle. L'intersection franco-allemande est donc, de fait, plus difficile à identifier », précise toujours Philippine Lefèvre.

Succès et avenir

Néanmoins, le manuel connaît un certain succès, surtout dans les filières binationales, Abibac et européennes. Il est devenu, pour ces classes, un manuel de civilisation dont l’ Europe est au cœur. La la devise de l'Union européenne est d’ailleurs citée dans la préface : « Unie dans la diversité ». Comme le note Etienne François, le premier tome a fait l'unanimité lors de sa sortie:, « on ne compte plus les prises de position de journalistes, d'universitaires et d'historiens, mêlant comme il se doit l'hommage rendu à la première représentée par ce manuel, la mise en valeur de sa nouveauté et de ses apports ». Des expressions comme « grande portée pédagogique et politique », « outil pour le civisme » ou encore « base franco-allemande mais dimension européenne et transnationale » ont foisonné dans les médias.

Reste désormais à savoir si le manuel destiné aux secondes, pour lequel la réforme des programmes français a posé quelques soucis, rencontrera le succès escompté ou encore si d'autres projets de la même nature peuvent voir le jour... Une géographie pour la France et l'Allemagne est en préparation, et des manuels d'histoire pour l'Allemagne et la Pologne, la Russie et l'Ukraine tentent d'émerger. Certes, les conditions ne sont pas les mêmes, mais on peut espérer des résultats encourageants et porteurs d’espoir.