Frankreich am Vorabend des Ersten Weltkriegs. Ein französischer bohémien und ein österreichischer Lebemann lernen sich im Paris der Belle Epoque kennen und entdecken schnell ihre gemeinsame Vorliebe für Literatur und schöne Frauen. Doch das Schicksal will es, dass sich beide in Catherine, eine faszinierende junge Frau, verlieben und ihre Freundschaft so auf eine harte Probe gestellt wird. Was in Kurzform wie die Handlung eines billigen Groschenromans klingt, liefert den Stoff für einen der poetischsten und tiefgründigsten Filme der Nouvelle Vague. François Truffauts Jules et Jim (1962) ist nicht nur eine Lektion in Sachen Liebe, sondern auch ein Essay über eine franko-österreichische Freundschaft.

Paris, à l’aube de la Première Guerre Mondiale : un bohémien français et un bon vivant autrichien se rencontrent à la Belle Epoque et se découvrent rapidement une passion commune pour la littérature et les belles femmes. Mais le destin veut qu’ils tombent tous deux amoureux de Catherine, une fascinante jeune femme. Leur amitié sera alors mise à rude épreuve. Cette histoire imaginée en 1953 par l’écrivain français Henri-Pierre Roché (1879-1959) peut sonner comme un roman de quatre sous, si on le résume ainsi sans plus de détails. Il a pourtant fourni la matière de l’un des films les plus poétiques et les plus profonds de la Nouvelle vague. Le Jules et Jim réalisé par François Truffaut (1932-1984) en 1962 n’est pas seulement une leçon sur les choses de l’amour, mais aussi un essai sur une amitié franco-autrichienne.

Wo lernen sich ein Österreicher mit literarischen Ambitionen und ein französischer bon vivant im Paris der Jahrhundertwende kennen? Natürlich in einem Café, zwischen Gedichtbänden und philosophischen Essays, leeren Kaffeetassen oder einem Glas Likör. Die Belle Epoque mit ihren Absinth schlürfenden Intellektuellen und Dandys in notorischen Geldnöten ist noch in vollem Schwunge, als den Franzosen Jim und den Österreicher Jules ihre gemeinsame Liebe zu Literatur und intellektuellen Gesprächen zusammenführt. Die beiden verbindet bald eine Freundschaft, die von philosophischen Debatten, rauschenden Festen in Pariser Nachtclubs und wechselnden Liebschaften geprägt ist. Dementsprechend schicksalhaft erscheint der Zufall, der Jules und Jim die junge Pariserin Catherine kennen lernen lässt: Gleichermaßen von der Schönheit, Unkonventionalität und dem Freiheitsdrang der jungen Frau bezaubert, verlieben sich sowohl Jules als auch Jim Hals über Kopf in sie. Doch wie kann man in der Liebe teilen? Das fragen sich nicht nur Jules und Jim auf ihren langen Spaziergängen mit Catherine entlang der Seine, bei der diese ihren Wagemut auch einmal durch einen beherzten Sprung ins kühle Nass beweist. Zwischen beiden Männern hin und her gerissen, entscheidet Catherine sich schließlich für Jules, der sie – als ahnte er, dass er diese freiheitsliebende junge Frau nicht anders halten könne – so schnell als möglich ehelicht. Jim akzeptiert seine Niederlage und die franko-österreichische Freundschaft hätte wohl keinen Schaden davon getragen, wenn nicht völlig überraschend der Erste Weltkrieg dem bunten Treiben der Pariser Bohème ein Ende bereitet hätte.

