


FLIRTWÜSTE DEUTSCHLAND? ÜBER DIE TÜCKEN DER DEUTSCH-FRANZÖSISCHEN LIEBE
ZÉRO FLIRT EN ALLEMAGNE? LES EMBÛCHES DE L’AMOUR FRANCO-ALLEMAND
Deutsche können nicht flirten. Zumindest wenn es nach den Franzosen geht. In den letzten Monaten strotzte die französische Presse nur so vor Artikeln, die das Leid der in Deutschland gestrandeten flirtwilligen Franzosen beklagten. Flirtwillig oder doch eher flirtwütig?
Les Allemands ne savent pas flirter, à en croire les lamentations des Français vivant en Allemagne, dont la presse française s’est faite l’écho ces derniers mois. Ces plaintes seraient-elles révélatrices d’une inclinaison innocente ou plutôt d’une frénésie de flirter qui serait typiquement française ?
Letztere Einschätzung mag sich den Deutschen aufdrängen, die die angeblich ständige und ausschließliche Beschäftigung der Franzosen mit dem anderen Geschlecht schnell einmal übertrieben finden. Dabei stößt bei den Franzosen schon das Wort „Geschlecht“ auf Unverständnis – kann denn Liebe Sünde sein? Versuch einer deutsch-französischen Annäherung.
Wahrscheinlich ist es dem französischen Journalisten Alain-Xavier Wurst zu verdanken, dass sich die Presse links und rechts des Rheins momentan weniger für Merkel und Sarkozy und mehr für die deutsch-französische Liebe bzw. deren Verhinderung interessiert. Wursts im Winter 2010 erschienenes, höchst amüsantes Buch Zur Sache, Chérie! beschäftigt sich ausführlich mit seinen eigenen misslungenen Anpirschversuchen ans schöne Geschlecht in Deutschland: „Die deutsche Frau ist wunderbar. Sie könnte perfekt sein. Wenn sie nur wüsste, wie man flirtet. Und dass man flirten darf. Und dass man flirten soll. Und dass man flirten muss.“ Die blonde Deutsche zeige dem Franzosen lieber die kalte Schulter oder trage eine betont feministische Attitüde zur Schau. Lange Haare, kurze Röcke oder gar hohe Absätze? Das kenne die deutsche Frau nicht, schließlich wolle sie ja nicht auf ihre Weiblichkeit reduziert werden: „Als Antwort auf meinen anzüglichen Humor verdrehen die deutschen Fräuleins die Augen, meine Komplimente gleiten an ihnen ab. Will ich sie auf die Wange küssen, gucken sie mich an, als wäre ich ein Lustmolch. Will ich die Rechnung im Restaurant zahlen, tun sie, als wollte ich mir ihre sexuelle Leistung erkaufen. Will ich sie nach Hause bringen, gelte ich als potenzieller Psychopath.“ Was ist das für ein Land, in dem Flirten eine Straftat ist?
Wie kann man den deutschen „Mini-Werther“ zum Flirten anregen?
Dass es Alain-Xavier Wurst überhaupt so lange im Lande der unterkühlten Blonden ausgehalten hat, mag verwundern. Aber schließlich hat man als französischer Charmeur ja auch einen gewissen Ruf zu verteidigen und kann sich nicht sofort geschlagen geben! Wurst versucht also, mit wohl angebrachten plaisanteries gegen die „tödliche Verbindung von Bürgerlichkeit, Protestantismus und Feminismus“ anzugehen, die er im Nachbarland ausgemacht hat. Das Ergebnis ist durchwachsen, zumindest was Wursts eigene Flirtbilanz angeht. Als Grund allen Übels macht er schließlich den deutschen Mann aus, in dem noch immer ein „Mini-Werther“ stecke, der lieber still leide als seine Außererwählte anzusprechen. Wenn es denn mal zum sprachlichen Kontakt komme, dann sei das schon ein halbes Sommermärchen: „Der deutsche Mann lädt die deutsche Frau zum Fußballgucken ein – und guckt Fußball.“ Angesichts so viel Pragmatismus kann der Franzose nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Ob Wursts Vorschläge, dass Flirten in Deutschland durch eine gesetzliche Flirtstunde, besonders gekennzeichnete Flirtzonen und verpflichtende Weinverkostungskurse anzukurbeln, allerdings so richtig zünden würden, ist fraglich.
