In Zeiten ständig steigender Mieten und akuter Wohnungsnot in europäischen Großstädten fragen sich nicht mehr nur Hippies und Künstler, ob es nicht auch unkonventionellere Wege zur eigenen Wohnung gebe. Aber haben Hausbesetzer wirklich Zukunft? Ein kleiner Einblick in die leidende Squatter-Szene von Paris und Berlin.

En ces temps, de crise du logement et de loyers exorbitants dans les villes européennes, hippies et artistes ne sont pas les seuls à se demander s'il n'y a pas des moyens moins conventionnels pour dénicher un appartement. Mais les squatteurs ont-ils vraiment de l'avenir? Petit aperçu du milieu des squatteurs à Paris et Berlin.

Rötliche Papiergirlanden schweben durch die Luft, vom Balkon baumeln Plastikskulpturen und irgendwo läutet ein Glockenspiel. Beim Anblick des 59 Rivoli denkt man nicht automatisch an Polizeibrigaden und Räumungsbefehle. Denn dem Künstlersquat auf einer der Prachtstraßen von Paris geht es verhältnismäßig gut. Was 1999 als Nacht-und-Nebel-Aktion dreier Jugendlicher startete, wurde schnell zu einem der meist besuchten Kunstprojekte in Paris, an dem mehr als 30 Künstler aus Frankreich und der ganzen Welt mitwirken. Doch während die Mitglieder des Künstlerkollektivs Chez Robert, électron libre sich lange vor dem Rauswurf aus dem 59 Rivoli fürchten mussten, hat sich die Lage in den letzten Jahren entspannt. Nachdem die Mairie de Paris die Bedeutung des „Squarts“ (eine Wortneuschöpfung aus „squat“ und „art“) für ihre Stadt erkannt hatte, setzte sie alle Hebel in Bewegung, damit die Maler, Bildhauer und Installationskünstler in dem mittlerweile teilweise renovierten Haus bleiben konnten. Seitdem sind Vernissagen und Konzerte an der Tagesordnung in einem der schönsten Sandsteinbauten an der Rue de Rivoli, der außerdem von dienstags bis sonntags Kunstfreunden und Touristen seine Türen öffnet.

Hippies, Junkies, Obdachlose? Hausbesetzer leiden unter ihrem schlechten Ruf

Um ihre bunte Künstleroase in die Legalität zu holen, mussten sich die Mitglieder des 59 Rivoli natürlich mit der Mairie de Paris arrangieren. Aber das ist in Paris, in dem es im Vergleich zu Städten wie Berlin oder Barcelona nicht unbedingt viele Squats gibt, mittlerweile keine Seltenheit mehr. Denn die französische Gesetzgebung wurde Anfang 2011 durch das Loppsi-Gesetz drastisch verschärft, sodass besetzte Häuser mittlerweile ohne richterliche Anordnung geräumt werden können. Dagegen wehrt sich das Hausbesetzerkollektiv Jeudi noir, das als Sprachrohr aller Pariser Squatter besonders dieses Jahr von sich reden gemacht hat. Seine Mitglieder sind nicht etwa die Junkies, Illegalen oder Obdachlosen, als welche die Hausbesetzer oft deklariert werden, sondern Studenten, Künstler und Kleinverdiener, die sich die astronomischen Pariser Mieten einfach nicht leisten können. Die meisten der Aktivisten wollen sich nicht damit abfinden, dass viele Gebäude in der Innenstadt von Paris leer stehen, weil sich kein passender Investor findet oder eine notwendige Renovierung aufgeschoben wurde. Wie viele verlassene Gebäude es in Paris wirklich gibt, weiß dabei keiner so genau, aber die Schätzungen reichen von ein paar Hundert bis zu 136 000.

Julien Bayou, dem Sprecher von Jeudi noir, geht es dabei vor allem darum, auf die prekäre Wohnsituation vieler junger Menschen in Paris aufmerksam zu machen. Der Donnerstag, an dem jede Woche die Wohnungsanzeigen in den großen Zeitungen erscheinen, sei für viele unter ihnen ein „schwarzer Tag“, da die meisten jungen Wohnungssuchenden auch nach vielen Telefonaten und etlichen Besichtigungen immer noch kein Dach über dem Kopf hätten. Jeudi noir hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, leerstehende Gebäude im Pariser Stadtgebiet temporär zu besetzen, um den Wohnungslosen und Bedürftigen wenigstens für ein paar Tage oder Wochen einen Schlafplatz bieten zu können und die Öffentlichkeit auf die schwierige Wohnlage aufmerksam zu machen. Die Zeiten von „Freiheit, Liebe und Poesie“ scheinen in der Pariser Hausbesetzerszene also vorbei zu sein und einem mehr oder minder radikalen Pragmatismus Platz gemacht zu haben.