Ein gewagter Essay über die Liebe im Paris der Belle Epoque und der Nachkriegszeit

Angesichts des hohen dramatischen Gehalts, den der Roman Jules et Jim (1953) des französischen Schriftstellers Henri-Pierre Roché (1879-1959) hat, ist die Faszination, die diese autobiographische Erzählung einer ménage à trois zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf François Truffaut (1932-1984) ausübte, leicht verständlich. Die Legende sagt, dass der noch junge, aber nach Les Quatre Cents Coups (1959) schon relativ berühmte Truffaut den Roman in einem Pariser Buchladen entdeckt und, fasziniert von dessen ungewöhnlichem Inhalt, den Plan gefasst habe, Rochés unbekanntes Werk zu verfilmen. Dass er schließlich Jeanne Moreau die Rolle der Catherine anbot, mag als sein größter Coup angesehen werden – welche andere französische Schauspielerin hätte ihr so meisterhaft ihr Gesicht leihen können? Die Szene, in der Jeanne Moreau als Catherine in Männerkleidern, mit Mütze und Kohlebart, dem Betrachter entgegen über eine Seinebrücke rennt, hat sich in das kollektive kinematografische Gedächtnis einer ganzen Nation gebrannt. Dementsprechend entdeckt man den weltberühmten Schnappschuss auch an jedem Pariser Postkartenständer, zwischen Bildern des Eiffelturms und der Ile St. Louis. Jules und Jim treten auf dem Bild nur im Hintergrund auf, der lachenden Catherine auf den Fersen. Das ist wohl auch kein Zufall, denn Truffauts Film ist zum Grossteil eine Ode an eine inspirierende Frau – der Dreh und Angelpunkt dieser ménage à trois.

Mit Beginn des Krieges hat das schöne Pariser Leben ein Ende. Jules und Catherine ziehen nach Österreich und Jim bleibt allein in Frankreich zurück. Während der Kriegsjahre scheint die Freundschaft der beiden Männer beendet, doch nach dem langersehnten Waffenstillstand 1918 trifft sich das Trio in einem österreichischem Chalet wieder und lässt unwillkürlich die alten Zeiten wiederaufleben. Nachdem Jules Jim anvertraut hat, dass seine Ehe beinahe am Ende sei, und Catherine sich dem noch immer von ihr faszinierten Jim zuwendet, beginnen die beiden eine Affäre, die von Jules, wenn schon nicht wohlwollend, so doch gleichgültig beobachtet wird. Diese Dreiecksbeziehung lässt nicht nur die alte Freundschaft zwischen Jules und Jim wieder aufblühen, sondern bindet auch Catherine absurder Weise wieder enger an ihren Ehemann Jules. Doch der scheinbare Frieden hält nicht lange an, denn die flatterhafte Catherine kann es nicht lassen, sich immer neue Liebhaber zu nehmen, und Jim wird von seinem eigenen Freiheitsdrang und einer immer stärker werdenden Eifersucht gebeutelt. Die Katastrophe scheint somit absehbar, doch als sie schließlich eintritt, kann sie auch Jules, der die Lage von seinem Posten als unbeteiligter Beobachter zu beherrschen schien, nicht mehr verhindern.

Diskussionen über die Liebe in Pariser Cafés und österreichischen Chalets

Was als scheinbar seichtes Sittengemälde der Belle Epoque beginnt, endet schließlich in einem Drama der Nachkriegsjahre, das seinen Zuschauern ebenso viele Argumente für wie gegen den Versuch einer ménage à trois liefert. Auch deswegen gehen die Meinungen über den Film auseinander: Während die einen in ihm die Bestätigung der ausschließlichen Zweierbeziehung sehen, halten andere ihn für den wagemutigen Versuch, eine Liebesbeziehung außerhalb der konventionellen Grenzen zu realisieren. Henri-Pierre Roché, dem Kritiker, Kunstsammler und Autor der Romanvorlage, lag beides gleich fern. Ihm ging es wohl eher darum, die Geschichte seiner eigenen Beziehung zu der Deutschen Helen Hessel zu Papier zu bringen, deren schriftstellernder Ehemann Franz Hessel gleichzeitig einer seiner engsten Freunde war. Bekannt wurde sein Werk aber erst knappe zehn Jahre später durch Truffauts Verfilmung, die neben Les Quatre Cents Coups größtenteils zum internationalen Ruhm des französischen Regisseurs beitrug. Mit Les Deux Anglaises et le Continent (1971) verfilmte Truffaut später noch einen weiteren Roman Rochés und machte diesen so einem größeren Publikum bekannt.