Wursts Leidensgenossinnen ergeht es nicht besser. Die in Deutschland lebende französische Journalistin Prune Antoine bringt die Misere auf den Punkt: „Der germanische Mann ist schüchtern, kalt und stumm. Der deutsche Ureinwohner geht das Abenteuer, eine weibliche Artgenossin anzusprechen, unter zwei Promille erst gar nicht an.“ Mit einem Deutschen in amourösen Kontakt zu treten, käme daher beinahe einer „kulturellen Revolution“ gleich. Und auch Anna Patton verzweifelt an den verklemmten Deutschen: „In Deutschland könnte dieser ernst dreinschauende Mann, der da drüben sitzt, leidenschaftlich in dich verliebt sein und du wirst es niemals wissen.“ Die seitenlangen Kommentare zu ihrem Artikel im Cityblog Berlin von cafebabel.com, in dem sich Männer und Frauen gegenseitig die Schuld zuschieben, sprechen Bände. Und auch Nikola Obermann, eine deutsche Autorin und Drehbuchschreiberin, die Frankreich zu ihrer Wahlheimat erkoren hat, kann sich für die deutsche Nüchternheit in Sachen Liebe nicht recht erwärmen: „Ich habe nicht vor, nach Deutschland zurück zu gehen. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich hasse weder Deutschland noch die Deutschen. Man könnte vielmehr sagen, dass ich sie wie meinen Ehemann liebe, aber mich entschieden habe, mit meinem Liebhaber zu leben.“ Et voilà.
Deutsch-französische Hilfestellungen fürs savoir-flirter
Die Deutschen zu verteidigen fällt dabei niemandem ein, schließlich reicht ein Besuch im jeweiligen Nachbarland, um sich von der Flirtunwilligkeit der Deutschen und dem savoir-flirter der Franzosen zu überzeugen: „So will es das Klischee, und wie alle Klischees ist es falsch und stimmt trotzdem“, möchte man mit Alain-Xavier Wurst sagen. Anekdoten gibt es genug, um das Problem zu illustrieren, eine wirkliche Erklärung allerdings nicht. Vielleicht flirten die Deutschen ja wirklich zu subtil für die Franzosen, wie es die Band Wir sind Helden in ihrem Lied „Aurélie“ (2003) besingt? Bei den Deutschen könne es gar nicht langsam genug gehen: „Ach Aurélie, in Deutschland braucht die Liebe Zeit. / Hier ist man nach Tagen erst zum ersten Schritt bereit. / Die nächsten Wochen wird gesprochen, / sich aufs Gründlichste berochen / und erst dann trifft man sich irgendwo zu zweit.“ Vielleicht liegt die Schuld aber auch bei der immer größer werdenden Anzahl an Flirtwebsites, auf denen dem deutschen Mann geraten wird, beim Flirten bloß Abstand zu halten, niemals Augenkontakt zu suchen und keine Komplimente zu machen, da dies schnell aufdringlich wirke. Und ob man mit Anmachsprüchen wie „Ich hab meine Telefonnummer verloren, kann ich deine haben?“ oder „Du hast Glück, ich bin Single!“ wirklich punkten kann, steht in den Sternen. Der Franzose schüttelt einmal mehr den Kopf.
