


KAFFEE UND KUCHEN ODER GOÛTER: WIE STILLT MAN DEN KLEINEN HUNGER?
KAFFEE UND KUCHEN OU GOÛTER: COMMENT COMBLER UN PETIT CREUX ?
Eine Tasse Kaffee mit Kuchen oder doch lieber nur ein pain au chocolat und vielleicht ein Glas Milch? Wenn am späten Nachmittag der Hunger zuschlägt, verfolgen Deutsche und Franzosen ganz unterschiedliche Strategien.
Une tasse de café avec du gâteau ou plutôt un pain au chocolat avec un verre de lait froid ? Quand les Allemands et les Français cherchent à satisfaire une petite faim en fin d’après-midi, ils poursuivent des stratégies toutes différentes.

Während links des Rheins die kleine Mahlzeit vor dem eigentlichen Abendessen den Kindern vorbehalten ist, frönen in Deutschland vor allem die Erwachsenen ihrer Kaffee und Kuchen-Passion. Diese beiden unterschiedlichen Traditionen mögen auf der Gegenseite Verwunderung hervorrufen: Wie kann man nur ein so großes Stück Torte verschlingen? Und wie soll ein mickriges pain au chocolat nur satt machen? Ein Blick hinter die Kulissen von Kaffeekränzchen und goûter.
Glaubt man den blumigen Legenden, die sich um die Vorgeschichte des Kaffees ranken, so wurde dieser von einem Hirten in Äthiopien entdeckt und breitete sich aufgrund seiner magischen Wirkung mit Lichtgeschwindigkeit in den umliegenden Ländern aus. Als sicher kann aber gelten, dass der Kaffee über Arabien, Persien, das Osmanische Reich und Italien im 17. Jh. nach Deutschland kam und vorerst in speziellen, meist recht vornehmen Kaffeehäusern ausgeschenkt wurde. Doch bald wurde die magische Bohne allgemein erschwinglich und eroberte Heim und Herd der Deutschen. Der Kaffee und Kuchen-Kultur fehlte so nur noch das zuckrige Beiwerk und schon waren Kaffeeklatsch und Kaffeekränzchen in vollem Gange. Was wahrscheinlich als süße Alternative zum Stammtisch entstanden ist, entwickelt sich schnell zu einer nationalen Tradition, an der alle Altersgruppen und Gesellschaftsschichten teilhaben. Allerdings nimmt man vor allem in deutschsprachigen Ländern an der Kaffeetafel Platz: Nicht nur Frankreich, sondern auch der Süden Europas und England kennen diese Tradition nicht. Die auf den guten Ton bedachten Briten zelebrieren lieber ihre tea time, die von Schwarztee, Gebäck und belegten Broten beherrscht wird. Zu Kaffee und Kuchen lädt man aber nicht nur in Deutschland und Österreich, sondern auch in Polen und anderen osteuropäischen Ländern.
Tandis qu’à l’ouest du Rhin, l’en-cas précédant le vrai dîner est réservé aux enfants, ce sont principalement les adultes qui laissent libre cours à leur passion pour le Kaffee und Kuchen en Allemagne. Ces deux traditions très différentes provoquent souvent l’étonnement mutuel : comment peut-on avaler une aussi grande part de gâteau ? Comment calmer sa faim avec un pain au chocolat minable ? Jetons un coup d’oeil derrière les coulisses du Kaffeekränzchen et du goûter...
Si on se fie aux belles légendes qui se dressent autour de la préhistoire du café, celui-ci aurait été découvert par un berger en Ethiopie et se serait répandu dans les pays voisins à la vitesse de la lumière grâce à son effet magique. Quoi qu’il en soit, on peut affirmer que le café est arrivé en Allemagne au XVIIe siècle, en passant par l’Arabie, la Perse, l’Empire ottoman et l’Italie, et qu’il fut d’abord servi dans des Kaffeehäuser (« maisons de café ») très chics. Mais le grain magique devint vite abordable et conquit les foyers allemands. Il ne manquait à la culture du Kaffee und Kuchen (« café et gâteau ») qu’une petite touche sucrée et c’est alors que le Kaffeeklatsch (« café et ragots ») et le Kaffeekränzchen (« petite couronne de café ») apparurent et firent rapidement fureur. Ce qui était peut-être une alternative sucrée au Stammtisch (« table d’habitués » ), devint une véritable tradition nationale à laquelle participèrent toutes les tranches d’âge et toutes les couches sociales. Mais c’est avant tout dans des pays germanophones qu’on nous convie à la Kaffeetafel (« table de café ») : la France, mais aussi le sud de l’Europe et l’Angleterre ignorent cette tradition. Les Anglais, toujours soucieux de garder le bon ton, préfèrent solenniser leur tea time où règnent thé noir, pâtisseries et sandwichs, tandis qu’en Allemagne et en Autriche, mais également en Pologne et dans d’autres pays de l’Europe centrale on nous invite à prendre le Kaffee und Kuchen.
