


AUF DIE PLÄTZE, FERTIG, ABI!
À VOS MARQUES! PRÊTS? ABI!
07/11/11
Dröhnende Musik, Wasserpistolen und knallende Sektkorken – kann es so etwas in einem deutschen Gymnasium denn geben? Was wie ein verrückter Schülertraum von fröhlicher Anarchie im Klassenraum klingt, ist nicht ganz so unmöglich, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Denn auch wenn in deutschen Schulen fast das ganze Jahr über Ruhe und Ordnung herrschen, gibt es doch einen Tag im Jahr, an dem alle die Sau rauslassen dürfen. Und gäbe es hierfür einen besseren Vorwand als das Abitur? Doch diese alljährlich zelebrierte Party ist ein recht deutsches Phänomen, über das viele Franzosen nur verwundert die Köpfe schütteln können...
Dreizehn Schuljahre sind lang genug, da sollte es doch wenigstens am letzten Tag einmal erlaubt sein, seinem Ärger über das tägliche Frühaufstehen, nervige Lehrer, schlechte Noten und langweilige Geschichtsstunden Luft zu machen. Das mögen sich die Abiturienten gedacht haben, die zum ersten Mal einen Abistreich initiiert haben. Wo und wann genau das war, lässt sich mittlerweile nicht mehr rekonstruieren, aber die Streichkultur an deutschen Schulen war zumindest in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts recht berühmt, was sich an Filmen wie z.B. Die Feuerzangenbowle (1944) ablesen lässt. Dass die verrückte Idee einiger Abiturienten landesweit Erfolg hatte, ist keine Frage, schließlich ist der Abistreich, der je nach Region auch als Abischerz, Abigag oder Abisturm bezeichnet wird, mittlerweile eine Institution wie sonst nur die Zeugnisvergabe und die Klassenfahrt. Aber wie stellt man diese Party auf die Beine? Das mögen sich die französischen Kollegen der deutschen Abiturienten wohl fragen, die eine solche Tradition nicht kennen. Das Grundrezept eines gelungenen Abistreichs ist recht simpel: Man nehme gutes Wetter, einen Ghettoblaster, säckeweise Wasserbomben, ein paar Fußbälle, Grillwürstchen und ausreichend Getränke – das alles im Schulgebäude oder auf dem Pausenhof an alle Schüler verteilen, die Lehrer aus- oder einsperren und schon kann die Party beginnen. Dass man dabei Gefahr läuft, sehr nass zu werden und noch Tage später auf einem Ohr taub zu sein, ist natürlich klar. Aber das sind die Maßstäbe, an denen ein gelungener Abistreich gemessen wird.
Wasserball mit Musikbeschallung - und am Ende lacht der Schüler
Mit dem guten Wetter steht und fällt der Abistreich – bei wolkenverhangenem Himmel und Regenschauern kann er auch schnell einmal ins Wasser fallen. Dann müssen das obligatorische Fußballturnier und die Wasserspiele ins Schulhaus verlegt werden, was in beiden Fällen offensichtliche Probleme bereitet. Aber zum Glück gibt es ja auch noch die allbekannten Team- und Ratespiele. Am beliebtesten ist noch immer das Quiz, in dem nach ihrem Spaßfaktor ausgewählte Mitglieder des Lehrkörpers sich den meist schwierigen fachlichen bzw. oft anzüglichen persönlichen Fragen der Abiturienten stellen müssen: Was sind die 16 ersten Stellen hinter dem Komma der Eulerschen Zahl? Was geschah noch einmal 1302 im Bayerischen Wald? Seit wann haben Sie eine Affäre mit der Kunstlehrerin? Was während des Schuljahres strikt verboten ist und mit Einträgen ins Klassenbuch geahndet wird, ist beim Abistreich erlaubt. Am meisten Applaus ernten dabei die Lehrer, die das Kreuzverhör mit Witz nehmen und sich ebenso freche Gegenfragen ausdenken. Auch allerlei Geschicklichkeits- und Ratespiele sind bei den Abiturienten beliebt, die an diesem Tag keinen Lehrer ungeschoren davon kommen lassen.
Damit die Abiturienten als Initiatoren des Abistreichs auch schon von weitem zu erkennen sind, tragen sie meist von den künstlerisch begabteren unter ihnen entworfenen Abishirts, auf dem das von der ganzen Abschlussklasse gewählte Abimotto prangt. Beim Zusammendichten dieses Sprüchleins gehen den Abiturienten oft die Pferde durch, was so seltsame Kreationen wie „Abiene – Abi verleiht Flügel!“, „Abigeddon“ oder „Veni, vidi, abi“ erklärt. Das Motto wird meist auch gleich von der Redaktion der Abizeitung als Slogan recycelt, in der Porträts der einzelnen Abiturienten, Umfragen, Karikaturen und die lustigsten Sprüche der Lehrer gesammelt werden. In dem zwischen 50 und 100 Seiten umfassenden Heft können sich alle mehr oder minder Wortgewandten austoben und es wird meist schon vor der Studiumswahl klar, wer journalistische oder gar literarische Ambitionen hegt.