Was geht also schief in Deutschland? Haben die Deutschen einfach zu viel Angst vor einem Korb oder wollen sie nicht als Frauenheld verschrien werden? Während die Bezeichnungen tombeur („Fäller“) oder séducteur („Verführer“) in Frankreich eher Komplimente sind, kommt der coureur de jupons („hinter den Unterröcken her Rennender“) in Deutschland als Schürzenjäger etwas handfester daher. Was lernen wir daraus? Die Französin wedelt mit dem Spitzenunterrock, die Deutsche aber trägt Schürze. Vielleicht sind die deutschen Frauen ja auch nicht ganz unschuldig an der ganzen Misere? Die Franzosen ziehen meist die im Vergleich zu Frankreich niedrigen deutschen Geburtenstatistiken heran, um auf die gefährlichen Konsequenzen der deutschen Flirtphobie hinzuweisen. Es mag zwar sein, dass Deutschland mit 1,36 im Vergleich zu den französischen 2,01 Kindern pro Frau schneller schrumpft, aber da die Zahl der Einzelhaushalte mit knapp 20% in beiden Ländern ungefähr gleich ist, kann man nicht guten Gewissens behaupten, die ungelenke Interaktion mit dem anderen Geschlecht führe nur in Deutschland zu Tristesse und Einsamkeit. Irgendwie finden sich die Deutschen dann ja doch, sehr wahrscheinlich sogar beim gemeinsamen Fußballgucken. Dieses Gebiet haben die meisten Franzosen wohl noch nicht als potenzielle Jagdgründe erkannt – vielleicht können ja Jean und Jacques auch noch etwas dazulernen?
Question que se posent les Allemands qui trouvent souvent exagérée la préoccupation prétendument obsessionnelle des Français avec le sexe opposé. En revanche, le mot allemand « Geschlecht » (sexe) provoque également l'incompréhension des Français – l’amour peut-il être un péché ? Tentative d’un rapprochement franco-allemand.
C’est peut-être grâce au journaliste français Alain-Xavier Wurst que la presse des deux côtés du Rhin s’intéresse désormais moins à Merkel et Sarkozy et plus à l’amour franco-allemand – ou aux embûches qu’il rencontre. Dans son ouvrage amusant Zur Sache, Chérie ! (« À nos moutons, chérie ! »), paru en hiver 2010, Wurst s’interroge en détail sur ses propres tentatives d’approche du beau sexe allemand : « la femme allemande est magnifique. Elle pourrait être parfaite - si elle savait draguer. Qu’on peut draguer. Qu’on devrait draguer. Qu’on doit draguer ! » Mais la blonde Allemande préfèrerait battre froid le Français et afficher une attitude ostensiblement féministe. Cheveux longs, minijupes ou talons ? La femme allemande ignorerait ces attributs car elle n’aime pas être réduite à sa féminité : « en réponse à mon humour grivois, les demoiselles allemandes roulent des yeux, mes compliments les laissent indifférentes. J’essaie de les embrasser sur la joue et elles me regardent comme si j’étais un vicieux. Je veux payer l’addition au restaurant et elles se comportent comme si je voulais acheter une prestation sexuelle. Je veux les accompagner à la maison et elles me prennent pour un psychopathe potentiel. » C’est quoi ce pays où flirter est un crime ?
Comment inciter le « mini-Werther » allemand à flirter ?
Il est étonnant qu’Alain-Xavier Wurst ait supporté si longtemps le pays des blondes glaciales. Mais le charmeur français a bien sûr une réputation à défendre et ne peut pas baisser ses armes si vite ! Wurst essaie donc de s’attaquer avec des plaisanteries bien placées au « mélange fatal d'esprit bourgeois, de protestantisme et de féminisme » qu’il croit avoir découvert dans le pays voisin. Le résultat est moyen, du moins en ce qui concerne le bilan de drague de Wurst lui-même. Il finit par conclure que l’homme allemand est la première cause du mal car dans son âme vivrait encore un « mini-Werther » qui préfèrerait souffrir en silence au lieu de parler à l'élue de son cœur. Si par hasard un contact verbal avait lieu, cela serait presque un Sommermärchen (« conte de fée estival ») : « l’homme allemand invite la femme allemande à regarder le foot – et regarde le foot. » Face à un tel pragmatisme, le Français ne peut que lever les bras au ciel. Mais il reste à voir si les suggestions de Wurst pour relancer le flirt en Allemagne – heures de drague prescrites par la loi, zones spécifiques de flirt et dégustations de vin obligatoires – pourraient vraiment fonctionner.