Zu Hilfe! Die Künstler des Berliner Tacheles sind in Bedrängnis

Und das nicht nur in Paris. Auch in Berlin leiden die Hausbesetzer immer häufiger, vor allem seit im Frühling dieses Jahres ihr Flaggschiff Tacheles unter Beschuss geraten ist. Die Mitglieder des Künstlersquats an der Oranienburgerstraße, der schon 1990 gegründet und von seinen Mitgliedern gerne als „Kunstruine in Berlin-Mitte“ bezeichnet wird, konnten zwar über Jahre den Verkauf und Abriss des Gebäudes verhindern und sogar einen Denkmalschutz erwirken, doch seit Auslaufen des temporären Mietvertrags 2008 drängen die Gläubiger auf die Versteigerung und erwirkten Anfang des Jahres eine teilweise Räumung des Gebäudes. Obwohl die endgültige Räumung im Oktober vorerst abgewendet werden konnte, wird sich wohl nicht so schnell entscheiden, wie es mit den Künstlern des Tacheles nun weitergehen soll. Denn die Mühlen der Bürokratie mahlen bekanntlich langsam, was den Performance-Künstlern und Poeten an der Oranienburgerstraße in diesem Fall aber nur gelegen kommen kann.

Squatter als Hausverwalter? Neue Methoden der legalen Hausbesetzung

Wegen der prekären Lage der meisten Squats haben sich viele Hausbesetzer mittlerweile mit neuen, etwas konventionelleren Hausbesetzungs-Methoden angefreundet. Prekäre Mietverträge der Stadtverwaltung werden nicht länger als Verrat an den Squatter-Idealen betrachtet und manche schwingen sich sogar zu legalen „Hausverwaltern“ auf: Dieses System sieht vor, dass ein Haus nicht illegal „besetzt“, sondern vielmehr legal „verwaltet“ wird. Die Squatter werden dabei von den Besitzern selbst damit beauftragt, das Gebäude zu bewohnen und in Schuss zu halten, solange kein Käufer gefunden oder keine Renovierung bezahlt werden kann. Doch nicht immer lassen sich solch versöhnliche Lösungen finden und meist muss dann doch die Polizei anrücken: Die bislang größte Aktion von Jeudi noir war die Besetzung eines leer stehenden Gebäudes der Versicherungsgesellschaft AXA unweit des Élysée-Palastes im Januar dieses Jahres. Wenige Wochen später war das Gebäude aber schon geräumt und seine Bewohner wieder einmal auf der Suche nach einer neuen, langfristigen Bleibe. Dass sie die mittlerweile gefunden haben, ist eher unwahrscheinlich, aber wenigstens dem Kollektiv Jeudi noir hat der Presserummel um die Räumung gut getan. Vielleicht wissen jetzt wenigstens ein paar mehr Pariser, dass Hausbesetzer nicht immer Straftäter sind und dass die Immobilienspekulation im Stadtzentrum vor allem zu Lasten junger Menschen geht. Und das wäre ja immerhin ein Anfang - auch wenn dabei keine langfristigen Wohngemeinschaften herausspringen.

Bildnachweis: (C) Jose Téllez

 

Des guirlandes en papier rouge qui flottent dans l'air, des sculptures en plastique suspendues au balcon et le son d’un carillon lointain : lorsqu’on arrive au n°59 rue de Rivoli, on ne pense pas spontanément à des brigades policières ou à des ordres d'expulsion. Car ce squat artistique au cœur d’une des rues les plus élégantes de Paris se porte relativement bien. Ce qui a commencé en 1999 comme une opération commando de trois jeunes, est vite devenu un des projets artistiques les plus visités de Paris a pour lequel collaborent plus de 30 artistes français et internationaux. Mais alors que les membres du collectif artistique Chez Robert, électron libre du 59 Rivoli ont longtemps redouté le moment de l'expulsion, la situation s'est un peu détendue ces dernières années. Après que la Mairie de Paris ait compris l'importance du « squart » (contraction de « squat » et « art ») pour la capitale, elle a fait tout son possible pour que les peintres, sculpteurs et artistes-installateurs puissent rester dans l'immeuble, désormais partiellement rénové. Depuis des vernissages et concerts sont organisés dans l’un des plus jolis bâtiments en pierre de taille sur la rue de Rivoli, qui ouvre ses portes aux adeptes de l'art et aux touristes de mardi à dimanche.

