Rhythmus vom Rhein an der Seine

Exportschlager aus Deutschland? Man denkt vielleicht an Mercedes, Haribo oder Tokio Hotel... „Made in Germany“ ist ein Qualitätssiegel, doch nicht alle deutschen Produkte und Künstler haben es leicht, im Ausland bemerkt zu werden. Deswegen hat sich das Festival Music-allemand auf die Fahnen geschrieben, bekannte und weniger bekannte deutsche Musiker nach Paris zu holen. Seit 8 Jahren schreibt das Festival im Rhythmus von elektronischen Klängen seine Erfolgsgeschichte.

Am 15. November 2008 lud das Festival Music-allemand zum achten Mal deutsche Künstler ein, sich dem französischen Publikum in einem der angesagten Pariser Clubs, dem Nouveau Casino, zu präsentieren. Der Name des Festivals leitet sich ab von „la musique allemande“ und „musicalement“ (musikalisch), eine kleine Anspielung darauf, dass auch deutsche Musik durchaus wohlklingend sein kann. In diesem Jahr gab es darüber hinaus eine Besonderheit: anlässlich der Kultursaison Frankreich -Nordrhein-Westfalen 2008/2009, ein großer kultureller Austausch mit einer Vielzahl von Veranstaltungen, kamen alle eingeladenen Musiker aus dem bevölkerungsreichsten Bundesland. Ein kleines Team von engagierten jungen Leuten setzt sich für die Realisierung des Festivals ein, das heute einen festen Platz unter den musikalischen Höhepunkten der französischen Hauptstadt einnimmt. Künstler aus Nordrhein-Westfalen   Unter den Organisatoren ist nur ein einziger Deutscher, Phil Stumpf, der selbst DJ ist und seit 7 Jahren in Paris lebt. Er kümmert sich um das musikalische Programm, denn er ist selbst Teil der deutschen Elektro-Szene, der sich besonders mit seinem Minimal-Klängen einen Namen gemacht hat. Ein völlig unkonventioneller deutscher Botschafter: in Sachen Sounds eben! Weil viele Franzosen mit deutscher Musik nur Tokio Hotel oder Rammstein verbinden, entstand die Idee, in diesem Jahr eine Konferenz am Vorabend der Konzerte zu organisieren. So trafen sich im Saal des Goethe-Instituts der Pop-Theoretiker  Frank Apunkt Schneider und der DJ Hans Nieswaldt, die auf die Fragen von Phil Stumpf nicht nur mit ironischen Bemerkungen und amüsanten Anekdoten antworteten, sondern auch mit akkustischen Ausflügen in die deutsche Musikgeschichte, denn alle drei hatten ihre Plattenkoffer dabei. Die wirkliche Party  gab es dann am nächsten Abend im Nouveau Casino. Die Macher des Festivals konnten dank der finanziellen Unterstützung der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen die Werbetrommel rühren und in der Stadt unzählige Poster und Flyer verteilen. Mit Erfolg! Der Andrang war groß an diesem Abend. Das Programm begann mit entspannten Klängen zum Warmwerden von Schlammpeitziger und dem Duo Werle & Stanowski, begleitet von originellen Videoprojektionen. Dann wurde es dunkel und unheimlich im Saal – das Trio MIT aus Köln betrat die Bühne und zeigte Paris, wie anders und mitreißend junge deutsche Musik sein kann. Dazu genügten ihnen ein Computer, ein Schlagzeug und eine große Basstrommel. Die Geschwindigkeit der Generation Web 2.0. und die schrille Stimme des Sängers Edi, wie sie in den Liedern der Neuen Deutschen Welle beliebt waren, begeisterten die Zuhörer. Danach hatten Mouse on Mars leichtes Spiel und rockten den übervollen Club. Die Headliner aus Köln sind seit langem international bekannt und so waren die Organisatoren besonders stolz auf ihren Auftritt beim Festival, das durch solche bekannten Künstler jedes Jahr wachsen kann. Im angeschlossenen Café Charbon eröffneten wenig später die Djs Ada,  Hans Nieswandt, Antonelli und Phil Stumpf den Lounge-Bereich. Qualitätselektro Made in Germany  Unter den Zuschauern waren neben einigen deutsche Wahlpariser viele Franzosen, die von der Qualität deutscher Elektro-Musik schwärmen. Organisatorin Clarissa glaubt, deutschen Rock oder Hip-Hop im Ausland zu vermarkten sei viel schwerer als elektronische Musik. Sie selbst betreibt eine Agentur, die versucht, deutsche Musiker in Frankreich zu etablieren. Nicht immer einfach. Zwar komme die elektronische Musik meist ohne Text aus und daher sei es nicht immer die deutsche Sprache, an der man einen „deutschen Stil“ erkennen könne. Doch es gibt ihn und man weiß ihn mittlerweile in den Clubs auf dem Globus zu schätzen. Neben Haribo und Mercedes gibt es also noch Anderes zu entdecken in Sachen deutscheExportschlager! Und im nächsten Herbst dürfen die Pariser sich auf eine weitere Ausgabe von Music-allemand freuen... oder einfach nach Deutschland kommen und vor Ort tanzen! 



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