Deutsch-französischer Doktorhut
Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Gleich zwei Doktorhüte auf einmal, nämlich einen deutschen und einen französischen, erwirbt man im Promotionsverfahren der „Cotutelle de thèse“ der Deutsch-Französischen Hochschule - eine aussichtsreiche Perspektive für Hochschulabsolventen und junge Nachwuchswissenschaftler beiderseits des Rheins.
Jonas (26) ist studierter Jurist und kennt die Hörsäle in Köln und Paris wie seine Westentasche. Der junge Akademiker promoviert seit kurzem zum Thema Haftungsrecht und Entschädigungsfonds. Auf die Frage nach dem inhaltlichen Mehrwert durch die deutsch-französische Ausrichtung antwortet er, dass es ihm Spaß mache, beide Rechtsordnungen miteinander zu vergleichen. Am liebsten möchte er später an der Uni in Frankreich arbeiten und falls das nicht klappt, reizen ihn auch die auf deutsch-französisches Recht spezialisierten Anwaltskanzleien in seiner Pariser Wahlheimat. Auf einem internationalisierten Arbeitsmarkt hat er gute Chancen. Die Cotutelle de thèse ist die logische Fortsetzung der integrierten Studiengänge der Deutsch-Französischen Hochschule (DFH), die ebenfalls mit Doppeldiplom abschließen. Alle Fachrichtungen sind vertreten. Es wird ein Kooperationsvertrag zwischen zwei Hochschulen vereinbart, inklusive doppelter Betreuung. Auch über Auswahl und Beurteilung der Kandidaten wird gemeinsam entschieden. Mindestens ein Jahr der Promotionszeit verbringt der Doktorand an der Partneruniversität. Geschrieben wird in einer Sprache, zusammengefasst in der anderen. Einschreibegebühren werden nur an einer der Partnerhochschulen fällig, Reisekosten im Rahmen der Betreuung werden ebenfalls übernommen. Camille (25) aus Metz pendelt häufig zwischen seiner Heimatstadt und dem nahe gelegenen Saarbrücken. Sein Fachgebiet ist die Werkstoffwissenschaft, genauer gesagt untersucht er Mikrostrukturen. Warum er sich für die Cotutelle entschieden hat? Zu Schulzeiten, seien seine Deutscherfolge eher mäßig gewesen und damit wollte sich nicht zufrieden geben, erklärt er. Das Ausland reizte ihn zudem seit langem. Gäbe es das Modell der Cotutelle nicht, dann wäre eine klassische Promotion nur in Frankreich für ihn eher nicht in Frage gekommen. Die Cotutelle erleichtert den wissenschaftlichen Blickwechsel, fördert fundierte Sprachkenntnisse und Methodenvielfalt. Häufig entstehen durch binationale Doktorandenkollegs, so Camille, wichtige Forschungsnetzwerke und Austauschplattformen. Hat man erst einmal das Einschreibeverfahren geschafft, dann ist – da sind sich die beiden jungen Männer einig - das grenzüberschreitende Promotionsverfahren eine tolle Sache. Mit der Promotionsurkunde geht die Verleihung des Doktorgrades und die Titelberechtigung in beiden Ländern einher. Die Cotutelle verdient in der Tat das Prädikat summa cum laude, mit höchstem Lob!
Links
Deutsch-Französische Hochschule
http://www.dfh-ufa.org/fr/formations/cursus-de-niveau-master-post-licence/