Les compatriotes féminines de Wurst ne vont pas mieux. Prune Antoine, journaliste française installée en Allemagne, dévoile le fond du problème : « les mâles germains se montrent timides, froids, voire muets. L'autochtone s'aventure rarement à aborder une congénère féminine en dessous de deux grammes d'alcoolémie. » Créer un contact amoureux avec un Allemand signifierait donc « entreprendre une révolution culturelle ». Anna Patton également désespère à cause des Allemands coincés : « en Allemagne, cet homme sérieux, assis là-bas, pourrait être fou amoureux de toi, mais tu ne le sauras jamais. » Les nombreux commentaires qui suivent son article sur le cityblog berlinois de cafebabel.com, dans lesquels hommes et femmes se renvoient la faute, en disent long. Nikola Obermann, auteur et scénariste allemande pour qui la France est sa patrie d’adoption, ne peut pas non plus se passionner pour la monotonie amoureuse à l’allemande : « je n’ai pas l’intention de retourner en Allemagne. Comprenez-moi bien, je ne déteste ni l’Allemagne, ni les Allemands : on pourrait dire que je les aime comme on aime son mari, mais que j’ai choisi de m’installer avec mon amant. » Et voilà.
Parades franco-allemandes pour encourager le savoir-flirter
Personne ne pense à défendre les Allemands car une visite dans le pays voisin suffit pour s’assurer de l’impassibilité que les Allemands ressentent face au flirt, et du savoir-flirter des Français. Comme Alain-Xavier Wurst, nous sommes enclins à dire à ce propos : « voilà le cliché et comme tous les clichés il est faux et vrai en même temps. » Il existe assez d’anecdotes pour illustrer le problème, mais encore aucune vraie explication. Les Allemands flirteraient-il vraiment de manière trop subtile pour les Français, comme l’affirme le groupe Wir sind Helden dans leur chanson « Aurélie » (2003) ? L’amour ne pourrait jamais être assez lent pour les Allemands : « Aurélie, en Allemagne l’amour a besoin de temps. / On n’y fait le premier pas qu’après des jours. / Les semaines suivantes on parlera, / on se reniflera du haut en bas / et seulement après on se donnera rendez-vous à deux. » Peut-être est-ce aussi la faute des sites de conseils de drague, dont le nombre croît de façon exponentielle, sur lesquels on conseille à l’homme allemand de garder ses distances, de ne jamais chercher le contact visuel et de ne pas faire des compliments car cela pourrait très vite sembler envahissant. Il n'est pas non plus très probable que les Allemands réussissent à marquer des points avec de petites phrases de drague typiques, comme « j’ai oublié mon numéro de téléphone, je peux avoir le tien ? » ou « tu as de la chance, je suis célibataire ! » Le Français hoche une fois de plus la tête.
Qu'est-ce qui ne va donc pas en Allemagne ? Les Allemands ont-ils trop peur de se « prendre un râteau » ou d'être qualifiés de Frauenheld (« séducteur » ou « tombeur »). Ce qualificatif plutôt flatteur en France, devient synonyme de « coureur de jupons » en Allemagne où les Schürzenjäger (« chasseur de tabliers ») sont souvent mal perçus. Qu'apprenons-nous donc ? La Française fait signe avec son jupon en dentelle tandis que l'Allemande porte un tablier. Les Allemandes seraient-elles peut-être aussi responsables de cette situation malheureuse ? Afin d'illustrer les conséquences dangereuses de la phobie allemande du flirt, les Français aiment se rapporter aux statistiques de naissances très basses en Allemagne. Il se peut que la population allemande, qui compte 1,36 enfants par femme, disparaisse plus vite que la France avec ses 2,01 enfants par femme. Mais comme le taux de personnes vivant seules dans leur domicile est d’environ 20% dans les deux pays, on ne peut pas vraiment argumenter que l'interaction maladroite avec le sexe opposé mènera en Allemagne seulement à la tristesse et à la solitude. D'une manière ou d'une autre, les couples allemands se forment et ce probablement lors d’un rendez-vous autour du foot. La plupart des Français n'ont pas encore découvert ce domaine comme territoire de chasse potentiel paraît-il. Peut-être Jean et Jacques pourraient donc aussi apprendre quelque chose de leurs voisins ?
Links
Liens
Kommentare
commentaire
Als Ergänzung zum Unterricht können wir sofatutor sehr empfehlen. Bei...


