


VON KATZENZUNGEN UND SPANISCHEN KÜHEN: DEUTSCH-FRANZÖSISCHE SPRACHVERWIRRUNG
LANGUES-DE-CHAT ET VACHES ESPAGNOLES : CONFUSION LINGUISTIQUE FRANCO-ALLEMANDE
Was meint der Deutsche nur, wenn er seinem Gegenüber vorwirft, jedes Wort auf die Goldwaage zu legen? Und warum wirft der Franzose „seine Zunge der Katze zum Fraß vor“ (donner sa langue au chat)? Spätestens wenn man eine Fremdsprache lernt, beginnt man den beeindruckenden – und nicht immer ganz verständlichen – Bildreichtum der Sprache zu schätzen. Besonders wenn es um das Reden selbst geht, schlagen das Französische und das Deutsche gerne linguistische Kapriolen. Ein kleiner Rundgang durch den deutsch-französischen Metapherngarten.
Que veut dire l’Allemand quand il reproche à son interlocuteur jedes Wort auf die Goldwaage zu legen (« peser chaque mot sur le trébuchet ») ? Et pourquoi le Français donne sa langue au chat ? Plus on avance dans l’apprentissage d’une langue étrangère, plus on commence à apprécier l’étonnante mais pas toujours compréhensible richesse métaphorique des langues. Avant tout, en matière linguistique, le français et l’allemand aiment faire des cabrioles. Petite promenade à travers le jardin métaphorique franco-allemand.
Ob groß oder klein, breit oder spitz: Der Mund als primäres Sprachorgan des Menschen hat schon immer Anlass zu Wortspielen gegeben, die auch die wichtige Rolle der Zunge für das Sprechen miteinbeziehen. So führt beispielsweise die Abwesenheit letzterer automatisch zur Sprachlosigkeit, was der Franzose als avoir avalé ou perdu sa langue bezeichnet („seine Zunge verschluckt/verloren haben“). Während es dem Deutschen gelegentlich die Sprache verschlägt, fürchtet der Franzose, dass ihm „der Kautabaksstängel abgeschnitten wird“ (couper la chique à quelqu’un). Doch die meiste Zeit über wird mit Freuden geredet, was den besonders vorlauten Zeitgenossen oft den Vorwurf, ein großes Mundwerk zu haben, einbringen kann. Im Französischen ist es allerdings eher die in die Länge gezogene Zunge, die den Prahlhans ausmacht (avoir la langue bien pendue). Ein flinkes Mundwerk hingegen ist im Deutschen meist als Kompliment gemeint. Die Franzosen sprechen in diesem Fall von einer langue déliée („gelöste Zunge“), die auch das Deutsche kennt, wenn man der Volksweisheit glauben darf: Das dritte Glas Wein lockert die Zunge.
Wer trägt hier seine Zunge in der Hosentasche? Mundfaulheit ist nicht gern gesehen
Wer hingegen so gar nicht reden mag, wird von den Franzosen elegant als pas très causant („nicht sehr gesprächig“) beschrieben, wobei der Deutsche auch einmal etwas direkter von Mundfaulheit sprechen und sein Gegenüber anspornen kann, doch endlich mit der Sprache herauszurücken. Im Französischen hingegen würde man den Redeunwilligen mit Lâche le morceau! („Spuck das Stück aus!“) in Anlehnung an prähistorische Jagdmethoden dazu auffordern, doch endlich das Stück Fleisch oder Fisch, das er zähnefletschend verteidigt, auszuspucken. Sollte die Angelegenheit allerdings langwieriger sein, spricht man auch gerne einmal davon, dass der Gesprächspartner sein Thema nun endlich mit Schmerzen und Schreien „geboren“ habe (accoucher de quelque chose). Wenn dann die Angelegenheit endlich zur Sprache kommt, werfen sie die Franzosen gleich „auf den Teppich“ (mettre quelque chose sur le tapis), um sie besser diskutieren zu können.
