Was passiert, wenn deutsche Bildungspolitiker im Schnelldurchlauf Bologna an die Universitäten holen und nebenbei auch noch den Weg für Studiengebühren frei machen?

Qu’arrive-t-il lorsque les politiques allemands introduisent à toute vitesse le processus de Bologne dans les universités et ouvrent en même temps la voie pour des droits d’inscription très élevés?

Bis vor kurzem hätten sie wohl kaum mit Reaktionen aus dem studentischen Milieu rechnen müssen, denn die deutschen Studierenden hatten lange Zeit nicht zu Unrecht den Ruf, unpolitisch und desinteressiert zu sein. Doch das hat sich nun geändert, denn spätestens seit Herbst 2009 weiß jeder, dass deutsche Studenten auch anders können. Die Idee zum kreativen Protest hat zwar etwas auf sich warten lassen, doch die größtenteils katastrophalen Folgen, die eine übereilte und schlecht organisierte Einführung der Bachelor- und Master-Abschlüsse an den deutschen Universitäten hatte, ließ die Teilnehmerzahlen an den Bildungsstreiks im Sommer und Herbst 2009 sprunghaft ansteigen.

Nicht nur Sitzblockaden! Diesmal geht es um die Grundlagen

Das Nachdenken über das deutsche Bildungssystem soll laut den Wortführern des Aktionsbündnisses Bildungsstreik, das die bundesweiten Demonstrationen seit 2009 organisiert, nicht nur Bologna betreffen, sondern direkt bei Kant und Humboldt ansetzen. Von der Gefahr einer Romantisierung des aufklärerischen Bildungsgedankens einmal abgesehen, scheint diese Grundlagendiskussion angebracht, da die Entwicklungen des deutschen Bildungssystems nicht nur die unmittelbar Betroffenen beunruhigen. Mit den Forderungen der Streikenden nach selbstbestimmtem Lernen, freiem Zugang zu Bildung und einer Demokratisierung des Bildungssystems ist die Stoßrichtung des Protests klar: Bildungskritik ist auch Gesellschaftskritik. Daher auch der Schulterschluss mit Gewerkschaften, globalisierungskritischen Organisationen und den Jugendorganisationen von Parteien wie der Linken und den Grünen.

Auf die ersten Demonstrationen im Juni 2009 folgten im Oktober Proteste in vielen deutschen Städten und schließlich ein „heißer Herbst“. Die für deutsche Verhältnisse spektakulären Hörsaalbesetzungen wurden in der Öffentlichkeit und den Medien heiß diskutiert, wobei die Sympathien, die diese Aktionen hervorriefen, meist unverkennbar auf Seiten der Studierenden waren. Johannes M.*, ein Soziologie-Student aus Bamberg, hat den Bildungsstreik als Hörsaalbesetzer hautnah erlebt: „Die Uni wurde circa einen Monat lang bestreikt, allerdings war das nur eines der Gebäude in der Innenstadt mit einem Vorlesungssaal und ein paar Büros. Deswegen sind nicht allzu viele Veranstaltungen ausgefallen.“ Das Ganze dauerte schließlich auch nur bis kurz vor Weihnachten, danach kehrte besinnliche Ruhe ein. Was die Auswirkungen der Proteste angeht, macht sich Johannes trotz kleiner Erfolge keine Illusionen mehr: „Kurz vor Weihnachten wurden die Studiengebühren von 500 auf 400 Euro gesenkt, mehr ist aber noch nicht passiert. Die Unileitung hat versprochen, sich der Probleme anzunehmen, aber ich weiß nicht, inwiefern das auch passiert.“

