Ich habe an einem kalten Herbsttag eine Schweizer Klasse während einer Führung im Konzentrationslager Sachsenhausen, im Norden Berlins, begleitet. Ein besonderer Bericht.

Par une fraîche journée d´automne, j´ai accompagné une classe suisse lors d´une visite guidée du camp de concentration de Sachsenhausen, au Nord de Berlin. Un reportage particulier.

8.48 Uhr: Ich steige am Bahnhof Gesundbrunnen im Norden Berlins in die Regionalbahn Richtung Oranienburg, Kreisstadt von Oberhavel im Bundesland Brandenburg, ein. Meine Stimmung schwankt zwischen Neugier und Unbehagen. Meine schwierigen jugendlichen Erinnerungen an den Besuch des Konzentrationslagers Buchenwald in Thüringen sind seit heute morgen wieder wachgerufen.

9.07 Uhr: Wir sind in Oranienburg angekommen. Wir? Ich bin mit Vera Rabsch in die Bahn eingestiegen. Zur Zeit noch Lehramtsstudentin, arbeitet die Sechsundzwanzigjährige seit einem Jahr mehrmals die Woche in der Gedenkstätte Sachsenhausen.

9.30 Uhr: Ankunft mit dem Bus in der Straße der Nationen, die eine Sackgasse ist. Am Ende stehen die grauen Mauern der Gedenkstätte. Vor dem Besucherinformationszentrum warten mehrere Schulklassen. Die Gedenkstätte ist ein „offener Lernort,“ wo Schüler aus der ganzen Welt willkommen sind. Die museumspädagogische Abteilung bietet verschiedene themenspezifische Führungen an. Heute wird es jedoch eine „normale” Führung sein, verrät mir Vera.

9.50 Uhr: Die Schulklasse hat in dem Multimediaraum des Besucherinformationszentrums Platz genommen. Vera begrüßt die 18- bzw. 19jährigen mit „Bonjour!“ Die Schüler kommen aus dem Kanton Jura in der französischsprachigen Schweiz. Die Abiturienten hören der Pädagogin aufmerksam zu. Sie stellt in einem akzentfreien Französisch - die zukünftige Gymnasiallehrerin studiert neben Geschichte auch Französisch - die Geschichte des Lagers dar: „Das erste Lager wurde 1933 eingerichtet. Damals hieß es noch KZ Oranienburg. Die Häftlinge waren politische Gegner der Nationalsozialisten. Aber was geschah im Jahre 1933?”, fragt Vera. Während der Kurzpräsentation versucht die Studentin die Jugendlichen anzusprechen. Sie will die schweizerischen Schüler an der Einführung beteiligen. Leider ist festzustellen, dass sie über mangelhafte Kenntnisse über die NS-Zeit verfügen. Vera bedauert, dass es regelmäßig vorkommt, dass Schüler unvorbereitet zur Gedenkstätte kommen. „Manchmal dient sogar der Ausflug als Einstiegsstunde“, beschwert sie sich.

10.15 Uhr: Beim Laufen über die Lagerstraße, die die KZ-Kommandatur und das Häftlingslager vom Bereich des SS-Truppenlagers trennte, erklärt mir Benjamin Bergé, Mathe-Lehrer am Lycée cantonal de Porrentruy, die Details des besonderen Ausflugs. Die Schule, die eine langjährige Partnerschaft mit dem Arndt-Gymnasium, im südwestlichen Stadtteil Berlin Dahlem, führt, organisiert regelmäßig Austausche und Sprachreisen in die Hauptstadt Deutschlands und ihrer Umgebung. Im Rahmen dieses voyage de maturité - Studienreise auf Schweizer Französisch - haben die Schüler selbst das KZ Sachsenhausen als Ausflugsort ausgesucht. Später begründet ein Schüler diese Wahl: „Es ist etwas, das man mindestens einmal in seinem Leben sehen muss.“

10.30 Uhr: Wir stehen vor dem „Turm A.“ Der Eingang zum Häftlingslager und der Sitz der SS-Lagerleitung. „Warum A?,“ fragt ein Schüler. Vera erzählt, wie die neuen Häftlinge von den SS empfangen wurden: „Seht ihr die Schornsteine in der Ferne? Es ist euer einziger Weg zur Freiheit!“ Dann erklärt die Pädagogin: „Dort war die Station Z.“