Und es geht auch gesitteter – eine Abifeier darf nicht fehlen!
Und natürlich existiert auch ein gesitteteres Pendant zum Abistreich: Zur Abifeier oder – wenn es ganz schick sein soll – zum Abiball werden die Eltern eingeladen, es wird hochherrschaftlich gespeist und die Schulleitung verleiht nach nie enden wollenden Reden des Rektorats, der Eltern- und der Schülersprecher die Urkunden. Zu diesem Anlass holen die meisten Abiturienten ihre Sonntagskleider aus der Mottenkiste und schwingen das Tanzbein mit dem Vater der besten Freundin oder dem Mathelehrer. Das mag zwar für einige Stunden recht unterhaltend sein, doch die richtig gute Stimmung stellt sich erst ein, wenn sich Eltern und Lehrer kurz nach Mitternacht verabschiedet haben und wieder anarchische Abistreich-Zustände eintreten. Die Abifeier markiert das unwiederbringliche Ende der Schullaufbahn, das die meisten Abiturienten mit einem lachenden und einem weinenden Auge zelebrieren.
Auch an französischen Schulen werden der Abschluss des Schuljahrs und das Bestehen des bac (umgangssprachliche Kurzform von „baccalauréat“) mit einer eleganten Feier begangen, schließlich will man die fleißigen Schüler ja auch ehren. Und natürlich organisieren die meisten Abschlussklassen auch eine private Feier, meist vor der Ergebnisbekanntgabe, damit noch alle fröhlich zusammen anstoßen können. Doch zu den anarchischen Zuständen eines Abistreichs kommt es an französischen Schulen wohl nur ganz selten, was in Anbetracht der großen Streik- und Streitkultur in Frankreich doch verwunderlich erscheint. Feiern die jungen Franzosen wohl lieber bei der alljährlichen grève générale („Generalstreik“) gegen die Regierung, die ebenfalls von lauter Musik und Grillwürstchen begleitet wird, als dass sie ihre Schule in den Ausnahmezustand versetzten? Die Gründe hierfür mag man im strengeren Schulsystem Frankreichs oder der Beschäftigung französischer Schüler mit außerschulischen Protesten suchen. So ganz verstehen wird ein deutscher Abiturient aber wohl nie, warum die Franzosen sich eine solche Partymöglichkeit durch die Lappen gehen lassen. Vielleicht sollte beim nächsten deutsch-französischen Schüleraustausch schon einmal über das letzte Schuljahr geplaudert werden – die französischen Schüler würden es den deutschen Abistreichlern sicherlich danken!
07/11/11
De la musique assourdissante, des pistolets à eau et des bouchons de champagne qui sautent : c’est possible dans un lycée allemand ? Ce qui semble être le rêve fou d’anarchie scolaire des élèves n’est pas aussi impossible que ce qu’il y paraît à première vue. Car même si le calme et l’ordre règnent dans les écoles allemandes pendant presque toute l’année, il y a une journée par an où tous les élèves peuvent prendre d’assaut leur lycée. Pourrait-il y avoir un meilleur prétexte pour cela que l’Abitur ? Mais cette fête qui se célèbre tous les ans est un phénomène très allemand qui ne provoque souvent que des hochements de tête de la part des Français...
Après treize longues années de scolarité, il devrait être permis au moins une fois de donner libre cours à sa colère concernant les horaires trop matinaux, des professeurs énervants, des mauvaises notes et des cours d’histoires ennuyeux. Ainsi ont dû raisonner les Abiturienten (« bacheliers ») qui ont pour la première fois organisé un Abistreich (« plaisanterie d’Abitur »). On ne sait plus où et quand cette fête a eu exactement lieu pour la première fois, mais la culture des plaisanteries dans les écoles allemandes était très célèbre au moins au début du 20e siècle ce qui peut être clairement démontré grâce à des films comme Die Feuerzangenbowle (1944). Ce n’est pas étonnant que cette folle idée de quelques Abiturienten ait eu un succès national et que l’Abistreich, qui s’appelle aussi Abischerz (« blague d’Abitur »), Abigag (« gag d’Abitur ») ou Abisturm (« tempête d’Abitur ») selon les régions, soit désormais une tradition au même titre que la remise des diplômes de fin d’année et le voyage de classe. Mais comment organiser cette fête ? C’est ce que les élèves français qui ne connaissent pas une telle tradition pourraient se demander. La recette de base pour un Abistreich réussi est très simple : prenez une journée ensoleillée, un lecteur de musique, des tas de bombes à eau, quelques ballons de foot, des saucisses et un nombre suffisant de boissons que vous distribuerez dans le lycée ou dans la cour à tous les élèves. Puis, vous enfermez dedans ou dehors les professeurs et c’est parti pour une belle fête ! Il est évident que vous prenez le risque d’être trempés à la fin de la journée et même sourds d’une oreille pendant plusieurs jours, mais cela fait partie des critères qui déterminent la réussite d’un bon Abistreich.