Pécresse, nein danke! Auch französische Studenten kämpfen um ihr Bildungssystem

Die Positionsbestimmungen der deutschen Streikenden erinnern dabei an die Argumente, mit denen auch französische Studenten im Frühjahr 2009 zusammen mit Forschern und Lehrenden auf die Straße gingen. Der Stein des Anstoßes war damals ein neues Universitätsgesetz, das „Loi relative aux libertés et responsablilités des universités“ (LRU), das von der Ministerin für Bildung und Forschung, Valérie Précresse entworfen worden war. Auch wenn es nur teilweise im Zusammenhang mit dem Bologna-Prozess stand und vornehmlich eine Autonomisierung der Hochschulen Frankreichs einleiten sollte, entlud sich der Ärger vieler Studenten und Lehrenden über strukturelle Veränderungen und die prekäre Lage der Forscher an dem Gesetzesvorhaben. Da zeitweise mehr als 100.000 Demonstranten die Universitäten, die meist von den Rektoren geschlossen und von Sondereinsatztrupps bewacht wurden, bestreikten, fielen vielerorts die Jahresabschlussprüfungen aus und das Sommersemester ging im allgemeinen Trubel unter. Doch trotz der lautstarken und teilweise erschreckend gewaltbereiten Proteste der Studenten im ganzen Land ließ sich die Politik kaum beeindrucken und sah von drastischen Änderungen am Gesetzestext ab.

Nach einem „heißen Herbst“ ein „kalter Sommer“?

Auch in Deutschland waren die Auswirkungen des Bildungsstreiks trotz zeitweise 85.000 Demonstranten und medienwirksamen Protestaktionen bescheiden. Nicht zuletzt deshalb hatte das Aktionsbündnis Bildungsstreik im Juni diesen Jahres zu einem erneuten bundesweiten Protest aufgerufen, an dem am 9. Juni mehr als 70.000 Schüler, Studenten, Azubis und Lehrende in über 60 deutschen Städten teilnahmen. Mit Slogans wie „Heute schon auswendig gelernt?“ oder „Kein Platz? Die halbe Treppe ist noch frei!“ sollte nicht nur das Bachelor-Master-System kritisiert, sondern auch auf die strukturelle Misere an deutschen Hochschulen aufmerksam gemacht werden. Die Kritikpunkte und Forderungen haben sich also fast nicht verändert, die Teilnehmerzahlen allerdings sind zurückgegangen. Hannah Eberle, die in der Pressegruppe des Aktionsbündnisses mitarbeitet, zieht trotz Unkenrufen aus den Medien ein positives Fazit: „Ich halte das, was die Bewegung Bildungsstreik in Deutschland erreicht hat, auf zwei Ebenen für einen vollen Erfolg. Erstens haben sich nach so vielen Jahren vor allem junge Menschen mit Politik auseinander gesetzt. Zweitens, auch wenn die Politik versucht, uns nicht ernst zu nehmen, so muss sie es trotz der gesunkenen Teilnehmerzahlen dieses Jahr tun.“ Ist die Luft aus dem Bildungsstreik ein Jahr nach seinem Beginn schon wieder raus? Hannah sieht das nicht so: „Die vielen Probleme müssen weiter gemeinsam angegangen werden. Neue Gruppen werden sich bilden und wer weiß, ob die Bewegung nicht 2011 ihre volle Stärke zurück gewonnen hat und im Sommer wieder auf die Barrikaden geht.“ Auch wenn der Bildungsstreik im Juni weniger einschlug als noch im Herbst: Solange die Bildungspolitiker nicht reagieren, wird die Zeit der studentischen Unruhe wohl noch nicht beendet sein.

* Name von der Redaktion geändert

Il y a peu de temps, les politiques n’auraient pas dû s’attendre à une réaction de la part des étudiants car ces derniers avaient, et non pas à tort, la réputation d’être apolitiques et désintéressés. Cependant la situation a changé et depuis l’automne 2009, il est bien connu que les étudiants allemands savent aussi se défendre. L’idée de la contestation créative s’est fait attendre, mais les conséquences désastreuses que l’introduction hâtive et désorganisée du Bachelor et du Master a provoquées dans les universités allemandes, ont fait brusquement croître le nombre de participants à la grève de l’été et automne 2009.

Revenons aux bases! Kant, Humboldt et les Lumières

Or, selon les porte-parole du Aktionsbündnis Bildungsstreik
(« Alliance pour la grève de l’enseignement ») qui organise la grève depuis 2009, la réflexion sur le system d’éducation allemand ne devrait pas seulement s’attaquer au processus de Bologne, mais revenir à Kant et Humboldt. Mis à part le danger d’une romantisation de la pensée éducative des Lumières, une discussion de base semble de saison, car le développement récent du système d’éducation ne trouble pas seulement ceux qui sont directement touchés. Les revendications des grévistes allemands  études autodéterminées, libre accès à l’éducation, démocratisation du système d’éducation  montrent clairement l’axe de poussée: la critique de l’enseignement implique une critique sociale. Voilà la raison pour laquelle les grévistes ont activement cherché à s’allier aux syndicats, à des organisations antimondialistes et aux sections universitaires de certains partis politiques comme Die Linke (« La Gauche ») et les Verts.