10.35 Uhr: Kaum durch das Tor mit der zynischen Aufschrift „Arbeit macht frei“ in das Lager getreten, sind wir auf dem Appellplatz. Auf dem halbkreisförmigen Platz mussten die Häftlinge zunächst dreimal täglich, später morgens und abends, zum Zählappell antreten. Eine oft stundenlange Tortur bei jedem Wetter. Einige Schüler haben sich während der Führung bei ihrem Mathelehrer über die Kälte beschwert. Benjamin Bergé hat ihnen erklärt, dass es noch nicht Winter ist und die Häftlinge kaum angezogen waren. „Sich vorzustellen, wie das Lager damals war und wie die Menschen lebten.“ Darum bittet Vera die Schüler, da es z.B. fast keine Baracken mehr gibt. Ein paar Meter weiter befinden wir uns vor der Schuhprüfstrecke. Im Auftrag des Reichswirtschaftsministeriums mussten täglich Häftlinge des Strafkommandos Sohlenmaterial von Wehrmachtstiefeln testen. Dazu wurden die Häftlinge gezwungen mit schwerem Gepäck auf dem Rücken um den Appellplatz zu marschieren. „Der Mensch ist wirklich genial, wie er Mittel findet, um seinen Mitmenschen weh zu tun!,“ stellt der junge Lehrer später fest.

10.45 Uhr: Die Baracke 38. Vera erklärt, ohne ein Detail zu vergessen, unter welchen Bedingungen die jüdischen Häftlinge lebten. Die junge Pädagogin berichtet bemerkenswert gut, wie der Massenmord, das Leben der SS und der Häftlinge verlief. Ihre Erklärungen sind prägnant und urteilsfrei. Bevor sie ihre erste Führung leiten konnte, wurde sie wochenlang ausgebildet. „Die Ausbildung dauert zwischen acht und zwölf Wochen. Man muss viel Literatur lesen, an Führungen teilnehmen und zum Schluß eine Probeführung vor der Verantwortlichen der museumspädagogischen Abteilung und dem Stiftungsleiter machen,“ präzisiert sie. Zu Beginn dieser beruflichen Tätigkeit war die Studentin nicht so gefasst, wie sie heute wirkt. „Am Anfang träumte ich nachts von laufenden SS-Truppen und Gesichtern von Häftlingen,“ vertraut sie mir an.

11.16 Uhr: Die Häftlingsküche. Wo früher die schlechte Suppe der Häftlinge zubereitet wurde, gibt es nun eine Dauerausstellung zu den Ereignissen und Entwicklungen des KZ. Dort sind z.B. die Häftlingsuniformen zu sehen. Besonders auffallend: Die Genickschussanlage. Die Opfer dachten, sie würden nur gemessen. Aus dem Nachbarraum wurden sie erschossen. Die Reaktionen der Schüler sind unterschiedlich. Manche schauen wortlos in die Ferne, völlig schockiert. Andere können nicht umhin, etwas zu sagen. Vera gibt immer fachliche Antworten auf die Fragen der jungen Erwachsenen.

11.40 Uhr: Die „Station Z.“ Im Bereich der Fundamente der Vernichtungsanlagen befindet sich der zentrale Gedenkort der Opfer des KZ. Dort sind noch die Verbrennungsöfen zu sehen.

12.00 Uhr: Vor dem Erschießungsgraben verabschiedet sich Vera Rabsch von den Schülern und den Lehrern. In ca. zwei Stunden haben die Jugendlichen sich einen Einblick in das System eines Konzentrationslagers und das Leben der Menschen, die hier Wochen, Monate oder Jahre lebten, verschafft. Der besondere Terror, der dort herrschte, erklärt sich durch die Tatsache, dass Sachsenhausen ein Muster- und Ausbildungslager war. „Die jungen SS-Offiziere wollten ihren Vorgesetzten beweisen, dass sie ihren Job gut machten,“ präzisiert Vera. Zwischen 1936 und 1945 waren im KZ Sachsenhausen mehr als 200 000 Menschen inhaftiert. Zehntausende kamen durch Krankheiten, Hunger, Zwangsarbeit und Misshandlungen um oder wurden Opfer von systematischen Vernichtungsaktionen der SS. Nach dem zweiten Weltkrieg wiederholte der sowjetische Geheimdienst NKWD den Horror mit dem Speziallager Nr. 7 in dem Kernbereich des ehemaligen KZ.

