Wörterbuch des Abiturs

Abistreich: Beim Abistreich geht es rund. An diesem Tag entscheiden die Schüler, was die Lehrer zu tun haben - und das ganz offiziell. Die Schulleitung genehmigt den Ausnahmezustand: In verschiedenen Missionen gilt es für die Lehrer, die Schule zurück zu erobern. Diese wird –zumeist unter einem bestimmten Thema – von den Schülern ergriffen und oftmals verbarrikadiert. Wie schwer und ausgefallen die Bewährungsproben der Lehrer ausfallen, hängt nicht selten von persönlichen Sympathien ab. Für die Abiturienten also die letzte Chance, ein kleines bisschen Rache zu üben und auf jeden Fall ein Riesenspaß!
Abiball: Wesentlich formeller geht es auf dem Abiball zu. In Eigenregie organisieren die Abiturienten diesen festlichen Abend, an dem Schüler, Eltern und Lehrer gemeinsam die bestandene Reifeprüfung feiern. Stolze Gesichter, schicke Kleider und die einmalige Gelegenheit, dem ehemaligen Mathelehrer in aller Unschuld beim Tanzen zufällig auf die Füße zu treten...
Abizeitung: …Zeitdruck und nervenaufreibende Redaktionssitzungen, Schnipselarbeit - das ist die Abizeitung. Jeder Schüler eines Jahrgangs soll hier verewigt werden. Anekdoten, Schnappschüsse und Babyphotos garantieren beste Unterhaltung. Besonders heiß erwartet wird die Umfrage über den Lehrkörper. Verschiedene Rankings geben Aufschluss über den witzigsten oder schusseligsten Lehrer und verraten, wer das meiste Sexappeal hat. Das absolute Highlight einer jeden Abizeitung sind ganz klar die Lehrersprüche – akribisch gesammelt und schadenfroh vervielfältigt. Ein Haufen Arbeit und eine gute Entschuldigung für ein vergeigtes Abitur.
Blauer Brief: Nein, ein blauer Brief ist kein mangels rosa Papiers auf blaues geschriebener Liebesbrief, sondern eine bei Schülern wie Eltern gleichermaßen unbeliebte Form der Kontaktaufnahme seitens der Schule. Blaue Briefe kommen vorzugsweise in der Zeit der Zwischenzeugnisse im Februar ins Haus geflattert und teilen noch mal offiziell mit, was in der Regel sowieso schon jeder weiß, nämlich dass der betreffende Schüler eventuell die Klasse wiederholen muss. Bundesjugendspiele: Eine meist am Ende des Schuljahres stattfindende Sportveranstaltung, die meist nur die Schüler der unteren und mittleren Jahrgangsstufen betrifft. Im Sommer umfassen sie v.a. Leichtathletik – das ist die Regel –, im Winter strampeln die Schüler sich überwiegend an Turngeräten ab, was aber aus Platzgründen sehr viel seltener und fast nur in Grundschulen vorkommt. Wie ausgesucht ist das Wetter eigentlich immer viel zu heiß, um irgendwelche vernünftigen sportlichen Leistungen erbringen zu können, oder es gießt in Strömen. Als Belohnung gibt es Ehrenurkunden für die Supersportler, gefolgt von der breiten Masse mit den Siegerurkunden und – ganz am Ende und mit zunehmender Jahrgansstufe immer zahlreicher – den Teilnehmerurkunden. Trotzdem ist das eigentlich eine lustige Sache, man hat keinen Unterricht und abgesehen von ein paar Minuten Sport, die sich gemütlich über den Vormittag hinziehen, hat man viel Zeit, mit Freunden zusammenzusitzen und zu „ratschen“.  
Hitzefrei: Sonne tut gut! Der beste Beweis ist das Hitzefrei. Ab etwa 28°C im Schatten erbarmen sich die Schuldirektoren der Stadt gemeinsam, die Schüler in den Sommer zu entlassen. Leider ist der vorzeitige Schulschluss selten, denn das entscheidende Thermometer hängt natürlich immer im hintersten Winkel –gut geschützt vor kitzelnden Sonnenstrahlen, während die Schüler in den Klassenzimmern schon schwitzen. Pausenbrot: Das gute alte Pausenbrot sollte hier aufgenommen werden, weil die deutsche Ausgabe sich von der französischen wohl etwas unterscheidet: Die Verpflegung, die deutsche Eltern ihren Kindern mitgeben, ist meist ausgewogen und gesund, belegte Brote und Obst und i.A. auch ökologisch verpackt. Die Schulen schicken in dieser Angelegenheit regelmäßige Rundbriefe an die Eltern, um sie an die Bedeutung gesunder Ernährung zu erinnern. Oft werden allerdings die liebevoll zubereiteten eigenen Schnittchen mit denen des Banknachbarn getauscht, weil die schon aus Prinzip interessanter sind. Schulgottesdienst: Schulgottesdienste finden i.d.R. zu Schuljahresbeginn und -ende sowie vor Weihnachten und Ostern statt. Manchmal gibt es je einen Gottesdienst für die katholischen und die evangelischen Schüler, manchmal auch einen ökumenischen für alle. Die Teilnahme ist für die unteren Jahrgangsstufen verpflichtend, den Schülern der oberen Jahrgangsstufen wird freigestellt, ob sie hingehen oder nicht. Für Schüler, die weder katholisch noch evangelisch sind und deswegen Ethikunterricht haben, gibt es eine Sonderveranstaltung. Wandertag: Volle Züge und Busse sind der beste Indikator für Wandertage: Die ganze Klasse macht sich auf den Weg ins Freie. Bei Sport, Spiel und Spaß soll das Gruppengefühl gestärkt und die Beziehung zum Lehrer verbessert werden. Eigentlich eine tolle Sache, die aber allzu oft in einem „lehrreichen Museumsbesuch“ mündet. Zuckertüte/ Schultüte: Alptraum aller Zahnärzte und allgemein verbreitetes Bestechungsmittel? Mit der Schul- bzw. Zuckertüte soll dem ahnungslosen Erstklässler am Tage seiner Einschulung der Eintritt in den „Ernst des Lebens“ versüßt werden. Ein netter, aber eigentlich ein recht plumper Versuch, die kindliche Intelligenz zu überlisten.



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