


ZWISCHEN STREETART UND WOLKENKRATZERN: EIN STADTRUNDGANG DER ANDEREN ART
ENTRE STREET ART ET GRATTE-CIEL: VISITE D'UN AUTRE PARIS
Paris, die schönste aller Städte! Wenn sie doch nur nicht so schrecklich überlaufen wäre… Das mögen sich die meisten Parisliebhaber denken, die die Sommermonate dazu nutzen, der Stadt der Lichter einen Besuch abzustatten.
Paris, la plus belle de toutes les villes ! Mais tellement encombrée de touristes… voilà ce que pourraient penser tous les amateurs de Paris qui auraient profité des mois estivaux pour visiter la ville lumière.
Durchläuft man dann mit den Touristenströmen die immer gleichen Achsen von Notre Dame zum Louvre und von Montmartre zum Jardin de Luxembourg, mag man sich fragen, ob Paris noch mehr als pittoreske Stadtpanoramen und verstaubte Gemäldegalerien zu bieten hat? Vielleicht provokante Streetart und postmoderne Architektur? Auch das soll es in Paris geben? Was der Stadtführer verschweigt, kann neuerdings dank den Freiwilligen von Parisien d’un jour, Parisien toujours besichtigt werden.
Selbst für den Monat April ist es verhältnismäßig kühl, der Himmel über Paris ist so grau wie seine Dächer und nach wenigen Minuten beginnt es zu regnen. Trotzdem geben wir nicht auf und warten an der Métrostation Gobelins, an der Grenze zwischen dem 5. und 13. Arrondissement auf unseren Stadtführer. Die Aussicht auf eine alternative Stadtführung durch die Architektur der 70er Jahre inklusive einer Einführung in die Streetart-Szene von Paris ist dann doch zu verlockend. Mit von der Partie ist Simone, eine Schweizer Erasmus-Studentin, die Kunstgeschichte studiert und einmal etwas anderes als Kirchen und Museen besichtigen will. Endlich lernen wir unseren Stadtführer kennen. Andrea, ist ein italienischer Journalist, wohnt aber schon seit drei Jahren in Paris und kennt die Stadt besser als mancher Einheimische: „Als ich Ende 2007 nach Paris kommen wollte, redete man schon von den Parisiens d’un jour. Ich wollte eigentlich immer an einer ihrer Streifzüge teilnehmen, im Endeffekt entdeckte ich Paris dann aber doch ‚autodidaktisch’, zumindest teilweise.“ Anfang 2010 ist er dann selbst Mitglied des Vereins geworden und hat seitdem schon mehr als zehn Stadtrundgänge organisiert. Seine Liebe zur Fotografie und zur modernen Architektur begründen seine Leidenschaft für das 13. Arrondissement: „Normalerweise findet man in Reiseführern nur eine knappe Seite zu diesem Teil von Paris, dabei vereinigt er doch alle Epochen, Seelen und Widersprüche der Stadt in sich!“ Während Andrea uns also seine ganz persönliche Liebesgeschichte mit Paris erzählt, machen wir uns auf den Weg entlang der Bièvre, einem Fluß, der bis ins 20. Jh. durch das Viertel floss und deren Verlauf sich heute nur noch anhand von Bronzetafeln auf dem Bürgersteig erahnen lässt.
Kreativ und kostenlos: „Echte“ Pariser präsentieren ihre Stadt
Auch wenn die Stadtrundgänge der Parisien d’un jour, Parisien toujours mittlerweile in aller Munde sind, ist die Geburtstunde dieser Idee noch nicht allzu lange her. Erst 2007 wurde der Verein gegründet, inspiriert durch das amerikanische Vorbild der Big Apple Greeters. Die Idee ist einfach: kostenlose Stadtrundgänge, organisiert von Einheimischen für Touristen, ohne Sprachbarrieren oder Altersgrenzen und jenseits von Museen und Touristenmagneten. Das Modell offenbarte sich als ein voller Erfolg und setzte sich seitdem auch in anderen Ländern, wie Australien, Argentinien, den Niederlanden und Kanada durch. Die Stadtführungen der Parisiens d’un jour wurden schnell zum Geheimtipp und der Verein hat seit August 2007 mehr als 1.800 Besichtigungen organisiert und über 5.000 Besucher betreut. Die Teilnahme an einer Führung ist relativ einfach: Spätestens zwei Wochen vorher sollte man sich auf der Internetseite der Organisation anmelden, besondere Wünsche wie z.B. behindertengerechte Wege oder Sprachvorlieben angeben, und kurze Zeit später wird man von den Organisatoren über die nächste Führung informiert. Und dann kann es auch schon mit der einzigartigen Führung losgehen, getreu ihrem Motto: „Découvrez Paris avec un Parisien!“ Auf diese Weise kann man nicht nur einiges über die Geschichte der Stadt lernen und versteckte Hinterhöfe entdecken, sondern auch Restauranttipps erhalten und sich im französischen savoir vivre üben.