Kaffee und Kuchen gleich Kaffee und Kuchen?
Aber was so einfach klingen mag, ist bei näherem Hinsehen recht kompliziert: Während die erste Komponente des Kaffeekränzchens – der Kaffee – recht einfach zuzubereiten ist, scheiden sich am zweiten Teil – dem Kuchen – die Geister. Soll nun einfach Obstkuchen oder doch lieber eine ganze Torte mit Sahnehaube und Zuckerwerk gereicht werden? Vielleicht tut es ja auch ein kleines Küchlein, je nach Dialekt Teilchen, Stückchen oder Plunderstück genannt? Und muss, wer nur Gebäck aus dem Supermarkt serviert, gleich aus der Kaffee und Kuchen-Gemeinde ausgeschlossen werden? Über das passende Kaffeegedeck ließe sich trefflich streiten und die meisten Gastgeber verlegen sich daher einfach darauf, von allem etwas und bloß nicht zu wenig zu reichen. Denn der Nachmittagskaffee ist bei weitem keine einfache Zwischenmahlzeit, wie von Uneingeweihten oft behauptet wird. Es handelt sich, so eingefleischte Kaffee und Kuchen-Kenner, um eine veritable Mahlzeit, die dem Hungrigen die Zeit zwischen Mittag- und Abendessen verkürzen soll. Dazu muss allerdings, sollte man die ganzen süßen Herrlichkeiten selbst backen und nicht nur „selbst kaufen“, viel Zeit aufgewendet werden. Die hat die arbeitende Bevölkerung natürlich nicht und daher wird das Kaffeekränzchen meist ins Wochenende verbannt. Der sprichwörtliche Sonntagnachmittagskaffee wird aber vor allem von älteren Menschen und im Familienkreis zelebriert. Unter Studenten wird man wohl kaum dazu geladen: Da muss vielmehr eine Tasse schwarzer Kaffee reichen, um die nächste Party und die anschließende Klausur zu überstehen.
Il y a « Kaffee und Kuchen » et « Kaffee und Kuchen »
Ce qui paraît simple à première vue, s’avère très compliqué : si la première composante du Kaffeekränzchen – le café – est relativement facile à préparer, les avis divergent cependant sur la seconde composante – le gâteau. Suffit-il de servir un simple Obstkuchen (« tarte aux fruits ») ou faudrait-il une Torte (« gâteau fourré de crème ») ? Peut-être un petit gâteau qu’on appelle selon les différents dialectes Teilchen (« petite part »), Stückchen (« petit morceau ») ou Plunderstück (« morceau feuilleté ») pourrait suffire ? Faudrait-il exclure de la communauté du Kaffee und Kuchen tous ceux qui ne servent que des Gebäck (« pâtisseries ») achetées au supermarché ? On pourrait donc facilement se disputer sur le Kaffeegedeck (« couvert à café ») et la plupart des hôtes se voient de ce fait contraints de servir abondamment de tout. Car le Nachmittagskaffee (« café de l’après-midi ») n’est pas une simple collation comme certains non-initiés l’affirment souvent. Selon les connaisseurs de Kaffee und Kuchen, il s’agit plutôt d’un vrai repas qui devrait faire paraître le temps entre le déjeuner et le dîner plus court. Mais celui qui voudrait cuisiner toutes ces sucreries à la maison au lieu de les acheter, devrait investir beaucoup de temps. Évidemment, la partie active de la population n’a pas ce loisir et le Kaffeekränzchen est donc reporté au week-end. Le Sonntagnachmittagskaffee (« café du dimanche après-midi ») proverbial est célébré avant tout par des personnes âgées ou en famille. Dans le milieu étudiant, on y est rarement convié. Il faudrait plutôt se contenter d’une tasse de café noir pour rester éveillé à la prochaine fête ou à l’examen du lendemain.
In Frankreich wird „goutiert“ – mit variabler Altersgrenze
In Frankreich hingegen hat die Kaffee und Kuchen-Kultur keine Wurzeln schlagen können, auch wenn Kaffee in Form von café oder expresso („Espresso“) in rauen Mengen konsumiert wird. Allerdings würde der Franzose nie auf die Idee kommen, sich am späten Nachmittag zu einer großen Tasse Kaffee und einem kalorienhaltigen Stück Torte an die Kaffeetafel zu setzen. Die nachmittägliche Zwischenmahlzeit ist vielmehr den Kindern vorbehalten, die sich nach Kindergarten und Schulschluss auf goûter („probieren, schmecken“) oder quatre heures („vier Uhr“) freuen dürfen. Dieses variiert meist zwischen tartine („Marmeladenbrot“), pain au chocolat oder Schokoriegel, kann aber auch mal aus einem Stück Schokolade auf Baguette bestehen. Dazu wird Milch, Tee oder Saft getrunken, je nach Jahreszeit und Alter des Hungrigen. Obwohl das goûter in vielen Fällen Kindern vorbehalten ist, frönen einige Erwachsene ebenfalls dieser Passion und genießen am späten Nachmittag ihren Kaffee mit einer pâtisserie („Gebäck“). Glaubt man allgemeinen Auskünften, trifft dies aber nur auf Jugendliche, Schwangere oder ältere Personen zu. In der Praxis sieht das Ganze natürlich anders aus, aber das Bild vom Marmeladenbrot kauenden, Milch schlürfenden Kind bleibt weiterhin vorherrschend.
