

"Die Slam-Szene ist total ähnlich zu der Hip-Hop-Szene Anfang 90er"
"Ce n’est pas du free style, les textes sont appris par cœur"
Interview mit „Gauner“, aktiv bei der Hip-Hop Community seit 1989 und bei der Slam Community seit 2003.
Entretien avec Céline Robinet ou encore Kacosónia, écrivaine et slameuse française résidant à Berlin
Wie bist Du auf Slam gekommen ?
Eine bekannte Slamerin in Deutschland hat meine Musik irgendwo gehört, vielleicht von meinem ersten Album, das 2001 raus kam. Und sie hat mich angesprochen, ob ich nicht auch Slam machen wollte und hat mich ins Bastard eingeladen. Das war mein erster Slam, 2003. Ich hatte den Eindruck, dass er ziemlich schlecht beim Publikum rüberkam, aber am Schluss war ich doch auf dem zweiten oder dritten Platz bei der Jury. Also doch nicht so schlecht! Vielleicht weil ich schon ziemlich viel Bühnenerfahrung mit Hip-Hop und live Musik hatte.
Was für gemeinsame Eigenschaften haben Hip-Hop und Slam Szene?
Die Slam-Szene ist total ähnlich zu der Hip-Hop-Szene Anfang 90er: Familie, Tradition und Community. Das war damals noch selten, wenn jemand Hip-Hop in Deutschland gemacht hat. Und genauso habe ich 2003 die Slam Szene erlebt. Ganz viele Parallelen, von der Größe, von der Bekanntheit her. Was in der Hip-Hop Szene verschwunden ist, weil alles kommerziell wird, der gemeinsame Stil, was mit unserer Kultur machen, das gibt’s in der Slam Szene plötzlich wieder.
Und die beiden Szenen sind total heterogen. Die Hip-Hop-Szene war schon sehr gemischt, mit allen Arten von Leuten. Es gab die Ruhigen, die Peacer, die Klugen, die Gangster, die Idioten, usw. Und bei der Slam-Szene gibt’s auch alles: die Studierenden, die Söhne und Töchter von Literaturwissenschaftlern, die Punker, die Rapper, die Rocker. Die meisten sind zwischen 20 und 45 Jahren alt . Es gibt junge Slamers, für die Slam überhaupt das erste kulturelle Schaffen ist und es gibt die Älteren wie mich, für die Slam die zweite oder dritte Kultur ist, die uns bewegt. Die einen haben schon was als Schriftsteller gemacht, viele waren auch Musiker.
Ist Slam eine Art Literatur?
Slam kommt aus der Leseszene und da lernt man viel über Literatur, zum Beispiel was Prosa oder Lyrik sind. Aber manchmal ist mir Slam auch zu bieder, wenn die Poeten die ganze Geschichte der Literatur im Hinterkopf haben, wenn sie alle Reime nennen können, sagen können, ob dieser Rhythmus ein Daktylus ist oder nicht. So kann ich nicht schreiben, so kann ich nicht kreativ sein, es ist nicht mein Zugang. Dann genieße ich die Hip-Hop-Szene, wo man kopflos schreibt und Musik macht, wenn man Bock darauf hat. Aber die Hip-Hop-Szene hat viele ihrer Werte verloren und unglaublich viele unkreative Rapper sind erfolgreich. Auch Freestyle Sessions sind anders. Die Leute tragen lieber dicke Hosen als ihr Script zu bearbeiten.
Man merkt auch, dass Slam aus der Lese-Bühne kommt, mit den vielen narrativen Erzählungen wie „gestern stand ich wieder zu spät auf, mein Wecker hat nicht geklingelt, usw. usw.“ Die Lesungen haben meistens wöchentlich stattgefunden und die neuen Texte hatten quasi zwangsläufig diesen Ton, weil man nicht zwei drei Mal die Woche was völlig neues erlebt hatte. Und diese Art zu Lesen hat sehr stark auf die Slam-Szene übergegriffen. Bei mir ist immer ein Stein im Bauch, wenn ein Unter-Stil in einer ganzen Kultur plötzlich sehr stark wird. Es war im Hip-Hop genauso mit dem Gangster-Stil. Und ich habe den Eindruck, dass dieser narrative Stil im Slam manchmal zu stark honoriert wird.
Was hältst Du von den Regeln im Slam?
Manche Regeln halte ich für sehr wichtig, zum Beispiel, dass man keine Musik spielen darf und kein Kostüm tragen darf. Ohne die hätte Slam nichts mehr mit Texten, mit Wörtern und Klängen der Stimme zu tun, sondern es wäre nur noch eine offene Bühne.
Und sonst bin ich ein großer Gegner der Jury-Bewertung. Ich finde es ok, dass über Slam abgestimmt wird, aber nicht durch eine Jury. Das größte Credo des Slams, was in jedem Slams Anthologie-Vorwort steht, ist Demokratie. Hier entscheidet das Publikum, wer weiter kommt und wer nicht. Und dann wird meistens eine Jury eingesetzt, welche manchmal eine ganz andere Meinung als das Publikum hat... Ich war immer ein Gegner davon. Ich finde, wir haben jetzt die technischen Möglichkeiten, den Applaus des Publikums zu messen und zu wissen, was es wählt. Also, wir brauchen die Jury nicht.
Bei dem letzten Slam Festival im November 2007 im Berlin bekam die Disziplin viel Öffentlichkeit. Eine gute Sache?