Wolkenkratzer und Graffitikunst, Sozialwohnungen und Architektur-Avantgarde
Unser kleiner Besichtigungstrupp hat mittlerweile das Hauptquartier der Tageszeitung Le Monde, das ebenfalls am ehemaligen Flusslauf der Bièvre liegt und deren Glasfassade ein Comic von Plantu ziert, verlassen und ist am Tour Albert, dem ersten Wolkenkratzer von Paris vorbei zum Mobilier National, dem wichtigsten Möbeldepot des französischen Staates gezogen. In dieser Gegend finden sich auch die berühmten Schablonen einer der größten französischen Streetart-Künstlerin - Miss.Tic, die schon seit Mitte der 80er Jahre die Straßen des 13. Arrondissements mit ihrer Schablonenkunst verschönert. Die als Kind eines tunesischen Einwanderers und einer französischen Mutter in Paris geborene Miss.Tic ist mittlerweile so berühmt, dass ihr sogar namhafte Galerien die Ausstellungen widmen. Wenn wir immer weiter dem ehemaligen Flusslauf der Bièvre entlang laufen, stoßen wir auf weitere Streetart-Kunstwerke, Anzeichen einer mittlerweile schon fast historischen Underground-Kultur, und entdecken das ein oder andere Kunstleratelier in den Hinterhöfen der vielen Seitenstraßen.
Fast unbemerkt gelangen wir schließlich zur Place d’Italie, bestaunen den wahrscheinlich unordentlichsten Fotoladen von ganz Paris an der Avenue des Gobelins und wandern durch die architektonischen Wunderwelten der opération Italie 13, einem Städtebauprojekt der 70er Jahre, in Zuge dessen große Teile des 13. Arrondissements umgebaut und so sperrige Hochhaussiedlungen, wie die Olympiades kreiert wurden. Diese letzten sollten, nach der Absicht der Städtebauer in den 70ern, eigentlich den jungen gutverdienenden Angestellten als Wohnort dienen, doch entpuppten sie sich schnell als ungeeignet und werden seitdem vor allem von Einwanderern aus Vietnam, Kambodscha und China bewohnt. Das ist einer der Gründe, warum das 13. Arrondissement als Pariser Chinatown gilt. Wir beenden unseren Rundgang daher in einem der – laut Andrea –besten chinesischen Restaurants von ganz Paris, dem Tricotin an der Avenue de Choisy. So diskutieren wir zwischen Pekingsuppe und Bratnudeln über die vielen architektonischen Gesichter von Paris, über die Einflüsse der Einwandererwellen auf das Stadtbild und über die Vorzüge der chinesischen Küche. Die Gemüsebratnudeln im Tricotin schmecken nicht nur gut, sondern sind auch preiswert und der Blick auf die in den Bäumen baumelnden chinesischen Papierlaternen ist mindestens ebenso schön wie der auf die Ufer der Seine. Wer möchte da noch in irgendeiner Brasserie bei Notre Dame, zwischen den Touristenmassen eingepfercht, seinen überteuerten Croque Monsieur hinunter schlingen?
Le Tricotin, 15 avenue de Choisy, 75013 Paris
Mais lorsqu’on parcourt, poussé de tous côtés par la foule des touristes, les éternels axes de Notre-Dame au Louvre et de Montmartre au Luxembourg, on se demande si Paris n’a pas autre chose à offrir que des panoramas pittoresques et des galeries de peinture poussiéreuses. Du street art provocant et de l’architecture moderne ? Y aurait-il vraiment cela à Paris ? Ce qui est passé sous silence par les guides touristiques se visite maintenant, grâce aux bénévoles de Parisien d’un jour, Parisien toujours.
Pour un mois d’avril il fait plutôt froid. Le ciel sur Paris est aussi gris que ses toits et il commence à pleuvoir au bout de quelques minutes. Pourtant nous persévérons et attendons avec impatience notre guide à la station de métro Gobelins à la limite des 5e et 13e arrondissements. La perspective d’une visite guidée alternative à travers l’architecture des années 70, introduction au street art parisien comprise, est trop tentante. Simone, jeune étudiante en échange Erasmus venue de Suisse, inscrite en histoire de l’art, est de la partie parce qu’elle voudrait pour une fois voir autre chose que des églises et des musées. Finalement nous faisons la connaissance de notre guide. Andrea, journaliste italien, vit à Paris depuis trois ans et connaît la ville mieux que certains autochtones : « Fin 2007, alors que je venais d'arriver à Paris, on commençait à parler de Parisien d’un jour. Je me suis toujours répété que j’aurais bien aimé participer à l’une de leurs balades, mais j’ai fini par découvrir la ville « en autodidacte », ou presque. » Début 2010, Andrea a décidé de devenir membre de l’association et depuis, il a déjà encadré plus de dix balades. Ses passions pour la photographie et l’architecture moderne sont à l’origine de sa prédilection pour le 13e arrondissement : « d’habitude, les guides touristiques réservent une petite page à ce coin de Paris, alors qu’il condense toutes les époques, les âmes et les contradictions de la ville. » Pendant qu’Andrea nous raconte son histoire d’amour avec Paris, nous partons à la recherche des traces de la Bièvre, rivière qui traversait le quartier jusqu’au début du 20e siècle et dont le cours n’est visible aujourd’hui que par de petits médaillons sur le trottoir.
