


GARTENPIRATEN IM URBANEN UNTERHOLZ: WIE PARIS UND BERLIN ZU NEUER BLÜTE ERWACHEN
PIRATES BOTANIQUES DANS LES SOUS-BOIS URBAINS : COMMENT PARIS ET BERLIN REFLEURISSENT
Graue Straßenzüge, die nur durch Werbeplakate etwas bunter erscheinen, öffentliche Rasenflächen, auf denen kein Halm mehr wächst, verkümmerte Bäume zwischen Restmülltonnen und Parkplätzen: Diese urbanen Grauzonen könnten bald schon der Vergangenheit angehören, denn überall auf der Welt haben selbsternannte „Gartenpiraten“ der blumenlosen Tristesse den Kampf angesagt. Als Guerilla Gardeners pflanzen sie bei Nacht und Nebel Tulpen, begrünen als Hausbesetzer eine ganze Straße oder organisieren sich in der bürgerlicheren Variante in Gemeinschaftsgärten. Und das ist erst der Anfang...
De longues rues bordées de maisons grises qui ne sont colorées que par quelques affiches publicitaires, des pelouses publiques sur lesquelles plus rien ne pousse, des arbres dépéris entre poubelles et parkings : ces zones d’ombre urbaines pourraient bientôt appartenir au passé car partout dans le monde, des « pirates botaniques » ont déclaré la guerre à la tristesse sans fleurs. En tant que guerilla gardeners, ils plantent des tulipes au plus profond de la nuit, font refleurir toute une rue ou, variation plus bourgeoise du phénomène, s’organisent dans des jardins partagés. Ce n’est que le début...
Wer hat sich noch nicht an einem regnerischen Novembermorgen auf seinem Weg durch die Straßen Berlins darüber gewundert, dass an der sonst so grauen Straßenecke plötzlich ein bunter Pflanzkübel steht? Und wer freut sich nicht, wenn er im Frühling plötzlich Tulpen und Narzissen an Orten sprießen sieht, die die Stadtverwaltung regelmäßig vergisst? Was auf den ersten Blick harmlos aussieht und den Betrachter erfreut, könnte das Werk der „Gartenpiraten“ der Grünen Welle sein, die nun schon seit Längerem die Straßen Berlins unsicher machen. Kahle Rondelle am Fuß einbetonierter Bäume, Brachflächen und ungenutzte Pflanzkübel kommen ihnen gerade recht, um mit Schaufel und Rechen blühende Grünflächen zu schaffen, immer getreu ihrem Motto: „Guerilla Gardening kommt in allen Farben und Formen! Macht Spaß! Und ist ganz einfach!!“
Das Gärtnern auf fremdem Terrain, das nun schon länger den schönen Namen Guerilla Gardening trägt, ist aber nicht nur die Anwendung des eigenen grünen Daumens in der Großstadtwüste, sondern meist auch ein politisches Statement. Warum sollen Brachflächen oder öffentliche Parkplätze nicht durch ein paar Blumensamen neu belebt werden? Während sich schon im 17. Jh. in England erste autonome Begrünungsbewegungen nachweisen lassen, hat das Guerilla Gardening erst 1973 seinen wirklichen Durchbruch erlebt, als die New Yorker Künstlerin Liz Christy mit ihrer Green Guerilla Group begann, sogenannte „seed bombs“ auf Brachflächen zu werfen. Vierzig Jahre später umspannt die Guerilla Gardening-Community die ganze Welt und organisiert sich vor allem über das Blog von Richard Reynolds, einem Gartenpiraten aus London, der ein Buch über das Phänomen geschrieben hat (On Guerilla Gardening. A Handbook for Gardening without Boundaries, Bloomsbury 2008) und nützliche Praxistipps von „Vergesst die Gummistiefel nicht“ bis „Ladet Mädchen ein, die die Polizisten ablenken“ gibt.
Vom Gartenpiraten zum moderaten Stadtbegrüner
Doch man muss nicht immer gleich die Piratenfahne schwingen, wenn man die eigene Innenstadt verschönern will. Im Zuge der Guerilla Gardening-Euphorie haben sich andere, „legalere“ und vor allem langlebigere Formen der Stadtbegrünung entwickelt. Ein besonders gelungenes Projekt ist die Végétalisation participative („Begrünung zum Mitmachen“) der Rue Dénoyez in Belleville, einem ehemaligen Arbeiterviertel im Nordosten von Paris. Pflanzkübel, Mosaiksteinchen in allen Formen und Farben, Blumenerde und ein paar winterharte Pflanzen: Mehr braucht der Mensch nicht, um eine kleine Straße in eine grüne Oase zu verwandeln. Das Projekt wird zwar von der Stadt Paris und der Verwaltung des 20. Arrondissements finanziell unterstützt, aber die Mitglieder der in der Rue Dénoyez ansässigen Künstlerkommune Maison de la Plage verfügen selbstständig über ihr Budget, das sie vor allem für die Herstellung der Keramikkübel eingesetzt haben. In der Straße stehen mittlerweile mehr als ein Dutzend mit bunten Mosaiken geschmückte Kübel, die zum Großteil während langer Samstage im Sommer von Kindern und Nachbarn aus dem Viertel gestaltet wurden. Die Stadtverwaltung ist von dem ungewöhnlichen Projekt begeistert und plant mittlerweile sogar, ähnliche Aktionen in anderen Teilen des Viertels zu finanzieren.