13.30 Uhr: Ich bin wieder in Berlin. Schwierige Rückkehr in die Gegenwart. Eine feste Idee hilft mir, in die Zukunft zu schauen: Ich werde in ein paar Jahren mit meinen Schülern wieder nach Sachsenhausen fahren.

 

* In Frankreich spricht man von „devoir de mémoire,“ wenn in Deutschland eher die Rede von „Aufarbeitung“ oder „Bewältigung der Vergangenheit“ ist.

8h48 : gare de Gesundbrunnen, au Nord de Berlin : je monte dans le train régional en direction d´Oranienburg, chef-lieu du canton d´Oberhavel dans le Bundesland de Brandebourg.

9h07 : nous venons d´arriver à Oranienburg. Je suis monté dans le train avec Vera Rabsch. Actuellement étudiante en Master d´enseignement, la jeune femme de 26 ans travaille depuis un an au Mémorial de Sachsenhausen plusieurs fois par semaine.

9h30 : arrivée en bus dans la Straße der Nationen qui est une voie sans issue. Au bout se dressent les murs gris du mémorial. Des classes attendent devant le centre d´information. Sachsenhausen a été conçu comme un « lieu d´apprentissage ouvert » où les élèves du monde entier sont les bienvenus. Le service pédagogique offre aux groupes de visiteurs une large palette de visites guidées thématiques. Aujourd´hui, ce sera une visite « normale », m´annonce Vera.

9h50 : la classe a pris place dans la salle multimédia du centre d´information pour les visiteurs. Vera salue les jeunes qui ont entre 17 et 19 ans : « Bonjour ! ». Les élèves sont originaires du canton du Jura en Suisse francophone. Les futurs bacheliers écoutent attentivement la pédagogue. Elle présente dans un français irréprochable - la future professeur d´histoire étudie aussi le français - l´histoire du camp : « Le premier camp a été construit en 1933. À l´époque, il portait encore le nom de Konzentrationslager Oranienburg, camp de concentration d´Oranienburg en français. Les prisonniers étaient des opposants aux national-socialistes. Mais que s´est-il passé en 1933 ? », demande Vera. L´étudiante tente d´inviter les adolescents à prendre la parole pendant la présentation. Elle veut faire participer les élèves suisses à l´introduction de la visite guidée. Malheureusement, elle constate très vite que les élèves ont des connaissances limitées sur la période national-socialiste. Vera regrette qu´il arrive très souvent que les élèves viennent au mémorial sans préparation. « Parfois, l´excursion sert même d´introduction à une nouvelle séquence thématique en cours d´histoire », se plaint-elle.

10h15 : en marchant sur la rue du camp qui séparait la Kommandatur et le camp de détention des casernes des troupes SS, Benjamin Bergé, professeur de mathématiques au Lycée cantonal de Porrentruy, m´explique les détails de ce voyage scolaire particulier. L´école qui entretient un long partenariat avec l´Arndt-Gymnasium situé dans le quartier Dahlem au sud-ouest de Berlin organise régulièrement des échanges et des séjours linguistiques dans la capitale allemande et ses environs. Dans le cadre de ce « voyage de maturité » - voyage d´études en français de Suisse, les élèves ont eux-mêmes choisi de visiter le camp de Sachsenhausen. Un peu plus tard, un lycéen justifie ce choix : « C´est quelque chose qu´on doit voir au moins une fois dans sa vie ».

10h30 : nous sommes devant la « Tour A ». L´entrée du camp et les bureaux de l´administration des SS. « Pourquoi A ? », demande un élève. Vera explique comment les prisonniers étaient accueillis par les SS : « Vous voyez les cheminées au loin ? C´est votre seul chemin vers la liberté ! ». Puis, la pédagogue explique : « Là-bas, c´était la station Z ».