Water-polo et bonne musique – c’est au tour des élèves de rigoler !
C’est le soleil qui décide du succès d’un Abistreich – sous un ciel nuageux ou pluvieux, il peut très vite tomber à l’eau. Le match de foot obligatoire et les jeux d’eaux devraient alors se dérouler à l’intérieur de l’école ce qui créerait des problèmes évidents dans les deux cas. Mais heureusement il y a encore les jeux d’équipe et de devinettes bien connus ! Lors du quiz, très apprécié de la plupart des élèves, on choisit les professeurs participants selon leur capacité à amuser et on les force à répondre à des questions difficiles sur leur matière ou désobligeantes sur leur vie privée : quels sont les 16 derniers chiffres après la virgule du chiffre d’Euler ? Que s’est-il passé en 1302 dans la Forêt bavaroise ? Depuis quand avez-vous une liaison avec le professeur d’art ? Ce qui est strictement interdit et sévèrement puni pendant l’année scolaire, est donc permis lors de l’Abistreich. Les profs qui se prêtent le mieux au jeu et inventent des questions aussi osées que les élèves se font toujours le plus applaudir. Des jeux d’adresse et de devinettes sont également appréciés par les élèves et ne laissent aucun professeur s’en tirer sans dommage pendant cette folle journée.
Pour que les Abiturienten en tant qu’organisateurs de l’Abistreich soient faciles à repérer, ils portent souvent des Abishirt (« T-shirt d’Abitur ») qui ont été élaborés par les plus créatifs d’entre eux et sur lesquels resplendit l’Abimotto (« slogan d’Abitur »), choisi par toute la Terminale. En inventant ce petit slogan, les Abiturienten perdent souvent toute raison ce qui explique des créations bizarres comme « Abiene – Abi verleiht Flügel ! » (« Abeille – l’Abitur nous donne des ailes ! »), « Abigeddon » ou « Veni, vidi, abi ». Ce slogan est très souvent « recyclé » par la rédaction de l’Abizeitung (« journal d’Abitur ») dans lequel des portraits des Abiturienten, des sondages, des caricatures et les phrases les plus drôles des professeurs sont réunies. Dans ce journal de 50 à 100 pages, tous ceux qui sont plus ou moins expressifs peuvent se défouler et, ceux qui nourrissent des ambitions journalistiques ou littéraires se démarquent déjà.
Après le choc, le chic – c’est l’Abifeier
Bien sûr, il existe aussi un pendant plus correct de l’Abistreich : c’est l’Abifeier (« fête d’Abitur ») ou – plus chic – l’Abiball (« bal d’Abitur ») auxquels sont aussi invités les parents. C’est l’occasion de manger comme des rois et de recevoir les diplômes après des discours sans fin de la part du directorat et des représentants des parents et des élèves. À cette occasion, beaucoup d’Abiturienten ressortent leurs plus jolis vêtements de leurs fonds de placards et dansent avec le père de leur meilleure copine ou leur professeur de mathématiques. Cela peut être bien amusant pendant quelques heures, mais la vraie bonne ambiance n’éclate que lorsque les parents et les professeurs rentrent à la maison après minuit et que les états anarchiques de l’Abistreich se déclarent à nouveau. L’Abifeier marque la fin irrévocable de l’année scolaire ce que la plupart des Abiturienten vivent entre rire et larmes.
Dans les écoles françaises, la fin de l’année scolaire et la réussite au bac sont également célébrées lors d’une fête élégante pour honorer les élèves studieux. Bien sûr, la plupart des élèves de Terminale organisent une petite soirée privée, souvent avant la publication des résultats, pour que tous puissent encore trinquer ensemble à la bonne réussite. Mais il est très rare de voir les états anarchiques de l’Abistreich dans une école française ce qui semble un peu étonnant étant donné la grande culture de grève et de manifestations en France. Les jeunes Français préfèreraient-ils faire la fête lors de la grève générale annuelle contre le gouvernement, également marquée par de la musique forte et des saucisses, au lieu de proclamer l’état d’urgence dans leur école ? On pourrait chercher les raisons de cette situation dans le système scolaire français plus strict ou dans la préoccupation des élèves français de protestations extrascolaires. Mais un Abiturient allemand ne pourra jamais vraiment comprendre pourquoi les Français laissent passer une telle occasion de faire la fête. Peut-être devrait-on profiter du prochain échange scolaire franco-allemand pour en discuter – les élèves français seraient certainement très reconnaissants envers leurs collègues allemands !
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