Wer sich dann besonders begeistert am Gespräch beteiligt, trägt für den Franzosen „seine Zunge nicht in der Hosentasche spazieren“ (ne pas avoir sa langue dans la poche), während der Deutsche ihm bescheinigt, nicht auf den Mund gefallen zu sein. Doch antwortet man nicht sofort und mit der nötigen Verve, kann es vorkommen, dass der deutsche Gesprächspartner grummelt, man solle doch nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Während man im Deutschen also die Bedeutung jedes Wortes bis auf die Unze genau abwiegt, ärgert sich der Franzose darüber, dass sein Gegenüber „seine Zunge sieben Mal im Mund herumdreht“ (tourner sept fois sa langue dans sa bouche), bevor er endlich etwas sagt. Und wenn man gar nicht mehr weiß, was man antworten soll, weil das Rätsel, das einem gestellt wurde, einfach unlösbar scheint, muss man eben „seine Zunge der Katze zum Fraß vorwerfen“ (donner sa langue au chat). Aber auch andere Tiere kommen nicht gut weg, wenn es um die Unfähigkeit zu sprechen geht. So schimpft der Franzose beispielsweise über die Touristen, die seine schöne Sprache nur teilweise beherrschen, dass sie „wie eine spanische Kuh“ sprächen (parler français comme une vache espagnole). Und wer eine besonders spitze, scharfe oder böse Zunge hat, wird mit einer langue de vipère („Schlangenzunge“) ausgestattet.
Ob Chinesisch, Spanisch oder gleich Katholisch: Am Sprachenwirrwarr sind alle schuld
Doch nicht nur die Tiere, auch die anderen Nationalitäten werden nicht immer verschont, wenn der Deutsche oder Franzose seinem Unmut über unverständliches Gerede Ausdruck gibt. Auf beiden Seiten des Rheins wird, sollte man einmal gar nichts verstehen, gerne geschimpft, dass der andere ja nur Chinesisch spreche (pour moi, c’est du chinois) – eine Redeweise, die sich auch in Zeiten von Chinesischunterricht in europäischen Grundschulen hartnäckig hält. Es kann eben nicht jeder sein Anliegen, einfach auf gut Deutsch oder en bon français vortragen! Hat man die Geschichte, die einem aufgetischt wurde, dann einmal verstanden und meint, eine Falle zu erkennen, kommt dem Deutschen die ganze Sache spanisch vor. Der Franzose hingegen wittert als treuer Papstanhänger, etwas „nicht ganz Katholisches“ (ça ne paraît pas très catholique à quelqu’un). Dem, der die Unwahrheit in die Welt gesetzt hat, bleibt dann meist nur noch die Möglichkeit, sich unbemerkt aus dem Staub zu machen. Das ist für die Franzosen vor allem eine englische Tradition (filer à l’anglaise/„auf Englisch abhauen“), wohingegen die Deutschen sie ironischerweise den Franzosen ankreiden (sich auf Französisch verabschieden).
Was soll man angesichts dieser Sprachenverwirrung noch tun? Während sich der Franzose in sein Los fügt, kein Wort von alledem zu verstehen (ne pas comprendre un mot de tout ça), gibt der Deutsche seufzend zu, dass er nur Bahnhof verstehe. Aber wer immer nur wie ein Wasserfall rede, ist ja auch kaum mehr als un vrai moulin à paroles („eine echte Wortmühle“). Der Deutsche erklärt in diesem Fall, man könne ja auch viel sagen, wenn der Tag lang sei, ohne dass die Quantität notgedrungen für die Qualität spreche. Im Französischen hingegen wirft man seinem redseligen Gegenüber gerne einmal vor, er oder sie erzähle „alles und nichts“ (raconter tout et n’importe quoi). Sollte die alte deutsch-französische Volksweisheit also doch nicht Unrecht haben? La parole est d’argent et le silence est d’or (Reden ist Silber, Schweigen ist Gold)...
Grande ou petite, large ou en cul de poule : la bouche en tant qu’organe primaire de l’élocution de l’homme s’est toujours prêtée aux jeux de mots qui n’occultent pas non plus le rôle important que joue la langue pour la communication. L’absence de cette dernière mène par exemple automatiquement à la stupeur, ce que le Français appelle avoir avalé ou perdu sa langue. Tandis qu’un Allemand parle de die Sprache verschlagen (« battre la langue »), le Français craint qu’on ne lui coupe la chique. Quant aux personnes impertinentes qui se plaisent, au contraire, à parler, certains Allemands pourraient leur reprocher d’avoir « une grande bouche » (ein großes Mundwerk haben) En français, on parle dans ce cas d’une langue bien pendue désignant le frimeur qui parle facilement ou trop. En revanche, ein flinkes Mundwerk (« une bouche rapide ») est souvent employé comme compliment en allemand. Les Français parlent dans ce cas d’une langue déliée que l’allemand connaît également si on peut se fier à la sagesse populaire : Das dritte Glas Wein lockert die Zunge (« Le troisième verre de vin délie la langue »).