Und auch Berlin soll grüner werden, wenn es nach den Initiatoren des Prinzessinnengartens in Berlin Kreuzberg geht. Diese haben als gemeinnütziges Unternehmen Nomadisch Grün eine 6000qm große Fläche im Herzen Berlins gemietet, die sie nun unter dem Motto „sozial – ökologisch – mobil“ seit mehr als einem Jahr bewirtschaften. Zur urbanen Landwirtschaft gehören dabei nicht nur die Produktion von Biogemüse, „von der blauen Kartoffel bis zu essbaren Blüten“, sondern auch Bildungs- und Kulturangebote in einem sozial schwachen Viertel. So wird beispielsweise regelmäßig eine „Gartensprechstunde“ abgehalten und wer sich auch finanziell einbringen will, kann dank des Projekts Tausendgrün eine Beetpatenschaft übernehmen. Die umtriebigen Gärtner des Prinzessinnengartens bezeichnen ihr Projekt selbst als eine „konkrete Utopie im Kleinen“, die aber auch gerne den Gartenzaun überwinden und andernorts in der Stadt Wurzeln schlagen könne.
Und was wird aus dem guten alten Schrebergarten?
Neben diesen Kunst- und Sozialprojekten gibt es natürlich immer noch die guten alten Gemeinschaftsgärten, die sich besonders in Paris unter dem Namen jardins partagés großer Beliebtheit erfreuen. Die kleinen Parzellen, die von einer Gruppe Gartenfreunde gemeinsam bepflanzt und begossen werden, dürfen auf keinen Fall mit den konventionellen Schrebergärten verwechselt werden, die als Treffpunkt des Spießbürgertums und wenig ökologisch-alternativ gelten. Die Gemeinschaftsgärten folgen schon daher einer anderen Philosophie, dass sie sich in der Stadt selbst, auf Baustellen oder Brachflächen zwischen Häuserzeilen befinden und den interkulturellen Austausch befördern wollen. In Paris gibt es mittlerweile 60 dieser jardins partagés, wie z.B. den Potager des oiseaux („Gemüsevogelgarten“) und den Jardin des jeunes pouces („Jungerdaumensprossen-Garten“). Letzterer will ein ganz neues ökologisches Konzept umsetzen: Bei der Bewirtschaftung des Gartens sollen weder Abfall anfallen noch natürliche Ressourcen verbraucht werden. Das bedeutet, dass Schnittabfälle komplett kompostiert werden und kein Trinkwasser zum Gießen der Pflanzen benutzt wird. Um ihre grüne Philosophie im Viertel bekannt zu machen, laden die Gärtner der Jeunes Pouces außerdem zu Gartenworkshops und Rundgängen durch die geheimen grünen Ecken des Viertels ein. Denn diese vermehren sich nun immer rasanter in der ganzen Stadt, sehr zur Freude ihrer Bewohner, die nach und nach ihren grünen Daumen entdecken. Und ein Ende der grünen Revolution ist nicht absehbar. Könnte das Bild von der tristen und grauen Großstadt also vielleicht schon bald ein bunteres sein?
Qui ne se serait pas étonné, un matin pluvieux à Berlin en ce mois de novembre, de voir le coin de la rue, d’habitude très gris, tout d’un coup orné d’une jardinière de toutes les couleurs ? Qui ne se réjouirait pas de voir au printemps des tulipes et narcisses pousser à des endroits que l’administration municipale oublie régulièrement de fleurir ? Ce qui paraît inoffensif à première vue et fait plaisir au passant, pourrait être l’œuvre des « pirates botaniques » de la Grüne Welle (« vague verte ») qui font depuis un certain temps la tournée des grands-ducs dans les rues de Berlin. Des rondelles désertiques au pied des arbres scellés dans du béton, des terrains vagues et des jardinières inutilisées tombent à pic pour ces pirates qui veulent aménager des espaces verts fleurissants avec pelles et râteaux, fidèles à leur devise : « le guerilla gardening éclate de toutes les couleurs et sous toutes les formes ! C’est amusant et tout facile !! »
Le jardinage sur le terrain d’autrui qui porte depuis un certain temps le beau nom de guerilla gardening, n’est pas seulement la mise en pratique de la main verte dans le désert urbain, mais aussi une déclaration politique. Pourquoi ne pas ressusciter des friches et des parkings publics avec quelques semences ? Tandis que les premiers mouvements de jardiniers autonomes remontent au XVIIe siècle, le guerilla gardening ne perce qu’en 1973 quand l’artiste new-yorkaise Liz Christy avec son Green Guerilla Group commence à lancer des « seed bombs » (« bombes de graines ») sur des terrains vagues. Quarante ans plus tard, la communauté des guerilla gardeners s’étend sur tout le globe et s’organise avant tout sur le blog de Richard Reynolds, pirate botanique londonien qui a écrit un livre sur le phénomène (On Guerilla Gardening. A Handbook for Gardening without Boundaries, Bloomsbury 2008) et qui donne également des conseils comme de « ne pas oublier les bottes en caoutchouc » ou d’« inviter des filles qui distraient les agents de police ».
