Ein schwieriger Geburtstag für den Bologna-Prozess

Vor zehn Jahren wurde die Bologna-Erklärung unterzeichnet, mit der der sogenannte Bologna-Prozess eingeleitet wurde, den die europäischen Studierenden nur zu gut kennen. Auch wenn dieser darauf zielt,, den akademischen Bildungsweg harmonischer zu gestalten und die Mobilität unter den Studierenden zu fördern, zeigen die Bildungsstreiks, die in den letzten Wochen an deutschen Universitäten stattfanden, dass die Umsetzung der Hochschulreform nicht immer schmerzfrei verläuft.

In dem Kultfilm « Barcelona für ein Jahr » der « Generation Erasmus » wird in einer  der ersten Szenen der Protagonist Xavier vor seiner Abreise nach Barcelona gezeigt. In dem Moment, in dem er die Formalitäten mit seiner Heimatuniversität zu regeln versucht, sieht man ihn unter einem Riesenberg an Dokumenten zusammenbrechen, die er ausfüllen muss. Genau diesen Berg an Papierkram müssen die Studierenden bezwingen, die einen Auslandsaufenthalt vorbereiten. Rückblick: 10 Jahre einer ehrgeizigen Reform Die Bologna-Erklärung, die 1999 von 46 Ländern unterzeichnet wurde, hatte das Ziel, diese Hindernisse zu minimieren und so die Mobilität der Studierenden zu erhöhen. Diese Erklärung, die 1998 an der Sorbonne initiiert wurde, sollte die europäische Hochschullandschaft umkrempeln. Ziel war es, die Studiengänge in den einzelnen europäischen Ländern anzupassen, wodurch den Studierenden die Möglichkeit gegeben werden sollte, von einem Land in ein anderes zu wechseln. Die Struktur der Studiengänge sollte daher dem Schema BMP (Bachelor, Master, Promotion) folgen (1. Etappe: Bachelor in drei Jahren) – 5 (2. Etappe: Master in zwei Jahren) – 8 (3. Etappe: Promotion in drei weiteren Jahren). Die Einrichtung von Credits (den berühmt-berüchtigten ECTS - European Credits Transfer System) ermöglichte, die im Ausland erworbenen Punkte an der Heimatuniversität anerkennen zu lassen. Trotz allem : die Reform In Frankreich hatte die Reform zu enormen Diskussionen geführt. Die Studierenden haben 2004 abermals nicht gezögert auf die Straßen zu gehen, um ihre Rechte gegen den Bologna-Prozess zu verteidigen. Folgende Punkte werden dabei in Frage gestellt: die Abschaffung von Abschlüssen wie dem DEUG (Vordiplom) oder des Maîtrise (Diplom) oder auch die Unterteilung von Studiengängen in Semester. Nach großem Lärm hat sich die Reform inzwischen durchgesetzt. Universitäten und Grandes Ecoles haben das  Bachelor-Master-System inzwischen mit mehr oder weniger Schwierigkeiten übernommen und das französische Ministerium für Forschung gibt stolz bekannt, dass « seit 2006 100% der Einrichtungen der europäischen Hochschularchitektur beigetreten sind ». Diese Entwicklung vollzieht sich parallel zur Internationalisierung der Studiengänge, wie beispielsweise anhand der Vervielfachung von deutsch-französischen Studiengängen zu beobachten ist. Schwierigkeiten bei der Umsetzung in Deutschland Deutschland ist von nun an eines der letzten Länder, die sich noch in der Übergangsphase befinden und die Hindernisse scheinen noch größer in Hinsicht auf die Besonderheiten der Studiengänge jenseits des Rheins. Dafür gibt es mehrere Gründe: Studierende und Professoren halten an den traditionellen deutschen Abschlüssen wie dem Diplom oder dem Magister fest. Dazu kommt, dass das deutsche Hochschulsystem großen Wert auf freie Kurswahl, persönliche Organisation des Semesters und insbesondere eigenverantwortliches Arbeiten legt. Diese Besonderheiten sind deutlich schwerer mit dem Bachelor-Master-System vereinbar, das starre Stundenpläne vorgibt und auf ein rasches Studienende zielt. Dementsprechend war der Protest gegen den Bolognaprozess eines der Schlagwörter bei den Universitätsdemonstrationen im letzten Frühjahr in Deutschland. Laut einigen Studierenden sei die Masse an Arbeit für die Uni ein Hindernis für das ordentliche Studieren und sogar für das Ausüben eines Nebenjobs, um das Studium zu finanzieren. Ausgerechnet jetzt wurde das Studium noch teurer, aufgrund der Einführung von Studiengebühren in einigen Bundesländern. Das Ziel der Harmonisierung der Studiengänge ist für viele deutsche Studierende auch kein überzeugendes Argument, da selbst der Studienwechsel von einem Bundesland in ein anderes nicht immer problemlos verläuft. Trotzdem bleibt Deutschland wenig Zeit, um diese Reform für die gesamte Hochschullandschaft umzusetzen, da das ursprüngliche Ziel einer Harmonisierung bis 2010 erfolgreich umgesetzt werden soll.



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