Der Deutsche mag angesichts dieser fehlenden Kaffee und Kuchen-Kompetenz die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, schließlich kann ihm die Mischung aus Milch, Baguette und Schokolade nur suspekt sein. Kaffee und Kuchen ist rechts des Rheins so eng mit der nationalen Folklore verknüpft, dass nicht nur zahlreiche Cafés, sondern auch eine deutsche Liedermacher-Band diesen Namen tragen. Doch, so mahnt der Gesundheitsapostel, nicht nur zu viel Torte, sondern auch übermäßiger Kaffeekonsum ist schlecht für den Körper. Das wusste schon Carl Gottlieb Hering (1766-1853), ein deutscher Komponist, der den berühmten „Kaffeekanon“ dichtete: „C-A-F-F-E-E, trink nicht zu viel Kaffee...“ Der wird trotz politisch nicht unbedingt korrekter Darstellung des Kaffee trinkenden Türkens heute immer noch gerne an deutschen Schulen gelehrt, scheint aber den Kaffeekonsum im Erwachsenenalter nicht zu beeinflussen. Auch über die Frage, ob das Küchlein oder der Schokoriegel, den Kinder in Frankreich zum goûter verspeisen, gesünder als die Torte ist, lässt sich streiten. Aber die Gesundheitsvorsorge kann ja auch nicht das Ziel von Kaffeekränzchen und goûter sein, denn bei beidem geht es vor allem ums Genießen. Ob Obstkuchen oder pain au chocolat: So lange es den Hunger stillt, kann es nur recht sein.
*Bild von Stephanie Kilgast
En France, le goûter est avant tout une affaire d’âge
En France par contre, la culture du Kaffee und Kuchen n’a pas pu prendre racine, même si le café y est abondamment consommé sous la forme de café et d’expresso. Mais il ne viendrait pas à l’idée d’un Français de s’asseoir en fin d’après-midi à la Kaffeetafel devant une tasse de café et une part de gâteau très calorique. La collation de l’après-midi est plutôt réservée aux enfants qui se réjouissent, à la sortie de l’école de leur goûter ou quatre heures. Celui-ci varie souvent entre tartine, pain au chocolat ou barre de chocolat, mais de temps en temps il peut également se composer d’un morceau de chocolat sur une baguette. On boit du lait, du thé ou du jus de fruit, ce qui dépend avant tout de la saison et de l’âge de celui qui a un petit creux. Si le goûter semble réservé aux enfants, certains adultes ne se privent pas non plus de ce moment de plaisir et savourent leur café avec une pâtisserie en fin d’après-midi. Mais si on en croit les sondages, cela ne vaut que pour des adolescents, des femmes enceintes et des personnes âgées. Même si la réalité semble différente, l’image de l’enfant qui mange sa tartine en buvant son lait reste associée au goûter.
Les Allemands seraient certainement étonnés face à ce manque de compétences en matière de Kaffee und Kuchen, car le mélange entre lait, baguette et chocolat ne peut leur paraître que suspect. De l’autre côté du Rhin en effet, les Kaffee und Kuchen sont si fortement liés au folklore national, que de nombreux cafés, mais aussi un groupe de chansonniers portent ce nom. Mais les nutritionnistes nous rappellent que la consommation excessive de gâteau et de café est dangereuse pour la santé. Carl Gottlieb Hering (1766-1853), compositeur allemand, ne l’ignorait pas lorsqu’il composa le célèbre « canon du café » : « c-a-f-f-é-é-, ne bois pas trop de café... », musique toujours enseignée dans les écoles allemandes, malgré sa représentation politiquement peu correcte du Turc, considéré comme un buveur de café. Néanmoins, le canon ne semble pas avoir un impact sur la consommation de café à l’âge adulte. On pourrait également débattre sur le fait de savoir laquelle de ces deux sortes de collation, gâteau ou barre de chocolat, est la meilleure pour la santé. Mais la protection de la santé n’est pas le but du Kaffeekränzchen ou du goûter car il s’agit ici plutôt de « savourer ». Que ce soit une tarte aux fruits ou un pain au chocolat : tant qu’ils calment la faim, cela ne peut être que bénéfique!
Photo: Stephanie Kilgast
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