De la piraterie botanique au jardinage urbain modéré
Cependant, on ne doit pas toujours brandir le drapeau pirate si on veut embellir le centre ville. Dans le sillage de l’euphorie créée par le guerilla gardening, d’autres formes de jardinage plus « légales » et de plus grande longévité se sont développées. Un projet particulièrement réussi est la végétalisation participative de la rue Dénoyez à Belleville, ancien quartier ouvrier dans le nord-est de Paris. Quelques pots, des pièces de mosaïque de toutes les couleurs, du terreau et une dizaine de plantes résistantes à l’hiver : c’est tout ce qu’il faut pour transformer une petite rue en oasis verdoyante. Même si ce projet est financé par la Mairie de Paris et du 20e arrondissement, les membres du squat artistique Maison de la Plage qui résident dans la rue Dénoyez, disposent librement de leur budget qu’ils ont utilisé avant tout pour la fabrication des pots en céramique. Maintenant la rue est ornée de plus d’une douzaine de ces jardinières, décorées de mosaïques colorées et qui ont presque toutes été créées par les enfants et les voisins du quartier pendant de longs samedis d’été. La Mairie suit ce projet exceptionnel avec enthousiasme et prévoit même de financer des activités semblables dans d’autres endroits du quartier.
Berlin devrait également refleurir. Il suffit de regarder ce que les initiateurs du Prinzessinnengarten (« jardin de princesse ») à Berlin Kreuzberg ont mis en place. Ces derniers ont loué grâce à leur entreprise à but non lucratif une surface de 6000m2 au cœur de Berlin qu’ils exploitent depuis plus d’un an selon la devise « social – écologique – mobile ». Selon eux, l’agriculture urbaine n’implique pas seulement la production de légumes bio, « de la pomme de terre bleue aux fleurs comestibles », mais aussi des projets pédagogiques et culturels dans un quartier défavorisé. Ainsi, une « permanence botanique » a régulièrement lieu et des parrainages de parterres sont proposés à ceux qui voudraient s’investir sur un plan financier. Les jardiniers entreprenants du Prinzessinnengarten appellent leur projet une « utopie concrète à petit niveau » qui pourrait et devrait bien sûr franchir la clôture de jardin et prendre racine dans d’autres parties de la ville.
Que devient le bon vieux jardin ouvrier ?
À part ces projets artistiques et sociaux, les jardins partagés sont particulièrement appréciés à Paris. Ces petites parcelles sont plantées et arrosées en commun par un groupe d’amateurs de jardinage et ne doivent en aucun cas êtres confondues avec les jardins ouvriers qui ont la réputation d’être le rendez-vous de la petite bourgeoisie avec peu d’inclinaison écologique ou alternative. Les jardins partagés suivent une autre philosophie car ils se trouvent au sein de la ville même, sur des chantiers ou friches entre des rangées de maisons, et veulent encourager l’échange interculturel. À Paris, il y a maintenant 60 jardins partagés, comme par exemple le Potager des oiseaux ou le Jardin des jeunes pouces. Ce dernier veut mettre en pratique un concept écologique novateur : l’exploitation du jardin ne devrait générer aucun déchet ni consommer de ressources naturelles. Cela veut dire que les déchets biodégradables sont tous réduits en compost et que des eaux de pluie sont utilisées pour l’arrosage. Pour faire connaître leur philosophie verte dans le quartier, les jardiniers des Jeunes pouces invitent à leurs ateliers de jardinage et à des promenades à travers les coins verts secrets de Paris. Car ceux-ci se propagent rapidement dans la ville pour la plus grande joie de tous ses habitants qui commencent à découvrir leur main verte. La fin de cette révolution verte n’est pas en vue. L’image de la métropole triste et grise pourrait-elle donc bientôt être plus colorée ?
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