Après les premières manifestations de juin 2009, un « automne
chaud » a été proclamé dans plusieurs villes allemandes en octobre de la même année. L’occupation d’un grand nombre d’auditoriums universitaires a été classée « spectaculaire » par rapport à la norme allemande et a été vivement discutée dans les médias et par le public qui affichaient ouvertement leurs sympathies pour les grévistes. Johannes M.*, étudiant en sociologie à Bamberg et occupant d’auditorium, a été aux premières loges de la grève: « Ma fac a été en grève pendant environ un mois, mais on n’occupait qu’un seul bâtiment dans le centre ville où il n’y a qu’un auditorium et quelques bureaux. Du coup, la plupart des cours n’ont pas été annulés. » Pourtant la grève ne s’est arrêtée qu’à Noël quand le calme s’est rétabli. Quant à l’impact qu’ont eu les manifestations, Johannes ne se fait pas d’illusions malgré quelques petits succès: « Avant Noël, le montant des droits d’inscription a été baissé de 500 à 400 euros, mais depuis rien ne s’est passé. Le président de ma fac a promis de s’occuper des problèmes, mais je ne sais pas si cela s’est fait. »

Pécresse, non merci! Les étudiants français défendent leur enseignement

Les prises de position des grévistes allemands rappellent souvent les arguments que les étudiants français ont invoqués quand, alliés aux enseignants-chercheurs, ils ont battu le pavé au printemps 2009. La pierre d’achoppement était la nouvelle Loi relative aux libertés et responsabilités des universités (LRU), élaborée par la ministre de l’Enseignement supérieur et de la Recherche, Valérie Pécresse. Bien que cette loi n’était que peu rattachée au processus de Bologne et avait pour but une autonomisation des universités françaises, elle a provoqué la colère des étudiants et des enseignants-chercheurs sur des changements structurels au sein des universités et la situation précaire de beaucoup de chercheurs. Comme plus de 100 000 manifestants étaient en grève dans les universités qui, dans la plupart des cas, avaient été fermées par les présidents et étaient gardées par les CRS, un grand nombre d’examens de fin d’année étaient suspendus et l’année universitaire s’est achevée tumultueusement. Mais malgré les contestations bruyantes et, dans certains cas, terrifiantes de par leur violence, le gouvernement ne s’est pas laissé impressionner et a, depuis, renoncé à changer la loi.

Un « automne chaud » suivi par un « été froid »?

En Allemagne également, les conséquences de la grève n’ont été que très minimes, malgré les 85 000 manifestants et les contestations médiatiques. Pour cette raison, en juin 2010 le Aktionsbündnis Bildungsstreik a appelé de nouveau à la grève à laquelle ont participé plus de 70 000 étudiants, collégiens et lycéens, apprentis et enseignants dans plus de 60 villes en Allemagne. Leurs slogans comme « Tu as déjà appris par cœur aujourd’hui? » ou « Pas de place? La moitié de l’escalier est encore libre! » montrent que les protestations ne sont pas seulement dirigées contre le système de Bologne, mais aussi contre l’organisation intérieure catastrophique de beaucoup d’universités allemandes. Les critiques et revendications n’ont donc pas beaucoup changé, mais le nombre de participants à la grève a baissé. Malgré le bilan négatif des médias, Hannah Eberle qui fait partie de la section de la presse du Aktionsbündnis, souligne le succès du mouvement: « Pour moi, les grévistes ont gagné sur deux plans: d’abord, c’est la première fois depuis des années que les jeunes s’intéressent à la politique. Deuxièmement, les politiques sont forcés à s’occuper de nous, même si le nombre des grévistes a baissé. » Le ressort est-il déjà cassé après un an? Hannah n’est pas d’accord: « On doit continuer à essayer de résoudre ces problèmes ensemble. D’autres groupes d’activistes vont se créer et qui sait si les grévistes n’auront pas rassemblé leurs forces en 2011 pour de nouveau battre le pavé en été? » Même si la grève a eu moins d’attrait en juin, le temps des troubles ne semble donc pas fini, tant que les politiques ne réagissent pas aux revendications des étudiants allemands.

* nom d’emprunt