Es ist eigentlich positiv. Es gibt eine Plattform, die Slamily, worauf alle Slamer ihre Meinungen regelmäßig austauschen, auch über Medienaufmerksamkeit. Und dadurch entwickelt sich noch stärker der Zusammenhalt, dadurch hält die Community. Im Augenblick habe ich den Eindruck, dass Slam noch ein Schiff ist, das gemeinsam gesteuert wird, wenn es draußen das Meer, die Stürme und die Medienwelt gibt und dass da drinnen gemeinsam entschieden wird, was macht man, was macht man nicht. Wir halten zusammen, selbst wenn Slam bekannter wird, selbst wenn die Szene größer wird.
Die größte Änderung bleibt diese Medienaufmerksamkeit. Aber es ist auch das, wo wir hinwollten. Wie mit Hip-Hop damals: Wir wollten auch hin, wo die ganzen Popstars waren, aber mit unserer Kultur, mit etwas Gutem. Aber Hip-Hop ist ein gefährliches Beispiel, weil Hip-Hop es geschafft hat, es ist zwar überall, aber schlecht und wertlos. Es könnte das Gleiche mit Slam passieren. Die Texte sind manchmal so geil, die Poeten wollen der Welt davon erklären, aber natürlich im Hintergrund weiß man um die Gefahr, man weiß, dass es ohne Veränderungen schlecht abgehen wird. Und die Sorge habe ich natürlich, obwohl Slam in den Medien bisher relativ gut beschrieben wird.
Comment as-tu découvert la scène du slam ?
C’était en 2002, à Berlin, une soirée avec « les meilleurs slameurs allemands ». Je ne sais pas ce qui m’avait interpelée, peut-être le fait qu’elle était organisée par le Literarisches Colloquium Berlin où j’allais régulièrement pour assister à des lectures. Je pensais que ça serait des performances de poésie contemporaine, urbaine, jeune, et je voulais voir ça. Je ne savais pas du tout qu’il s’agissait d’une compétition, que le public était le jury et qu’il y avait des règles assez strictes comme un temps limité pour présenter un texte de sa composition, ou encore l’interdiction d’utiliser de la musique ou des accessoires. Toutes ces règles viennent des Etats-Unis, du fondateur du slam Marc Smith qui dans les années 80 s’est dit qu’au lieu de faire des jam sessions de jazz, on pouvait faire des jam sessions de poésie, avec un petit esprit de compétition pour rendre le tout plus piquant. Il parait que les règles seraient basées sur celles du bridge. Mais tout ça, je n’en savais rien ! Seulement, ce soir-là, ça m’a plu : moi qui avais toujours voulu aller sur scène mais qui ne savais pas chanter, je me suis dit, c’est ça, il faut que je fasse du slam !
Un an après, je récitais mon premier texte, en allemand, avec un ami, au Lovelite à Berlin. Au début, j’avais l’impression que ma voix ne sortait pas. Jusqu’à ce que le public rit. Et là, c’était bon, j’étais dedans!
Préfères-tu slamer en français ou en allemand ?
Ce sont deux choses très différentes, du fait de la langue bien sûr, mais aussi parce que les scènes sont très différentes.
J’ai débuté en Allemagne, au Bastard puis au Scheinbar, deux salles berlinoises. Mais rapidement, je me suis sentie limitée avec la langue. En français, je peux jouer avec les sonorités, faire des jeux de mots et travailler le rythme. En allemand, c’est plus difficile, alors je m’attache plus au contenu qu’à la forme de mes textes.
La première fois que je suis allée sur une scène slam à Paris, j’ai été surprise, ça n’avait rien à voir avec ce que je connaissais ! A Berlin, j’étais habituée à des salles relativement grandes, avec une scène et une entrée payantes (environ cinq euros) pour le public, le tout deux ou trois fois par mois maximum. A Paris, il y avait des scènes slam quasiment tous les soirs, mais dans des bars, au coin du comptoir. Ça fonctionnait sur le principe « un vers dit, un verre offert », plutôt bonne franquette et proche du public, sans ce côté intimidant des scènes allemandes. Ce qui ne pousse peut-être pas non plus à donner son maximum…
Les slameurs se profilent-ils différemment dans les deux pays ?
En France, les poètes, enfin c’est ce que j’ai ressenti, sont en général des personnes plutôt désabusées. Ça se ressent dans les textes, assez sombres, qui dénoncent une société pourrie, analysent les rapports humains et la difficulté du quotidien, etc. Alors qu’en Allemagne, les textes sont avant tout drôles, comme s’il fallait faire rire le public. Ça vient peut-être du fait que les poètes sont surtout jeunes, entre 25 et 35 ans, appartiennent à la classe moyenne, sont étudiants et assez cultivés.
En France, on remarque aussi une certaine parenté de la scène avec le hip hop, comme si parfois le slam était du hip hop sans musique. Mais le free style est plutôt l’exception. Et les poètes ne se répondent pas, comme dans les battles de hip hop, mais se relaient.
Et sinon, l’une comme l’autre scène sont quelque part le reflet de nos sociétés patriarcales. Par exemple, dans l’anthologie du slam français sortie fin 2007, on compte 29 mecs sur les 35 slameurs considérés comme représentatifs de la scène. La scène est assez macho et je connais plusieurs filles qui s’en sont éloignées. Moi aussi d’ailleurs, je préfère maintenant slamer dans des soirées queer, sans esprit de compétition, en travaillant ma mise en scène et la mise en musique de mes textes. Plus vraiment du slam dans les règles…
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www.myspace.com/kacosonia