Wen die amourösen Capricen, die die Hauptdarsteller von Jules et Jim schlagen, weniger interessieren, der kann immer noch aus der franko-österreichischen Freundschaft zwischen Jules und Jim schöpfen. Während diese zu Beginn des Films noch nicht auf Widerstände stößt und, da Jules das Französische gut beherrscht, auch keine Sprachbarrieren überwinden muss, wird die Beziehung zwischen den beiden durch Catherine und den Weltkrieg auf eine harte Probe gestellt. Doch auch wenn Jules und Jim um die gleiche Frau werben, sich notgedrungen in diesem Prozess entzweien und die Lage während des Ersten Weltkriegs schließlich noch nicht einmal mehr einen Briefwechsel erlaubt, zerbricht die Freundschaft zwischen ihnen zu ihren Lebzeiten nie ganz. Sie lebt vielmehr immer wieder auf, getragen von gemeinsamen Vorlieben und Interessen und der tiefen Faszination, die Catherine auf beide gleichermaßen ausübt. Was mit Jules, der am Ende des Films allein zurück bleibt, geschieht, lässt Truffaut bewusst im Unklaren. Fast meint man, er könne getrennt von Jim und Catherine nicht existieren, so sehr ist die Dreiecksbeziehung Teil seiner Person geworden. Der Blick auf Henri-Pierre Rochés Leben lehrt uns aber anderes: Aus der Tragik einer misslungen Liebe erwächst, mit etwas Glück, ein beeindruckender Roman oder – im Falle Truffauts – ein poetischer Film…

Où pouvaient bien se rencontrer un Autrichien aux ambitions littéraires et un Français vivant à Paris au tournant du siècle ? Dans un café, naturellement, entre des recueils de poèmes et des essais philosophiques, autour de tasses de café vides ou d’un verre de liqueur. La Belle Epoque, avec ses intellectuels sirotant leur absinthe et ses dandys aux problèmes d’argent notoires, bat encore son plein quand un amour commun pour la littérature et les conversations intellectuelles contribue à réunir Jim, le Français, et Jules, l’Autrichien. Les deux se lient rapidement d’amitié, forgée autour de débats philosophiques, de fêtes bruyantes dans des cabarets et de liaisons frivoles. C’est dans ce contexte que le hasard, lourd de conséquences, s’en mêle et que Jules et Jim rencontrent Catherine, la Parisienne. Jules et Jim tombent rapidement et éperdument amoureux de la jeune femme, qui les charme par sa beauté, son refus des conventions et son besoin de liberté. Pourtant, comment peut-on partager l’amour ? Cette question, Jules et Jim se la posent lors de leurs longues promenades avec Catherine le long de la Seine. Déchirée entre les deux hommes, Catherine se décide finalement pour Jules, qui l’épouse aussi vite, supposant qu’il ne peut garder cette jeune femme libérale d’aucune autre manière. Jim accepte sa défaite et l’amitié franco-autrichienne n’aurait pas été entamée, si la première guerre mondiale n’avait pas soudainement mis fin à l’agitation haute en couleur de la bohème parisienne.

Un essai risqué sur l’amour, au cœur du Paris de la Belle Epoque et de l’après-guerre

Face à la haute teneur dramatique du roman Jules et Jim de Henri-Pierre Roché, la fascination qu’exerça sur François Truffaut ce récit autobiographique d’un ménage à trois au début du XXe siècle est facilement compréhensible. La légende veut que Truffaut, encore jeune et pourtant déjà connu grâce aux Quatre Cents Coups (1959), découvrit le roman dans une librairie parisienne et, fasciné par son contenu inhabituel, ait formulé le projet de porter à l’écran l’œuvre relativement peu connue de Roché. Le fait qu’il ait finalement offert le rôle de Catherine à Jeanne Moreau, peut probablement être considéré comme son plus grand coup. Quelle autre actrice française aurait pu prêter son visage au personnage d’une façon si magistrale ? La scène dans laquelle Jeanne Moreau, jouant Catherine en habits d’homme avec un béret et une barbe dessinée au charbon, court vers le spectateur sur un pont de la Seine, s’est gravée dans la mémoire cinématographique collective de toute une nation. Dès lors on découvre un cliché connu du monde entier, présent jusque sur les présentoirs de cartes-postales parisiens entre des images de la Tour Eiffel et de l’Ile Saint-Louis. Jules et Jim apparaissent seulement à l’arrière plan de l’image, sur les talons d’une Catherine riant aux éclats. Bien sûr, le fait que le film de Truffaut soit une ode à la femme inspiratrice -question centrale et récurrente de ce ménage à trois - n’est nullement le fruit du hasard.