Qui a la langue dans sa poche ? Le silence entêté n’est pas bien vu
Celui qui ne veut pas parler du tout est souvent désigné par les Français comme n’étant pas très causant tandis que les Allemands parlent plus directement de Mundfaulheit (« paresse de la bouche ») et incitent leur interlocuteur mit der Sprache herauszurücken (« à rendre sa langue »). En français, on inviterait plutôt son interlocuteur à lâcher le morceau ce qui pourrait rappeler les méthodes de chasses préhistoriques quand on poussait l’autre à cracher le morceau de viande ou de poisson qu’il défendait en montrant les crocs. Mais s’il s’agit d’un travail de longue haleine, on dira que l’interlocuteur accouche douloureusement de son sujet. Enfin, si une affaire est finalement évoquée (zur Sprache kommen), les Français la mettent sur le tapis afin de pouvoir mieux en discuter.
Si on participe à la conversation avec enthousiasme, on n’a pas sa langue dans la poche tandis que les Allemands nous certifient qu’on n’est pas « tombé sur la bouche » (nicht auf den Mund gefallen sein). Mais si on ne répond pas tout de suite et avec verve, il se peut que notre interlocuteur allemand marmonne qu’on ne devrait pas « peser chaque mot sur le trébuchet » (jedes Wort auf die Goldwaage legen). Tandis qu’en allemand on pèse la signification d’un mot « jusque dans les onces », les Français s’énervent quand leur interlocuteur tourne sept fois sa langue dans sa bouche avant de se prononcer. Mais si on ne sait plus du tout quoi répondre parce que l’énigme qu’on nous a posée semble être insoluble, on devra donner sa langue au chat. Les autres animaux ne s’en sortent pas mieux quand il s’agit de l’incapacité de parler. Ainsi le Français peste contre les touristes qui ne maîtrisent que partiellement sa belle langue, affirmant qu’ils parlent français comme une vache espagnole. En outre, qui a une spitze, scharfe ou böse Zunge (« une langue pointue, coupante ou méchante ») est doté d’une langue de vipère.
Chinois, Espagnols ou catholiques : tous responsables de la confusion linguistique
Si les animaux ne sont pas épargnés quand les Allemands et les Français donnent libre cours à leur mauvaise humeur provoquée par un « blabla » incompréhensible, les ressortissants étrangers ne sont pas non plus en reste. Des deux côtés du Rhin, on aime pester que l’autre ne parle que chinois (nur Chinesisch sprechen), expression qui perdure même à une époque où sont proposés des cours de chinois dans les maternelles européennes. Mais tous ne peuvent pas faire leurs demandes auf gut Deutsch ou en bon francais ! Pourtant, une fois qu’on a compris « l’histoire qu’on nous a fait gober » et qu’on croit y voir un piège, l’Allemand pense y remarquer « quelque chose d’espagnol » (das kommt mir spanisch vor). Alors que le Français, en tant que bon élève du pape, estime que cela ne paraît pas très catholique, pour celui qui a raconté des mensonges, il ne reste plus qu’à prendre le large. Cela est une tradition avant tout anglaise pour les Français (filer à l’anglaise) tandis que les Allemands la reprochent ironiquement aux Français (sich auf Französisch verabschieden/ « faire ses adieux à la française »).
Que reste-t-il alors à faire, face à ces embrouilles linguistiques ? Tandis que les Français acceptent de ne pas comprendre un mot de tout cela, les Allemands avouent nur Bahnhof zu verstehen (« ne comprendre que ‘gare’ »). Mais celui qui parle toujours wie ein Wasserfall (« comme une cascade ») ne vaut guère plus qu’un moulin à paroles. L’Allemand déclare dans ce cas qu’on « peut dire beaucoup si la journée est longue » (man kann viel sagen, wenn der Tag lang ist) sans que la quantité garantisse la qualité. En revanche, en français on reproche à son interlocuteur qu’il raconte tout et n’importe quoi. Est-ce que la vieille sagesse populaire franco-allemande détiendrait la vérité ? Reden ist Silber, Schweigen ist Gold (La parole est d’argent et le silence est d’or)...
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