Créatif et gratuit : de « vrais » Parisiens présentent leur ville
Même si les balades de Parisien d’un jour, Parisien toujours sont désormais sur toutes les lèvres, ce concept est récent. Ce n’est qu’en 2007 que l’association est créée, suivant l’exemple américain des Big Apple Greeters. L’idée est plutôt simple : des visites guidées gratuites organisées par des habitants, sans barrières linguistiques ni limites d’âge et au-delà des musées et des pôles touristiques. Ce modèle s’est avéré un succès et a depuis été adopté dans d’autres pays comme l’Australie, l’Argentine, les Pays-Bas et le Canada. Les balades de Parisien d’un jour sont rapidement devenues des « tuyaux » et depuis août 2007 l’association a accueilli plus de 5.000 visiteurs au cours de quelques 1.800 visites. Pour participer à une visite, on s’inscrit sur le site internet de l’association au moins deux semaines à l’avance, en précisant certaines informations, par exemple si on souhaite suivre un itinéraire adapté aux handicapés ou quelle langue on préfère, et peu de temps après les organisateurs fournissent toutes les informations sur la prochaine visite. C’est parti pour une balade extraordinaire, toujours fidèle à la devise : « découvrez Paris avec un Parisien ! » Ainsi on n’apprend pas seulement beaucoup sur l’histoire de la ville en découvrant les cours intérieures cachées, mais on peut également recueillir de bonnes adresses de restaurants et s’exercer au savoir-vivre français.
Gratte-ciel et graffitis, HLM et architecture avant-gardiste
Entre-temps nous avons quitté le siège du Monde, qui est situé au bord de l’ancien cours de la Bièvre et dont la façade est ornée d’une BD de Plantu, et nous sommes arrivés, en passant par la tour Albert qui est le premier gratte-ciel à Paris, devant le Mobilier National, le plus important dépôt de meubles de l’Etat français. Dans les alentours on trouve les pochoirs célèbres d’une des plus grandes artistes du street art français, Miss.Tic qui embellit les rues du 13e arrondissement depuis les années 80. Fille d’un immigré tunisien et d’une Française, elle est devenue si célèbre que même des galeries reconnues lui consacrent des expositions. Toujours suivant l’ancien tracé de la Bièvre nous découvrons d’autres œuvres de street art, vestiges d’une culture underground historique, et dénichons quelques ateliers d’artistes dans les arrière-cours des rues latérales.
Presque sans nous en apercevoir, nous arrivons à la Place d’Italie ; nous nous y émerveillons du magasin d’appareils photo le plus désordonné de Paris sur l’avenue des Gobelins et cheminons à travers le pays de merveilles architecturales de l’opération Italie 13, projet d’urbanisme des années 70 dans le cadre duquel une grande partie du 13e arrondissement a été reconstruite pour laisser la place à d’encombrantes cités de gratte-ciel, telles que les Olympiades. Ces dernières auraient dû être habitées, d’après l’idée des urbanistes, par de jeunes cadres aisés, mais se sont rapidement avérées inadaptées et ont été depuis investies par des immigrés venus du Vietnam, du Cambodge et de Chine. C’est une des raisons pour lesquelles le 13e arrondissement est considéré le Chinatown de Paris. Nous terminons d’ailleurs notre visite sur l’avenue de Choisy chez Tricotin, l’un des meilleurs restaurants chinois de Paris, d’après Andrea. Ainsi nous discutons, entre soupe pékinoise et nouilles frites, des différentes physionomies architecturales de Paris, de l’influence des vagues d’immigrés sur le paysage urbain et des avantages de la cuisine chinoise. Les nouilles aux légumes du Tricotin ne sont pas seulement très bonnes, mais aussi bon marché et la vue sur les lanternes en papier, accrochées aux arbres, est aussi belle qu’une vue sur les bords de Seine. Et qui voudrait encore gober son croque-monsieur à un prix exagéré, au milieu de la foule des touristes dans une brasserie quelconque à côté de Notre-Dame ?
Le Tricotin, 15 avenue de Choisy, 75013 Paris
Liens
Kommentare
commentaire
Als Ergänzung zum Unterricht können wir sofatutor sehr empfehlen. Bei...