Hippies, drogués, SDF? Les squatteurs souffrent de leur mauvaise réputation

Pour rendre légale leur oasis colorée et artistique, les membres du 59 Rivoli ont bien sûr dû s'arranger avec la Mairie de Paris. Mais cette situation est rare à Paris où du reste il n'y a pas beaucoup de squats par rapport à d'autres villes comme Berlin ou Barcelone. Par ailleurs, début 2011, les réglementations sur le squat ont été radicalement renforcées, surtout avec la loi LOPPSI 2, à un tel point que les squatteurs peuvent désormais être expulsés d'un immeuble sans l'avis d'un juge. Le collectif des squatteurs Jeudi noir se révolte justement contre cela et a fait beaucoup parler de lui cette année, en tant que porte-parole de tous les squatteurs parisiens. Ses membres ne sont ni des drogués, ni des clandestins ou encore des SDF, comme on aime souvent les représenter, mais des étudiants et artistes aux petits salaires qui ne sont pas en mesure de payer les loyers exorbitants de la capitale. La plupart des activistes ne veulent pas non plus d’accord avec le fait que de nombreux bâtiments à Paris soient inoccupés parce que les propriétaires ne trouvent pas d'investisseur ou ont reporté une rénovation nécessaire. Même si personne ne sait vraiment combien d'immeubles inoccupés existent à Paris, les estimations vont de quelques centaines jusqu'à 136 000.

Julien Bayou, porte-parole de Jeudi noir, veut avant tout sensibiliser l'opinion publique sur la situation précaire du logement de beaucoup de jeunes à Paris. Le jeudi, jour où les annonces immobilières sont publiées dans les grands journaux, serait pour beaucoup d'entre eux un « jour noir » car la plupart des jeunes à la recherche d'un logement n'auraient toujours pas de toit sur la tête après des centaines de coups de téléphone et de visites d'appartement. Jeudi noir s'est donc donné comme tâche de squatter temporairement des bâtiments inoccupés du centre-ville de Paris pour pouvoir donner un abri, au moins pour quelques jours ou semaines, à tous ceux qui n'ont ni logement ni argent et pour attirer l'attention sur la crise du logement. Le bon vieux temps des « liberté, amour et poésie » dans le milieu des squatteurs à Paris semble donc être fini, laissant la place à un pragmatisme plus ou moins radical.

Au secours! Les squatteurs du Tacheles berlinois sont en galère

Et cela n'est pas seulement le cas à Paris. À Berlin également, les squatteurs souffrent de plus en plus, surtout depuis que leur fleuron, le Tacheles a été attaqué au printemps de cette année. Les membres du squat artistique sur la Oranienburgerstraße, fondé en 1990 et souvent désigné par ses habitants comme « ruine artistique dans Berlin-Mitte », ont pu empêcher la vente et la démolition de l'immeuble pendant un bon nombre d'années et ont même obtenu que la ruine soit classée monument historique, mais depuis l'échéance du bail temporaire en 2008, les créanciers forcent la vente aux enchères et ont demandé en début d'année l'évacuation partielle du bâtiment. Bien que l'évacuation définitive ait pu être empêchée en octobre, le destin des artistes du Tacheles reste incertain. Car, comme nous le savons tous, les rouages de la bureaucratie tournent lentement, ce qui ne pourra qu’arranger les artistes et poètes de l'Oranienburgerstraße.

Squatteurs ou gardiens? Nouvelles méthodes pour squatter dans la légalité

En raison essentiellement de leur situation précaire, beaucoup de squatteurs se sont désormais habitués à de nouvelles méthodes plus conventionnelles. Les baux précaires proposés par l'administration municipale ne sont plus considérés comme une trahison des idéaux du squat et quelques-uns des squatteurs montent même en grade pour devenir des « gardiens » tout à fait légaux: ce système prévoit qu'une maison ne soit pas illégalement « squattée », mais légalement « gardée ». Dans ce cas particulier, les squatteurs sont chargés par les propriétaires mêmes de vivre dans l'immeuble et de le garder en bon état, jusqu'à ce qu'un acquéreur soit trouvé ou qu'une rénovation puisse être réalisée. Mais de telles solutions conciliantes ne sont pas toujours faciles à trouver et souvent la police doit quand même intervenir: jusqu'à maintenant, l'action la plus importante de Jeudi noir était l'occupation d'un immeuble vide de l'assureur AXA, à deux pas du Palais de l'Élysée, en janvier de cette année. Mais quelques semaines plus tard le bâtiment avait déjà été évacué et ses habitants étaient à nouveau à la recherche d'un logement à plus ou moins long terme. Il est peu probable qu'ils aient trouvé quelque chose depuis, mais au moins le collectif Jeudi noir a pu profiter de ce remue-ménage médiatique que son évacuation a provoqué. Peut-être y a-t-il maintenant au moins quelques Parisiens de plus qui savent que les squatteurs ne sont pas toujours des criminels et que la spéculation immobilière à Paris touche surtout les jeunes. Cela serait au moins un début – même si l'on n'en tirera pas de colocation à long terme.

Image: (C) Jose Téllez