Lorsque la guerre éclate, la belle vie parisienne s’achève. Jules et Catherine déménagent en Autriche et Jim reste seul en France. Pendant ces années de guerre, l’amitié entre les deux hommes est au point mort. Pourtant, après l’armistice de 1918, désiré de longue date, le trio se retrouve dans un chalet autrichien et les anciennes amitiés vivent une nouvelle jeunesse. Après que Jules ait confié à son ami que son mariage était proche de la fin, et alors que Catherine s’intéresse toujours à son fascinant Jim, ces derniers entament une liaison, que Jules n’approuve pas totalement, mais qu’il se contente d’observer avec indifférence. Cette relation à trois ne permet pas seulement à l’ancienne amitié entre Jules et Jim de s’épanouir à nouveau, mais elle rapproche également intimement Catherine de son mari, d’une manière à première vue contradictoire. Pourtant, la paix apparente ne va pas tenir longtemps, car Catherine, l’inconstante, ne peut pas s’empêcher de prendre perpétuellement un nouvel amant, et Jim est malmené par son propre besoin de liberté et sa jalousie toujours plus forte. La catastrophe semble inévitable, et quand elle se produit finalement, Jules, qui semblait dominer la situation par sa position d’observateur étranger, ne peut plus rien empêcher.

Discussions au sujet de la vie dans les cafés parisiens et les chalets autrichiens

Ce qui parait être un tableau de mœurs futile de la Belle Epoque, finit en un drame d’après-guerre qui fournit aux spectateurs aussi bien des arguments pour défendre le ménage à trois que pour rejeter celui-ci. C’est également la raison pour laquelle les avis sur ce film divergent: alors que certaines voient en lui la validation de la relation exclusive, d’autres en retiennent la tentative audacieuse de matérialisation d’une relation amoureuse au-delà des frontières conventionnelles. Henri-Pierre Roché, critique, collectionneur d’art et auteur du roman, ne favorisa ni l’un ni l’autre. Il chercha plutôt à coucher sur le papier l’histoire de sa propre relation avec l’Allemande Helen Hessel, dont le mari Franz Hessel, également écrivain, était un de ses plus chers amis. Mais son œuvre ne perça que dix ans plus tard grâce a l’adaptation cinématographique de Truffaut qui contribua, autant que Les Quatre Cents Coups, à la gloire internationale du réalisateur français. Avec Les Deux Anglaises et le Continent (1971) Truffaut porta à nouveau à l’écran un autre roman de Roché et le fit connaître à un large public.

Celui qui s’intéresse peu aux caprices amoureux qui frappent les protagonistes de Jules et Jim, peut en revanche s’attarder sur la relation franco-autrichienne entre Jules et Jim. Tandis que celle-ci ne rencontre aucune résistance au début du film, leur relation sera mise à rude épreuve à cause de Catherine et de la Première Guerre mondiale. En convoitant la même femme, Jules et Jim se désunissent. Cet éloignement est renforcé par le conflit armé qui ne leur permet même pas d’entretenir une relation épistolaire. Pourtant, l’amitié entre eux ne se brise jamais totalement. Au contraire, elle se ranime sans cesse, portée par des prédilections et des intérêts communs, et par la profonde fascination qu’exerce Catherine, de la même manière, sur les deux amis. Ce qui arrive à Jules, qui reste seul à la fin du film, Truffaut le laisse volontairement en suspens.  Rapidement on pense qu’il ne peut exister séparé de Jim et de Catherine, tant cette relation à trois était devenue partie intégrante de sa vie. En portant un regard sur la vie d’Henri-Pierre Roché, nous découvrons la beauté de la sublimation : de la tragédie d’une vie ratée, peut naître un roman facinant ou – dans le cas de Truffaut – un film poétique…