10h35 : à peine entrés dans le camp par la porte avec l´inscription cynique « Arbeit macht frei », nous voici sur la place d´appel. Sur la place semi-circulaire avait lieu trois fois par jour les premières années, puis une fois le matin et une fois le soir, le rituel de l´appel. Une torture qui pouvait durer des heures et par n´importe quel temps. Quelques élèves se sont plaints pendant la visite guidée du froid auprès de leur professeur de mathématiques. Benjamin Bergé leur a expliqué que ce n´était pas encore l´hiver et que les prisonniers étaient beaucoup moins vêtus qu´eux. « S´imaginer à quoi ressemblait le camp et la vie des hommes ». C´est ce que Vera demande aux élèves, car il n´y a presque plus de baraques par exemple. Quelques mètres plus loin, nous nous trouvons devant le parcours d´essayage des chaussures. Sur ordre du Ministère du Reich à l´Économie, les détenus du commando disciplinaire devaient tester pendant de longues journées les semelles des bottes de la Wehrmacht. Pour ce faire, les prisonniers devaient marcher autour de la place d´appel en portant des sac à dos remplis de pierres. « L´Homme est absolument génial pour trouver des moyens de faire du mal à son prochain ! », constate plus tard le jeune professeur.

10h45 : la baraque 38. Vera explique sans oublier un détail dans quelles conditions vivaient les détenus juifs. La jeune pédagogue informe remarquablement bien son auditoire sur la manière dont le massacre et la vie des SS et des prisonniers se déroulaient. Ses explications sont précises et sans jugement. Avant de mener sa première visite guidée, elle a été formée pendant plusieurs semaines. « La formation dure de huit à douze semaines. Tu dois lire beaucoup de textes, de documents originaux, suivre des visites guidées et, pour finir, mener une visite d´essai devant la responsable du service pédagogique et le directeur de la fondation », précise-t-elle. À ses débuts, l´étudiante n´était pas aussi sereine qu´aujourd´hui. « Au début, je rêvais la nuit des troupes SS qui marchaient et des visages des détenus », me confie-t-elle.

11h16 : la cuisine du camp. La cuisine où était préparée la mauvaise soupe des détenus est désormais un musée présentant une exposition permanente sur les principaux événements et les évolutions du camp. On peut y voir, par exemple, les uniformes des prisonniers. Détail particulièrement frappant : la Genickschussanlage - installation de tir dans la nuque en français. Les victimes pensaient qu´ils allaient être mesurés. Il se positionnaient le long de la toise où un orifice permettait de leur tirer une balle dans la nuque depuis la pièce voisine. Les réactions des élèves sont variées. Certains regardent au loin sans dire un mot, très choqués. D´autres ne peuvent s´empêcher de s´exprimer. Vera répond toujours de façon professionnelle aux questions des jeunes adultes.

11h40 : la « station Z ». C´est dans les fondations des installations de mise à mort que se situe aujourd´hui le lieu de commémoration principal pour les victimes du camp. On peut y voir les vestiges des fours crématoires.

12h00 : devant la fosse d´exécution, Vera remercie les élèves et les professeurs pour leur attention. Pendant environ deux heures, les adolescents ont pris connaissance du système d´un camp de concentration et de la vie des hommes y ayant vécu des semaines, des mois ou des années. La terreur qui régnait ici s´explique par le fait que Sachsenhausen était un camp modèle et de formation. « Les jeunes officiers SS voulaient particulièrement prouver à leurs supérieurs qu´ils faisaient bien leur job », précise Vera. Plus de 200 000 personnes furent internées à Sachsenhausen entre 1936 et 1945. Des dizaines de milliers succombèrent aux maladies, à la faim, au travail forcé et aux sévices infligés ou bien furent victimes des actions d´extermination systématiques organisées par la SS. Après la deuxième guerre mondiale, les services secrets soviétiques, NKWD, répétèrent l´horreur en créant le camp spécial Nr. 7 dans ce qui avait constitué le cœur de l´ancien camp de concentration.

13h30 : me voilà de nouveau à Berlin. Retour difficile dans le présent. Une pensée profonde me permet d´appréhender sereinement l´avenir : dans quelques années, je retournerai avec mes élèves à Sachsenhausen.

 

* Le « devoir de mémoire » est une expression typiquement française. En Allemagne, on parle plutôt d´« assimilation » ou de « prise en compte d´un passé » à ne pas oublier.